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Janssen-Schwestern entwickeln Angebot weiterGrüntal-Gruppe setzt auf Pflegeheim deluxe

Die Gründer haben sich auf das Geschäft mit Seniorenresidenzen spezialisiert. Die zweite Generation entwickelt das Angebot nun weiter.Diana Fröhlich 12.02.2018 - 18:32 Uhr Artikel anhören

Die Familie bietet in ihren Häusern Luxus-Pflege an.

Foto: Jonas Holthaus für Handelsblatt

Berlin. Noch sind nicht alle Zimmer bewohnt in der Villa Clay. In den oberen Stockwerken riecht es noch ein bisschen nach Farbe, nach den neu verlegten Teppichen, nach dem Holz der Möbel. Josefine Janssen will das Haus nach und nach mit Leben füllen – und zunächst erst einmal schauen, wie der Betrieb im Alltag läuft. Seit knapp einem Jahr führt die 37-Jährige im wohlhabenden Berliner Ortsteil Zehlendorf die Villa Clay, eine Seniorenresidenz für pflegebedürftige Menschen, die eher an ein Luxushotel inklusive Rundum-sorglos-Paket erinnert.

Wer hier lebt, der kann im Fitnessstudio trainieren oder auf der Spielekonsole kegeln. Im hauseigenen Kino gibt es täglich Filmabende, dazu Konzerte, Lesungen, ein Kaminzimmer mit Literatur, einen Konzertflügel und auch mal ein Glas Wein. Hinzu kommen geplante Ausflüge, ein Friseur und ein Kosmetiker, Wäsche- und Einkaufsservice, aber auch ein 24-Stunden-Notruf und ein Medikamenten-Management. Draußen, im neu angelegten Garten, leben Riesenkaninchen und Zwergziegen. Eine Kita, mit der man kooperiert, ist nebenan, die U-Bahn-Haltestelle quasi vor der Tür. Wenn die Villa Clay voll vermietet ist, können hier 116 Menschen leben. Gesamtinvestition: rund 22 Millionen Euro.

Josefine Janssen lebt seit vier Jahren für ihr erstes eigenes Projekt. Sie kennt ihre Klientel, die aus den Villen der Gegend stammt und Personal gewöhnt ist. Rund 4.000 Euro müssen die Bewohner selbst zahlen, wenn sie hier leben wollen. Janssen kennt das Geschäft mit der Pflege seit Langem, eigentlich seit ihrer Geburt. Ihre Eltern Susanne und Peter Janssen führen seit rund vier Jahrzehnten Senioreneinrichtungen in Berlin und Ostfriesland. Derzeit machen sie laut eigenen Angaben mit 800 Mitarbeitern mehr als 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Die Residenzen in Berlin firmieren unter „Grüntal-Gruppe“, die im Norden unter „Pflege-Butler“. Früh schon haben die Janssens ihr Heil in der Nische gesucht, haben sich auf betreutes Wohnen mit ambulanter Pflege konzentriert. Auf „ein schönes Ambiente für Menschen mit Pflegestufe“, wie es Peter Janssen erklärt.

Prägende Kindheit

Der 69-Jährige stammt selbst aus Ostfriesland, ist auf dem Land groß geworden, hat später BWL studiert und in einem Hotel gearbeitet. Doch er wollte mehr, Unternehmer sein, mit 28 gründete er ein Altenheim. Längst ist Janssen auch examinierter Altenpfleger. Zu Beginn haben er und seine Frau immer auch in einer zum Heim gehörenden Wohnung gelebt, Tochter Josefine und ihre fünf Jahre jüngere Schwester Johanna sind dort aufgewachsen. Weihnachten und Silvester haben sie mit den Bewohnern gefeiert, mit ihnen Buletten gebraten. „Die Zeit hat uns auch menschlich sehr geprägt“, sagt Josefine Janssen rückblickend. Auch wenn das Thema sie als Teenager manchmal genervt hat.

Und doch hat es sie dazu bewogen, ihren Eltern ins Unternehmen zu folgen. Sie hat zwar erst Design studiert, danach aber Krankenschwester gelernt und im Anschluss Wirtschaft und Pflege studiert, Schwester Johanna absolvierte eine Altenpflege-Ausbildung und studierte danach Pflegemanagement. Johanna Janssen, die Jüngere, führt heute eine Seniorenresidenz in Berlin-Lankwitz, Josefine die Villa Clay. Es ist nun die zweite Generation, die die Unternehmensgruppe weiterentwickelt.

