Innovation: Stark-Watzinger will Wissenschaft und Wirtschaft zusammenbringen
Berlin. Die Deutsche Agentur für Transfer und Innovation (Dati) könnte schon bald ihre Arbeit aufnehmen. Das 35-seitige Konzept des Bundesforschungsministeriums ist nach Informationen dieser Zeitung am Montagabend in die Ressortabstimmung gegangen. Das Papier liegt dem Handelsblatt exklusiv vor. Die anderen Ministerien und das Kanzleramt prüfen das Konzept nun.
Dati hat zum Ziel, dass Forschungsergebnisse, Ideen und Projekte zielgerichteter in die Praxis übertragen werden. Die Agentur soll Wissenschaftler und Unternehmen zusammenbringen, damit aus ihren Ideen konkrete Anwendungen werden und sie nicht innerhalb der Mauern der Hochschule bleiben.
Nach Ansicht vieler Kritiker muss Deutschland bei diesem sogenannten Forschungstransfer aufholen. Laut einer aktuellen Analyse des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich hinten. Das CHE hat neun Indikatoren für den Transfer von Wissenschaftsleistungen in die Wirtschaft der 38 OECD-Mitgliedstaaten verglichen – Deutschland ist demnach bei keinem unter den Top drei.
Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) will das mit Dati ändern. Bei der Überführung und Verbreitung von Forschungsergebnissen in die Anwendung blieben in Deutschland weiterhin wichtige Potenziale ungenutzt, heißt es in dem Dati-Konzept.
Dati ist zentrales Anliegen von FDP und Grünen
Die Agentur soll drei Kernaufgaben haben. Erstens die Vernetzung von Wissenschaftlern und Unternehmen, etwa durch regelmäßige Veranstaltungen. Zweitens das Coaching von Wissenschaftlern, die an Transfers interessiert sind. Drittens soll die Agentur Projekte im Bereich des Forschungstransfers finanziell fördern.
Das Vorhaben stammt aus dem Koalitionsvertrag und war eines der zentralen Anliegen von FDP und Grünen. Erste Eckpunkte legte Stark-Watzinger Anfang 2022 vor. Als Standort für die Agentur wurde Ende 2023 die thüringische Landeshauptstadt Erfurt ausgewählt.
In anderen Ländern gibt es solche Agenturen schon länger. In den USA etwa sorgt die Agentur Darpa seit den 50er-Jahren dafür, dass Erfindungen aus der Wissenschaft schneller umgesetzt werden. Auch Japan gilt als sehr erfolgreich, Forschungsergebnisse an Unternehmen zu übermitteln.
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Die Wissenschaft setzt Hoffnungen in die neue Agentur. Johann-Dietrich Wörner, Präsident der Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), sagte dem Handelsblatt jüngst: „Bei uns sterben viele Ideen auf dem Weg bis zum Produkt, weil einige Forscher nichts mit der Wirtschaft zu tun haben wollen – aber auch umgekehrt.“
Eine Besonderheit ist die Organisationsform der Agentur. Sie soll als „eigenständige Agentur des Bundes“ in Form einer GmbH gegründet werden, mit der Bundesrepublik als Alleingesellschafterin. Die Hoffnung dahinter ist, dass die Agentur agiler arbeiten kann, wenn sie unabhängig von den Ministeriumsstrukturen und der damit verbundenen Bürokratie, den Abläufen und den Entscheidungswegen ist.
Finanziert werden soll die Agentur aus Haushaltsmitteln. Wenn es nach dem Forschungsministerium geht, sollen 2024 rund 80 Millionen Euro zur Verfügung stehen und ab 2026 sogar bis zu rund 250 Millionen Euro.