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KonjunkturBoom am US-Arbeitsmarkt ungebrochen – „Zinssenkung im Juni wackelt“

Der Jobmarkt in den Vereinigten Staaten läuft weiter heiß. Im vergangenen Monat sind deutlich mehr Stellen entstanden, als Ökonomen erwartet hatten. Das setzt die US-Notenbank unter Druck. 05.04.2024 - 15:55 Uhr aktualisiert
Der US-Arbeitsmarkt ist in einer besseren Verfassung als erwartet. Foto: Tony Dejak/AP/dpa Foto: dpa

Washington. Der US-Arbeitsmarkt boomt weitaus stärker als gedacht und lässt die Aussichten auf eine rasche Zinswende schwinden. Im März entstanden 303.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktbericht der Regierung hervorgeht. Von Reuters befragte Volkswirte hatten lediglich mit 200.000 gerechnet, nach revidiert 270.000 im Februar. Die separat ermittelte Arbeitslosenquote sank im März leicht auf 3,8 Prozent.

Der Euro fiel nach den US-Jobdaten um 0,3 Prozent auf 1,08 Dollar, nachdem er zuvor leicht im Plus war. Im Euroraum stehen die Zeichen auf Zinssenkung im Juni, während ein solcher Schritt nach unten in den USA aus Expertensicht eine eher wackelige Angelegenheit ist.

An den Terminmärkten wurde die Wahrscheinlichkeit für eine erste Zinssenkung der US-Notenbank im Juni nur noch auf rund 55 Prozent taxiert. Zudem stellen sich die Finanzmärkte auf lediglich zwei Schritte nach unten für das laufende Jahr ein, obwohl die Währungshüter zuletzt noch drei Senkungen ins Auge gefasst hatten.

Die US-Notenbank Federal Reserve will mit ihrer Hochzinspolitik die Inflation zurückdrängen und zugleich den heiß gelaufenen Arbeitsmarkt abkühlen, ohne eine Rezession auszulösen. Auf dem Weg zu einer Zinssenkung kommt der Entwicklung am Jobmarkt neben den Inflationszahlen entscheidende Bedeutung zu.

„Die Stärke des US-Arbeitsmarktes überrascht einmal mehr“, so die Einschätzung von Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Die von den Finanzmärkten herbeigesehnte Zinswende im Juni „wackelt derzeit mächtig“, wie der Experte meint. Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank verweist allerdings darauf, dass wichtige Konjunkturbarometer signalisierten, dass die Einstellungsbereitschaft der US-Unternehmen abebbe.

Auch kleinere und mittlere Unternehmen schraubten ihre Beschäftigungserwartungen zuletzt etwas zurück. Zusammengenommen spreche dies für schlechtere Arbeitsmarktzahlen in den kommenden Monaten und folglich auch für Zinssenkungen der Fed: „Sollten sich diese Indikatoren jedoch als Nebelkerze erweisen, dann wird auch die Fed umdenken müssen“, so die Einschätzung des Ökonomen.

Lohnwachstum zieht an

Die US-Notenbank Federal Reserve will mit einer straffen geldpolitischen Linie die Inflation zurückdrängen. Sie hat die Leitzinsen seit Anfang 2022 von nahe null auf eine Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent erhöht, zuletzt aber mehrfach pausiert. Die Abkühlung des Arbeitsmarkts gilt der Fed als eine wichtige Voraussetzung, um ihr Zwei-Prozent-Ziel bei der Teuerung dauerhaft zu erreichen.

Dabei richten die Währungshüter ihr Augenmerk auch auf das Lohnwachstum: Zum Vormonat legten die Löhne im März wie von Experten erwartet um 0,3 Prozent zu, nach einem Plus von 0,2 Prozent im Februar. Zum Vorjahr ergab sich ein ebenfalls von Ökonomen richtig vorhergesagter Zuwachs von 4,1 Prozent, nach 4,3 Prozent im Vormonat.

Fed-Chef Jerome Powell hatte jüngst bekräftigt, dass es Aussicht auf eine Zinswende im laufenden Jahr gibt. Den Zeitpunkt ließ er jedoch offen. Die Inflation sei auf dem Weg zum Ziel der Fed von 2 Prozent, obgleich auf einem „bisweilen holprigen Pfad“. Das konjunkturelle Gesamtbild sei von einem soliden Wachstum und einem starken und zugleich besser ausbalancierten Arbeitsmarkt geprägt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften auf dem Jobmarkt ist allerdings noch immer deutlich stärker als das Angebot.

Dax regiert kaum, US-Börsen legen zu

Der nach wie vor heiß laufende Arbeitsmarkt könnte für Powell und seine Kollegen ein Problem werden. Denn solange viele neue Arbeitsplätze entstehen, dürfte das Inflationsziel von zwei Prozent schwierig zu erreichen sein. Und damit verzögern sich die von Investoren herbeigesehnten Zinssenkungen.

Die Investoren an der Wall Street haben bereits am Donnerstag auf Aussagen eines Fed-Notenbankers reagiert. Der Präsident der Minneapolis Fed Bank, Neel Kashkari, hatte gesagt, sollte die Inflation anhalten, könne es auch gar keine Zinssenkung in diesem Jahr geben.

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Die großen US-Indizes schlossen nach den Aussagen des Notenbankers im Minus. Die Arbeitsmarktdaten hingegen beunruhigen die Anleger an der Wall Street nicht. Am Freitag legen Dow Jones, S&P 500 sowie Nasdaq zum Handelsstart zu. Auch die Investoren im Dax reagierten negativ auf die Aussagen des Notenbankers und zweifeln zunehmend an einer Zinswende. Bereits im frühen Handel sackte der deutsche Leitindex ab, reagierte aber kaum auf die neuen Arbeitsmarktdaten aus den USA.

rtr
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