Boom der Hörakustikbranche

Mehr Technik fürs Ohr

Die Janssens sind im Vergleich zu den großen privaten Pflegeheimbetreibern in Deutschland, wie etwa der Korian Gruppe oder Orpea, nur ein kleiner Spieler. Auch mit dem immensen Pflegeangebot der gemeinnützigen Arbeiterwohlfahrt sind die Janssens nicht zu vergleichen, aber die schiere Größe ist auch nicht ihr Ziel. „Wir wollen dem Wettbewerb einen Schritt voraus sein“, sagt der Senior. In dem er Angebote schafft, die trotz des luxuriösen Ambiente für eine überschaubare Klientel bezahlbar sind. Und: Besteht bei seinen Bewohnern eine Bedürftigkeit in Form eines Pflegegrads, dann übernimmt die Pflegekasse einen Teil der Kosten. Die Pflegekosten unterscheiden sich in einer Seniorenresidenz nicht groß von denen in einem gewöhnlichen Pflegeheim.

Die Branche gehört in Deutschland seit Jahren zu den am schnellsten wachsenden Sektoren im Gesundheitsmarkt und soll nach Angaben des „Pflegeheim Rating Report“ bis zum Jahr 2030 noch mal um mehr als ein Viertel auf 66 Milliarden Euro Umsatz zulegen. Doch vor allem fehlendes Fachpersonal – und fehlendes Kapital – machen der Branche Sorgen. Dabei steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wegen des demografischen Wandels stetig an.

Die Pflege war daher auch Thema bei den gerade zu Ende gegangenen Koalitionsverhandlungen in Berlin. 8.000 neue Stellen sollen quasi als Sofortmaßnahme geschaffen werden. Doch ob das ausreicht, um die zum Teil mangelhafte Versorgung in deutschen Pflegeheimen zu verbessern, sei mehr als fragwürdig, monieren Gesundheitsexperten. Auch Josefine Janssen ist ständig auf der Suche nach neuen Mitarbeitern für ihre Villa Clay. „Es ist schwer, Personal zu finden, das zu uns und unserer Klientel passt“, sagt sie. „Wir bilden daher auch selbst aus.“

Riesiges Marktpotenzial

Der Markt, in dem sie tätig ist, ist zweifelsfrei interessant und biete Potenzial, sagt Markus Hamer vom Deutschen Institut für Service-Qualität. Er testet regelmäßig Seniorenresidenzen und weiß: „Es gibt ausreichend zahlungskräftige Klientel, die im Alter auf nichts verzichten möchte.“ Dieses Potenzial haben längst auch die großen Anbieter für sich entdeckt – teurere Residenzen gibt es hierzulande viele. Doch sie können eben immer nur eine Ergänzung zum klassischen Pflegeheim sein, weiß der Experte.

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Das Gefühl, selbstständig sein zu wollen, hat Josefine Janssen von ihrem Vater geerbt. Der Mut, der dafür nötig ist, den hat sie sich erarbeitet. Janssen war ebenso wie ihre Schwester viel mit dem Vater unterwegs. „Schon als Kleinkinder sind wir mit dem Wohnmobil auf Weltreise“, sagt sie. Später hat der Senior sie dann mitgenommen auf Expedition. Sie waren bei indigenen Völkern, sind wochenlang mit Gummistiefeln, Rucksack und Zelt durch die „Grüne Hölle von Irian Jaya“ zu den Koruwai und den

Asmat in Papua gewandert. Oder durch die Mongolei geritten, über hohe Bergpässe zu Rentiernomaden. „Weil ein bisschen Abenteuer Spaß macht“, wie Peter Janssen sagt. Und: „Weil es für das Leben schult.“ Mutter Susanne hat bei den Expeditionen die Töchter meist mit dem Vater ziehen lassen, vor allem dann, wenn die Touren ihr zu extrem erschienen. Was sie alle dabei gelernt haben? „Man nimmt sich selbst nicht mehr so wichtig“, sagt Josefine Janssen. „Ich bleibe auf jeden Fall gelassen, auch wenn eine Situation mich sehr überraschend fordert.“

Gelassenheit scheint auch nötig bei einem Vater, der zu seinen extravaganten Hobbys steht: Im Keller der Villa Clay hat der Japan-Fan seine riesige Samurai-Sammlung ausgestellt – und daraus gleich ein mal ein Museum gemacht. Zu Hause war einfach kein Platz mehr dafür.

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