Energiekonzern: Staatsgarantien könnten Siemens Energy eine halbe Milliarde Euro kosten
Berlin. Den Krisenkonzern Siemens Energy könnten die vom Staat eingeräumten Garantien teuer zu stehen kommen. Der Konzern müsse dafür womöglich rund 500 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren zahlen, berichtete die „Wirtschaftswoche“ am Donnerstag unter Berufung auf Unternehmenskreise. Mit den Verhandlungen vertraute Personen bestätigten dem Handelsblatt die Größenordnung.
Siemens Energy benötigt milliardenschwere Garantien, um sein auf über 100 Milliarden Euro aufgeblähtes Auftragsbuch abzuarbeiten. Der Bund hatte Garantien in Höhe von 7,5 Milliarden Euro zugesagt. Der Energietechnikkonzern muss laut „Wirtschaftswoche“ um die 120 Basispunkte, also 1,2 Prozent des Garantievolumens, für das der Bund bürgt, nach Berlin überweisen. Banken hätten bisher knapp 40 Basispunkte verlangt, für künftige Tranchen forderten sie 65 Basispunkte.
Der Konzern wollte sich zu der Meldung zunächst nicht konkret äußern. Vom Bundeswirtschaftsministerium war auch keine Stellungnahme zu erhalten.
Seit drei Jahren versucht Siemens Energy, seine Windtochter Siemens Gamesa aus der Krise zu lenken. Diese belastet die Gesamtbilanz des Konzerns regelmäßig mit tiefroten Zahlen. Allein im vierten Quartal machte die Windkraftsparte einen Verlust von 670 Millionen Euro.
Wegen Qualitätsproblemen bei der jüngsten Onshore-Turbinengeneration ist der Verkauf neuer Turbinen an Land bis auf Weiteres ausgesetzt. Darunter leiden Umsatz und Auftragsbestand spürbar.
Viele der Probleme sind hausgemacht: So hat Siemens Gamesa die problembehaftete Turbine unter Wettbewerbsdruck viel zu früh auf den Markt gebracht. Zusätzlich belasten Inflation, steigende Zinsen, ein harter Preiswettkampf und ein kapitalintensives Technologiewettrennen unter den Turbinenherstellern die Situation. Keiner der großen Hersteller verdient aktuell Geld.
Mitte November musste der Energietechnikspezialist mit staatlichen Bürgschaften gestützt werden. Auch die Banken und der Großaktionär Siemens beteiligen sich an der Rettungsaktion. Insgesamt geht es um Garantien in Höhe von 15 Milliarden Euro.
Als Reaktion will der Konzern Investitionen und Wachstumstempo im Geschäft mit der Windkraft reduzieren. Das gilt zumindest für Windkraft an Land. Die Produktion von seefähigen Turbinen auf dem Meer soll dagegen ausgebaut werden. Insgesamt will der Konzern bei seiner Windtochter in den kommenden Jahren um die 400 Millionen Euro einsparen.