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Martin Esslinger Radtaschen-Marke Ortlieb findet in Corona-Zeiten reißenden Absatz

Der Vertriebschef des Mittelständlers kann gar nicht so schnell liefern, wie die Kunden bestellen. Daher sucht er händeringend Personal.
20.07.2020 - 12:17 Uhr Kommentieren
Der Vertriebschef des Radtaschen-Herstellers Ortlieb kommt mit den Auslieferungen kaum noch nach. Quelle: Ortlieb
Martin Esslinger

Der Vertriebschef des Radtaschen-Herstellers Ortlieb kommt mit den Auslieferungen kaum noch nach.

(Foto: Ortlieb)

München Neulich hat Martin Esslinger samstags im Lager von Ortlieb ausgeholfen. Anschließend war dem Vertriebschef des fränkischen Radtaschen-Herstellers eins klar: So kann es nicht weitergehen. Wenn sich der Fahrrad-Boom fortsetzt, und daran hat der 38-Jährige keinen Zweifel, stößt der Versand des Mittelständlers bald an Grenzen.

Ortlieb wächst schon seit Langem. Zehn Prozent steige der Umsatz in der Regel im Jahr, meint Esslinger. Darauf hatte sich der Manager auch 2020 eingestellt. Dieses Jahr aber sprengt alle Rekorde. Wegen des Coronavirus steigen die Leute massenhaft aufs Rad um – und kaufen dazu so viele Taschen wie nie, in Europa und auch in Amerika. „Als die Corona-Beschränkungen fielen, sind die Aufträge regelrecht explodiert. Land für Land ging das von heute auf morgen“, betont der Schwabe.

Volkswirt Esslinger hatte Glück. Schon in den Anfangstagen der Pandemie hatte sich das Management des Familienunternehmens entschlossen, auf Kurzarbeit zu verzichten. Stattdessen lief die Fertigung in Heilsbronn uneingeschränkt weiter. Als die Läden wieder öffneten, stand Esslinger bereit und konnte die Radhändler beliefern.

In normalen Jahren würde das Geschäft in diesen Tagen seinen Höhepunkt erreichen und dann abflachen. Denn in der Regel kaufen die Radler ihre Ausrüstung im Frühjahr ein. Nach den Sommerferien wird dann fürs kommende Jahr vorproduziert. In Zeiten von Corona ist das anders. Esslinger wird aus den Händen gerissen, was die Maschinen hergeben. „Unsere Kapazitäten sind voll ausgelastet, sowohl in der Fertigung als auch im Lager.“

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    Händeringend sucht er deshalb Personal: „Wir brauchen dringend neue Leute in der Produktion.“ Es sei allerdings schwer, welche zu finden. Eine Anzeige jüngst brachte jedenfalls kaum Bewerbungen. 250 Mitarbeiter beschäftigt Ortlieb momentan.

    Unter Rad-Enthusiasten genießt Ortlieb einen legendären Ruf. Die wasserdichten Satteltaschen des Mittelständlers gehören zu Radreisen wie Goretex zu Wanderjacken. In den vergangenen Jahren hat die Marke vom Boom der E-Bikes profitiert. Mit Corona kommen Pendler als neue Kunden dazu, die den öffentlichen Nahverkehr meiden; und natürlich die vielen Urlauber, die dieses Jahr auf eine Auslandsreise verzichten.

    Gesamtes Sortiment aus der eigenen Fabrik

    Umsatzzahlen hält Ortlieb unter Verschluss. Bekannt ist aber, dass die Firma mehr als eine Million Artikel pro Jahr herstellt. Die Erlöse dürften sich damit auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag summieren.

    Das gesamte Sortiment stammt aus der eigenen Fabrik in Heilsbronn südwestlich von Nürnberg. Ortlieb baut auch die Maschinen selbst. Nur so, glaubt das Management, könne sich der Mittelständler wirklich von der Konkurrenz abheben. Doch das ist noch nicht alles: 70 Prozent aller Materialien stammen eigenen Angaben zufolge aus Deutschland, ein Zulieferer sitzt nur einen Steinwurf entfernt am anderen Ende der Straße.

    Vielen Radhändlern fehlt schon seit Wochen Nachschub aus Fernost. Ortlieb dagegen kann liefern, wenn auch nicht immer so schnell, wie das die Kunden gerne hätten. Es ist aber nicht allein das, was die Shops schätzen. Ihnen gefällt auch, dass Esslingers Team in innovative Bereiche wie das sogenannte „Bike-Packing“ investiert hat. Es sind dies Taschen, die am Rahmen, Lenker oder auch der Sattelstütze angebracht werden. Sie sind vor allem populär bei Gravel-Bikes, also geländetauglichen Rennrädern.

    „Für diese Art von Taschen hat Ortlieb fast eine Art Monopolstellung“, sagt Sebastian Trapp, Einkaufsleiter beim Aachener Spezialversand Bike Components. „Das in Kombination mit der generell sehr großen Nachfrage nach Ortlieb-Fahrradtaschen schafft einen sehr hohen Umsatz dieser Waren.“

    Natürlich läuft auch bei Ortlieb nicht alles rund. Ursprünglich wollte Esslinger dieses Jahr das Geschäft mit wasserdichten Taschen massiv ausbauen. Die Pläne liegen erst einmal auf Eis. Esslinger: „Alles was mit Fernreisen zu tun hat, ist momentan schwer verkäuflich.“

    Nach seinem samstäglichen Einsatz im Lager macht sich der Vertriebsleiter jetzt daran, den Betrieb zu automatisieren. Nicht, um Personal abzubauen, sondern um dem Ansturm Herr zu werden, den er auch für die nächsten Jahre erwartet.

    Mehr: Wie diese zwei Gründer vom E-Bike-Boom profitieren

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