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Min-Liang Tan Dieser Computerspiel-Milliardär will eine globale Zocker-Bank aufbauen

Mit seinem Unternehmen Razer hat Min-Liang Tan in der Gamer-Szene Kultstatus erreicht. In der Coronakrise entwickelt der „asiatische Steve Jobs“ neue Ideen.
31.05.2020 - 13:22 Uhr Kommentieren
Der Milliardär aus Singapur sieht sich als Visionär und würde gerne als „asiatischer Steve Jobs“ wahrgenommen werden. Quelle: Razer
Min-Liang Tan

Der Milliardär aus Singapur sieht sich als Visionär und würde gerne als „asiatischer Steve Jobs“ wahrgenommen werden.

(Foto: Razer)

Bangkok Singapurs Nachtleben dröhnt in Zeiten der Pandemie aus Smartphone-Lautsprechern. Es ist Freitagabend, drei Stunden vor Mitternacht in der südostasiatischen Metropole. Der populäre Nachtclub Zouk, in dem normalerweise jedes Wochenende mehr als 1000 Menschen feiern, darf wegen Corona-Auflagen keine Besucher empfangen.

Der DJ legt aber trotzdem auf: für eine Online-Party-Nacht, die per Livestream über eine Handy-App verbreitet wird. „Willkommen beim Cloud-Clubbing“, ruft ein Club-Einheizer ins Mikrofon.

Die digitale Disco-Nacht ist eine Initiative von Min-Liang Tan, einem der bekanntesten Technologie-Unternehmer des fernöstlichen Stadtstaates. Der 42-jährige Gründer und Vorstandschef des Hardware-Herstellers Razer hat sich bisher vor allem in der Gamer-Szene einen Namen gemacht: Mit Laptops, Mäusen und Tastaturen, die speziell auf Computerspiele ausgelegt sind, wurde Tan zu Singapurs jüngstem Selfmade-Milliardär.

Die Coronakrise sieht er nun als Chance, seine Kundengruppe auszuweiten und den Konzern in eine neue Richtung zu führen: Er will künftig nicht nur mehr Unterhaltung bieten, sondern von Singapur aus auch einen globalen Finanzkonzern für Jugendliche starten. Dabei nimmt er auch den deutschen Markt ins Visier.

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    An der Neuausrichtung von Razer arbeitet Tan mit ungewohnten Einschränkungen: „Normalerweise bleibe ich nur fünf Tage an einem Ort und fliege dann weiter“, sagt der Unternehmer in einer Videoschalte mit dem Handelsblatt. „Jetzt bin ich schon seit einem Monat am Stück in Singapur. Das ist für mich eine sehr lange Zeit.“

    Razer, das Tan 2005, wenige Jahre nach seinem Jurastudium, zusammen mit dem Amerikaner Robert Krakoff gründete, hat zwei Hauptsitze – in Singapur und in Kalifornien. Statt zwischen den Standorten zu pendeln, arbeitet Tan nun wie ein Großteil seiner Belegschaft im Homeoffice.

    „Asiatischer Steve Jobs

    Dass nicht nur er, sondern Millionen Menschen rund um den Globus wegen des Coronavirus-Lockdowns viel mehr Zeit zu Hause verbringen, sei für sein Unternehmen eine gute Nachricht. „Wir sehen, dass die Zeit, die Menschen mit Computerspielen verbringen, dramatisch zugenommen hat“, sagt Tan. „Auch die Nachfrage nach unserer Hardware ist stark gestiegen. Wir sind ganz klar eine Stay-at-Home-Firma.“

    In neuen Kooperationen wie mit dem Nachtclub Zouk, die er inmitten der Pandemie startete, sieht Tan die Möglichkeit, sein Geschäftsmodell auch abseits der Computerspielwelt auszudehnen. Kern ist dabei die Digitalwährung Razer Gold, mit der in Spielen unter anderem virtuelle Gegenstände erworben werden können. Während der Smartphone-Clubnächte können Nutzer die Währung verwenden, um Trinkgeld an den DJ und die Clubbetreiber zu schicken.

    Zouk-Chef Andrew Li macht das Projekt Hoffnung in einer schweren Zeit: „Wir wollten schon lange in der digitalen Welt aktiv werden“, sagt er. Nach einem Brainstorming mit Tan sei die Idee zu dem Cloud-Clubbing-Format entstanden. Seine regulären Umsätze seien wegen der Coronakrise komplett eingebrochen. Das Streaming-Experiment hält er für vielversprechend, um die Phase zu überbrücken: „Als zusätzliche Einnahmequelle hat es Potenzial“, sagt Li.

