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Asia TechonomicsSheins geplanter Mega-Börsengang wird zum politischen Kräftemessen

Der IPO des Online-Modehändlers hängt in der Warteschleife. Während in den USA die Kritik wächst, prüft auch eine chinesische Behörde die Pläne. Shein denkt bereits über Alternativen nach.Nicole Bastian 29.02.2024 - 11:22 Uhr
Pop-up-Store von Shein in New York: Der chinesische Onlinemodehändler könnte für den größten internationalen Börsengang seit Jahren sorgen. Foto: Reuters

Was der chinesische Onlinehändler Shein in diesem Jahr vorhat, wird die Finanzmärkte bewegen – so oder so: Der Fast-Fashion-Anbieter plant einen Börsengang (IPO), der das Unternehmen mit 50 bis 90 Milliarden Dollar bewerten könnte. Das Emissionsvolumen könnte das größte seit Jahren sein. 

Zudem könnte die Notierung ein Eisbrecher für chinesische Mega-Börsengänge im Ausland werden. Das zumindest hofften Finanzexperten, als Shein im November vergangenes Jahr bei der US-Aufsicht einen vertraulichen Antrag auf eine Notierung in New York stellte. Doch diese Hoffnungen verflüchtigen sich gerade. Denn so politisch wie der Shein-Börsengang ist wohl kein anderer derzeit. 

Der Widerstand in den USA gegen einen Shein-Börsengang ist groß. Der republikanische Senator Marco Rubio etwa schreibt in einem Brief an den Chef der Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler: „Es ist vernünftig zu fragen, ob ein Unternehmen, das so eng mit einer Widersacher-Nation verbunden ist, in der Lage sein sollte, auf unseren Kapitalmärkten Geld einzusammeln.“

Ein Ausschuss des US-Abgeordnetenhauses untersucht das Geschäftsgebaren von Shein. Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren so rasch gewachsen, das es mittlerweile nach Einschätzung von Marktbeobachtern rund ein Fünftel des weltweiten Fast-Fashion-Markts ausmacht.

Neben Datenschutzsorgen geht es den Politikern unter anderem um die Frage, ob das Unternehmen Baumwolle aus der chinesischen Uiguren-Provinz Xinjiang bezieht. Dann würden US-Sanktionen einen Import verbieten.

Generalstaatsanwälte aus 16 Bundesstaaten haben die SEC aufgefordert, einen Börsengang erst zu genehmigen, wenn Vorwürfe von Zwangsarbeit in Xinjiang in der Shein-Lieferkette ausgeräumt sind. Auch sehen Politiker kritisch, dass das Unternehmen Zollausnahmebestimmungen in den USA ausnutzt mit den Tonnen seiner Billigmode, die aus China eingeführt werden. Und das alles im wichtigen Wahljahr 2024, wo chinafreundliche Politik für keine Partei zur Wahlkampftaktik gehören dürfte.

Die chinesische Cyberbehörde prüft ebenfalls

Die Widerstände gegen den Mega-Börsengang in New York scheinen in den USA mittlerweile so groß, dass Shein alternative Finanzplätze in Betracht zieht. London, Singapur oder Hongkong seien im Rennen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg in dieser Woche. Shein-Chef Donald Tang hat sich britischen Medien zufolge bereits mit dem britischen Finanzminister Jeremy Hunt getroffen.

Für London und Hongkong, die unter Abgängen und einer sinkenden Zahl neuer IPOs leiden, wäre der Börsengang eine große Chance. Doch schon mehren sich auch in Großbritannien die kritischen Stimmen: Warum die Zulassungshürden niedriger legen als die USA? 

In der wöchentlichen Kolumne schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien. Foto: Klawe Rzeczy

Dabei will das 2008 in China gegründete verschwiegene Unternehmen gar nicht als chinesisch wahrgenommen werden: Den Firmensitz hat es vor zwei Jahren nach Singapur verlagert. Die Absatzmärkte sind ausschließlich außerhalb der Volksrepublik. Aber Sheins Waren werden vor allem in China produziert. 

Und wie chinesisch Shein dann doch noch ist, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass die chinesische Cybersicherheitsbehörde CAC mittlerweile prüft, ob Informationen über Mitarbeiter, Lieferanten und Partner in China ins Ausland gelangen, gerade bei einem Börsengang in den USA.

In Washington wiederum wird diese Prüfung als Zeichen gewertet, dass viele Informationen zum Börsengang noch nicht vorliegen. So hängt Shein mit seinen Plänen in den USA wie in China in der politischen Warteschleife.

Ein Eisbrecher für andere Börsenaspiranten?

Die mächtige Behörde CAC hatte nach dem Börsengang des chinesischen Fahrdienstvermittlers Didi in den USA das Unternehmen 2022 wegen Datenschutzvergehen zu einer Milliardenstrafe verurteilt. Die Didi-Aktien wurden von der New York Stock Exchange genommen.

Seither herrschte Eiszeit für Börsengänge aus China. Lang vorbei sind die Zeiten, als der Onlinehändler Alibaba vor ziemlich genau zehn Jahren an der New York Stock Exchange ein Emissionsvolumen von mehr als 21 Milliarden Dollar erzielte – damals der größte Börsengang der Welt, den später nur Saudi Aramco überflügelte.

Der IPO des finnischen Sportunternehmens Amer Sports, das in chinesischer Hand ist, galt Anfang Februar als erstes Zeichen, dass Börsengänge mit Chinabezug wieder möglich sind. Doch lag die Bewertung unter den Erwartungen – eben wegen der mit der Firma verbundenen Chinarisiken.

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Zehn Jahre später galt Shein in den vergangenen Monaten als möglicher Eisbrecher, der dann auch die Tiktok-Mutter Bytedance oder den Alibaba-Finanzableger Ant Financial an die US-Börse führen könnte. Egal wie sich das Vorhaben in diesem Jahr entwickelt – es wird Auswirkungen auf das Geschick einiger Finanzplätze und weiterer Börsenaspiranten haben.  

In der Kolumne Asia Techonomics schreiben Nicole Bastian, Martin Benninghoff, Sabine Gusbeth, Dana Heide, Martin Kölling und Mathias Peer im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in der dynamischsten Region der Welt.

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