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VerbraucherpreiseUS-Inflation sinkt leicht – Internationale Börsen erreichen neue Rekorde

Die Verbraucherpreise in den USA sind im April ein wenig langsamer gestiegen. Damit wird eine baldige Zinssenkung wieder wahrscheinlicher. Das reicht für neue Bestmarken bei drei Indizes.Katharina Kort, Andreas Neuhaus 15.05.2024 - 16:40 Uhr aktualisiert
Die Verbraucherpreise sind ein maßgeblicher Faktor für die Geldpolitik.  Foto: Bloomberg

New York, Düsseldorf. Selten warteten die Investoren so gespannt auf Daten zur US-Konjunktur. Viele Experten sahen die Zahlen zur Inflation im April als zentralen Indikator für die Antwort auf die Frage, ob die jüngste Rally an den großen Börsen weitergehen kann oder nicht.

Die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen enttäuschten zumindest nicht. Das reichte für einen Rekordtag an der Börse..

Im April stiegen die Verbraucherpreise in den USA im Monatsvergleich um 0,3 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium am Mittwoch bekannt gab. Das war weniger stark als befürchtet. Analysten hatten mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet.

Auf Jahressicht ging die Inflationsrate gegenüber dem Vormonat von 3,5 auf 3,4 Prozent zurück. Damit nähert sich die Teuerung dem von der US-Notenbank Fed gesetzten Ziel von 2,0 Prozent nach sechs enttäuschenden Monaten wieder etwas an. Zudem fiel die Kerninflation, bei der die besonders schwankungsanfälligen Preise für Lebensmittel und Energie herausgerechnet werden, auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Sie sank auf Jahressicht von 3,8 Prozent im März auf 3,6 Prozent im April.

Am Finanzmarkt sorgen die Inflationszahlen für deutliche Verschiebungen.

Anleihen: Renditen sinken mit Zinserwartungen

Direkt wirkt die niedrigere Inflationsrate auf Anleihen. Denn die Zinserwartungen der Investoren gehen zurück, wie Daten der größten US-Terminbörse in Chicago zeigen. Demnach sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen bis zum Jahresende nur einmal oder gar nicht senkt, von 43,1 Prozent auf 32,9 Prozent. Dafür steigt die Wahrscheinlichkeit für drei oder mehr Zinssenkungen in diesem Jahr von 20,1 auf 29,5 Prozent.

Mit den hohen Zinsen versucht die Fed die Geldentwertung zu stoppen und die Inflationsrate auf ihr Ziel von 2,0 Prozent zu senken. Dafür hat die Notenbank seit März 2022 ihren Leitzins insgesamt elfmal angehoben auf aktuell 5,25 bis 5,50 Prozent. Das ist der höchste Stand seit der Jahrtausendwende.

Nun wächst die Hoffnung auf wieder niedrigere Zinsen – dadurch fallen die Renditen von US-Staatsanleihen. Denn bei sinkenden Zinsen können Staaten neue Anleihen mit niedrigeren Zinskupons ausstatten. Das sorgt dafür, dass schon länger ausstehende Anleihen mit höheren Zinsscheinen attraktiver werden. Diese Anleihen werden gekauft und deren Kurse steigen, im Gegenzug fallen die Renditen.

Bei den maßgeblichen US-Papieren mit zehnjähriger Laufzeit sank die Rendite am Mittwoch von 4,45 auf bis zu 4,34 Prozent. Ende April hatte sie noch bei über 4,7 Prozent gelegen.

Das sorgt auf mehreren Ebenen für Erleichterung. Denn die Renditen von US-Staatsanleihen sind ein Barometer für Hypothekenzinsen und andere Arten von Krediten. Sinken sie, werden Investitionen also günstiger.

Aktien

Deshalb kommen die Inflationsdaten auch am Aktienmarkt gut an. Der Dax näherte sich der Marke von 18.900 Punkten und erreichte mit knapp 18.893 Punkten einen Rekord. Der S&P 500 stieg mit über 5280 Punkten ebenfalls auf einen Höchststand, der Nasdaq Composite baute seinen Rekord vom Vortag noch mal aus und stieg über 16.600 Punkte.

Sinkende Zinsen schieben nicht nur das Wirtschaftswachstum an, es verlieren zudem zinstragende Anleiheklassen wie Anleihen und Geldmarktfonds gegenüber Aktien an Attraktivität. Gleichzeitig gewinnen in der Zukunft liegende Gewinne an Wert, weil sie in den Bewertungstools der Analysten weniger stark abgezinst werden.

In der Vergangenheit profitierten von sinkenden Anleiherenditen die Sektoren Kommunikationsdienstleistungen, IT, Immobilien und zyklische Konsumgüter am stärksten, wie Daten der Bank of America zeigen. Diese Tendenz zeigt sich auch diesmal: Größter Dax-Gewinner ist am Mittwoch der Immobilienkonzern Vonovia. 