    Razer-Gründer Tan will nun auch in anderen Weltregionen Betreiber von Diskotheken und Clubs von dem Modell überzeugen. „Ich bin auf der Suche nach einem Partner in Europa“, sagt er. Chancen sieht er auch bei anderen Unterhaltungsangeboten wie zum Beispiel Konzerten, die während der Coronakrise versuchen, digitale Einnahmequellen zu erschließen: „Viele bieten ihren Content derzeit online umsonst an, um damit Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagt Tan. „Wir machen es möglich, die Angebote auch zu monetarisieren.“

    Tan ist kein bescheidener Mann. Er sieht sich als Visionär und würde gerne als „asiatischer Steve Jobs“ wahrgenommen werden, wie das auf die Gamer-Szene spezialisierte Digitalmagazin „Kotaku“ im vergangenen Jahr berichtete. Der Bericht zitierte zudem ehemalige Razer-Mitarbeiter, die Tan als „diktatorisch“ agierenden Chef darstellten, der schnell aufbrausend werde und seine Angestellten beleidige.

    Tan räumte ein, dass er „sehr heftig“ auftreten und schon mal laut werden könne, wenn ein Produkt seinen Standards nicht genüge. Seine Fans scheint dieser Managementstil aber kaum zu stören: Auf Instagram präsentieren sich Nutzer mit Fotos von auftätowierten Razer-Firmenlogos als besonders treue Anhänger. Tan verweist darauf, dass in der Technologiewelt früher lediglich Apple über derart begeisterte Fans verfügt habe.

    Auch Deutschland im Blick

    Den Kultstatus verdankt Razer seinem populären Computerspielezubehör, von dem das börsennotierte Unternehmen immer noch fast ausschließlich lebt. Die Hardware-Verkäufe machten im vergangenen Jahr fast 90 Prozent des Gesamtumsatzes von rund 820 Millionen Dollar aus.

    Mit den neuen Finanzdienstleistungen will Tan nun aber ein weiteres Standbein aufbauen: In Südostasien bietet das Unternehmen bereits neben seiner virtuellen Währung auch Services als Zahlungsabwickler und verbuchte im vergangenen Jahr Transaktionen mit einem Volumen von mehr als zwei Milliarden Dollar.

    Die nächste Ausbaustufe soll in den kommenden Monaten folgen: In Singapur bewirbt sich Razer um eine von fünf Lizenzen für den Betrieb einer reinen Digitalbank, die der Stadtstaat in diesem Jahr erstmals vergeben will. Tan will nach eigenen Worten eine „globale Jugendbank“ schaffen, die die gleiche junge Klientel anspricht, die er bereits mit seinem Spiele-Geschäft bedient.

    Neben Singapur wolle er sich auch in anderen Ländern um entsprechende Lizenzen bemühen und hat auch Deutschland im Blick: „Deutschland ist für uns ein sehr interessanter Markt. Wir haben das Gefühl, dass junge Menschen dort mit Blick auf Finanzdienstleistungen noch unterversorgt sind und wollen da nun Schritt für Schritt vorangehen.“ Zu Razers Anteilseignern gehört unter anderem der singapurische Staatsfonds GIC, der auch an der Berliner Digitalbank N26 beteiligt ist.

    Die Investmentbank Jefferies rechnet damit, dass Razer zunächst versuchen werde, den knapp 100 Millionen Nutzern seiner Software-Plattform Finanzdienstleistungen zu verkaufen. „Dazu dürften sowohl Versicherungsprodukte als auch Vermögensverwaltung zählen“, hieß es in einem Analystenkommentar.

    Ursprünglich sollte eine Entscheidung über die Banklizenz in Singapur bereits im Juni fallen. Mit Blick auf gestörte Arbeitsabläufe wegen der Coronavirus-Krise kündigte Singapurs Finanzaufsicht aber eine Verschiebung auf die zweite Jahreshälfte an.

    Langweilig dürfte es Tan in der Zwischenzeit aber nicht werden: Als Zeichen der unternehmerischen Verantwortung in der Krise baute er in Singapur eigene Produktionslinien für Schutzmasken auf und sagte zu, in der Metropole fünf Millionen Stück über Verkaufsautomaten umsonst abzugeben. Ganz uneigennützig scheint die Aktion aber nicht zu sein: Denn Zugang zu den Masken bekommt nur, wer Razers Bezahl-App auf seinem Smartphone installiert.

    Mehr: Warum in Singapur Taxiunternehmer und Massagesessel-Hersteller zu Banken werden können

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