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GeldpolitikBritische Notenbank öffnet Tür für Zinssenkungen

Die Bank of England belässt den Leitzins auf dem Niveau von 5,25 Prozent und wartet auf „Beweise“, dass die Inflation besiegt ist. Die Finanzmärkte reagieren ratlos auf die Andeutungen der Notenbanker. Torsten Riecke 01.02.2024 - 14:29 Uhr aktualisiert
Händler an den britischen Märkten rechnen mit einer ersten Zinssenkung der Bank of England im Juni. Foto: IMAGO/ZUMA Wire

London. Deutlicher als bislang hat die britische Notenbank am Donnerstag signalisiert, dass sie bereit ist, die Leitzinsen zu senken. Zwar hält die Bank of England die Leitzinsen vorerst weiterhin bei 5,25 Prozent. Die Notenbanker verzichteten jedoch darauf, explizit weitere Zinserhöhungen anzukündigen, sollte die inzwischen deutlich gesunkene Inflation das erfordern. Gleichzeitig betonte Notenbank-Chef Andrew Bailey jedoch: „Wir müssen mehr Beweise dafür sehen, dass die Inflation ganz auf das Zwei-Prozent-Ziel fallen und dort bleiben wird, bevor wir die Zinsen senken können.“

Zuvor hatten bereits die Federal Reserve in den USA und die Europäische Zentralbank ähnlich abwartend argumentiert. Die Finanzmärkte reagierten zunächst ratlos auf die Verlautbarung aus London. Anleihe- und Aktienmärkte bewegten sich kaum, das Pfund erholte sich etwas. An den Märkten für Zinsprodukte wetten die Händler jetzt darauf, dass die erste Zinssenkung um 25 Basispunkte im Juni dieses Jahres kommen könnte.

Die Zögerlichkeit vieler Anleger dürfte auch mit der Uneinigkeit der Notenbanker zu tun haben. Ihre Entscheidung, die Leitzinsen unverändert zu lassen, fiel nämlich nicht einstimmig aus. Sechs Mitglieder des Geldpolitischen Ausschusses votierten für eine Verlängerung der Zinspause, zwei plädierten für eine Zinserhöhung und ein Mitglied forderte Zinssenkung.

Die Unschlüssigkeit der Notenbanker spiegelt die zum Teil widersprüchlichen Signale aus der britischen Wirtschaft wider. So hat sich die Inflation zwar innerhalb eines Jahres mehr als halbiert und steht jetzt bei vier Prozent. „Das ist schneller, als wir das erwartet hatten“, sagte Bailey.

Im Dezember zogen die Preise aber wieder an und die Bank of England rechnet damit, dass der Preisdruck die Inflationsrate im Verlauf des nächsten Jahres wieder über zwei Prozent drücken könnte.

Bruttoinlandsprodukt weckt Hoffnungen

„Mit Blick auf die Inflationsprognose (…) wollen sie signalisieren, dass wir bei der Inflation noch nicht so weit sind“, sagte Kamal Sharma, Analyst bei der Bank of America in London.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im November gegenüber dem Vormonat stärker als erwartet und weckt damit Hoffnungen, dass Großbritannien 2023 knapp an einer Rezession vorbeigeschlittert ist. Die Notenbank schätzt die Chancen dafür 50 zu 50 ein.

Für die kommenden Monate rechnen die Zentralbanker mit einer schrittweisen wirtschaftlichen Erholung, da die vorangegangenen Zinserhöhungen langsam ihre bremsende Wirkung verlieren dürften. Dass der Druck auf eine Zinssenkung dennoch zunimmt, zeigt die Voraussage der Bank of England. Demnach würde die Inflation deutlich unter ihr Zwei-Prozent-Ziel sinken, sollte die Notenbank den aktuellen Zinssatz dauerhaft beibehalten. Bereits im Frühling könnte das Preisniveau die Zielmarke der Notenbank erreichen.

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„Die wichtigste Frage für uns in diesem Jahr ist, ob die Inflation so weit zurückgeht, dass wir die Zinsen senken können“, sagte Notenbankchef Bailey.

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