Das erhoffte Kursfeuerwerk blieb trotz Dax-Rekord aber aus, der Sprung über die Marke von 19.000 Punkten wurde erst einmal vertagt. 

Denn wie Ökonom Christoph Balz von der Commerzbank feststellt: „In den USA hat der Inflationsdruck im April etwas abgenommen, bleibt aber zu hoch. Die Daten stützen grundsätzlich die Hoffnungen auf Zinssenkungen der US-Notenbank, lassen aber auch keine Eile bei der Fed erwarten.“

Das größte Schreckgespenst, eine erneute Zinserhöhung statt Zinssenkung der Fed, wurde bereits in den vergangenen Wochen vertrieben, nachdem die US-Arbeitsmarktdaten schwächer ausfielen als erwartet und dadurch bereits einen niedrigeren Inflationsdruck anzeigten.

Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell versuchen, mit erhöhten Zinsen die Teuerungsrate auf den Zielwert von zwei Prozent zu drücken, ohne die Wirtschaft abzuwürgen. Foto: REUTERS

Fed-Chef Jerome Powell bekräftigte am Dienstagabend in Amsterdam noch einmal: „Auf der Grundlage der uns vorliegenden Daten halte ich es für unwahrscheinlich, dass wir als Nächstes eine Zinserhöhung vornehmen werden.“

Seit den am 3. Mai veröffentlichten Arbeitsmarktdaten ist der Dax um mehr als fünf Prozent gestiegen. Der S&P 500 und der Nasdaq um jeweils mehr als vier Prozent. Es wurden also niedrigere Zinsen ein Stück weit eingepreist. Um diese Rally noch deutlicher zu verstärken, waren die Inflationszahlen offensichtlich nicht gut genug.

Endlich mal wieder eine Veröffentlichung der Inflationsrate, welche nicht negativ überraschte.
Dirk Chlench
Ökonom bei der LBBW

Gleichwohl herrscht Erleichterung, dass die Märkte nicht ein weiteres Mal auf dem falschen Fuß erwischt wurden, erklärt Ökonom Dirk Chlench von der LBBW: „Endlich mal wieder eine Veröffentlichung der Inflationsrate, welche nicht negativ überraschte.“

Das Basisszenario bleibt damit, dass die Fed erst im Herbst die Zinsen senken wird, sagt Ökonom Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen Thüringen: „Mit einer Senkung des Leitzinsbands im September wird mehrheitlich gerechnet, und zum Ende des Jahres sind zwei Schritte fast vollständig eskomptiert.“

Bitcoin, Gold und Dollar: Nur einer profitiert

Für deutlich mehr Bewegung sorgten die Inflationszahlen am Kryptomarkt. Dort stieg die älteste und wichtigste Cyberdevise Bitcoin nach Daten der Analyseseite Coinmarketcap auf bis zu 64.645 Dollar und entfernte sich damit vom kritischen Niveau von 60.000 Dollar.

Analyst Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus kommentiert: „Die Zinssenkungsfantasien der Investoren bleiben am Leben und dürften riskanten und zinslosen Anlagen wie Bitcoin weiter in die Karten spielen. In der Hoffnung auf ein Nachlassen des geldpolitischen Gegenwinds dies- und jenseits des Atlantiks können Bitcoin und Co. damit wieder einen Nährboden finden.“

Gold konnte dagegen kaum profitieren und stagnierte im Bereich von 2350 Dollar pro Unze. Seit Jahresbeginn hat sich das Edelmetall allerdings auch schon um fast 20 Prozent verteuert und bewegt sich in der Nähe seines Rekordstands.

Der US-Dollar gab dagegen nach. Enrique Diaz Alvarez vom Fintech Ebury sagt: „Wie zu erwarten, leidet der Dollar heute, da seine überaus hohe Bewertung einen Zinssenkungszyklus in den USA voraussetzt, der im Vergleich zu anderen Ländern nur langsam und begrenzt erfolgt.

Selektive Wahrnehmung der Anleger?

Einige Marktbeobachter kritisieren allerdings, dass die Märkte derzeit Informationen nur selektiv wahrnehmen. Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC warnt: „Es wird nur gehört, was zum eigenen Narrativ einer Fortsetzung des Bullenmarktes passt.“

Am Mittwoch stagnierten beispielsweise die zeitgleich zur Inflation veröffentlichten Einzelhandelsumsätze im April, was auf eine schwächere Konjunktur hindeutet. Und Fed-Chef Powell erteilte am Dienstag nicht nur eine Zinserhöhung eine Absage. Er sagte auch, es sei „wahrscheinlicher, dass wir den Leitzins auf dem jetzigen Stand halten werden“.

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Im Zusammenspiel mit der rückläufigen Inflation konzentrieren sich Anleger aktuell aber auf den ersten Teil der Aussage.

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