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Opec plusÖl-Allianz verlängert Förderkürzungen bis 2025

Die Kooperation reagiert damit auf das steigende Angebot aus Staaten, die kein Mitglied der Opec plus sind. Außerdem erzielen die Vereinigten Arabischen Emirate einen Verhandlungserfolg.Judith Henke 04.06.2024 - 12:39 Uhr
Die Opec plus will hohe Öleinnahmen erzielen und versucht, dieses Ziel über Mengensteuerung zu erreichen. Foto: Reuters

Frankfurt. Die Opec plus verlängert ihre kollektiven Kürzungen bis Ende 2025, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, die das Ölkartell nach seinem Treffen am Sonntag veröffentlicht hat. 

Derzeit nimmt die Opec plus insgesamt rund 5,86 Millionen Barrel pro Tag vom Markt. Die Struktur dieser Kürzungen ist mittlerweile etwas unübersichtlich: Zum einen haben Ende November die acht Staaten Saudi-Arabien, Algerien, Kasachstan, Kuwait, Oman, Irak, Vereinigte Arabische Emirate (VAE) und Russland beschlossen, freiwillig ihre Ölförderung zu verringern. Diese Kürzungen belaufen sich derzeit auf rund 2,2 Millionen Barrel pro Tag und galten bisher bis Ende Juni.

Diese einseitigen Kürzungen sollen nun bis ins dritte Quartal verlängert werden, wie die staatliche Saudi Press Agency auf ihrer Website mitteilte. Danach sollen die Kürzungen bis Ende 2025 schrittweise zurückgenommen werden. Allerdings könne diese monatliche schrittweise Erhöhung der Produktion je nach Marktentwicklung jederzeit wieder gestoppt oder sogar umgekehrt werden, heißt es in der Mitteilung.

Darüber hinaus gibt es weitere Kürzungen. Zum einen haben bereits im April 2023 neun Mitglieder des Ölkartells Opec plus freiwillige Kürzungen von 1,66 Millionen Barrel pro Tag bis Ende 2024 versprochen. Hinzu kommt eine 2022 beschlossene kollektive Förderkürzung der Opec plus von zwei Millionen Barrel pro Tag, ebenfalls bis Ende des Jahres. Diese beiden Maßnahmen sollen nun bis Ende 2025 laufen.

UBS-Ölanalyst Giovanni Staunovo zufolge sei das eine für den Ölpreis positive Überraschung. „Man hatte erwartet, dass dies zu einem späteren Zeitpunkt entschieden wird“, schreibt er. Er rechne zwar nicht mit einer allzu großen Reaktion des Ölpreises, allerdings sei nun die Unsicherheit für das kommende Jahr reduziert worden.

Das Ölkartell handelt damit vorausschauend: Denn die Ölproduktion von Staaten, die nicht in Übereinstimmung mit der Opec plus ihre Förderung kürzen, wächst deutlich. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) soll das Nicht-Opec-plus-Angebot 2024 um 1,4 Millionen Barrel pro Tag zunehmen. Auch für 2025 rechnet die IEA mit diesem Angebotswachstum. Neben den USA produzieren vor allem Kanada, Brasilien und Norwegen mehr Öl. Aber auch aus dem südamerikanischen Staat Guyana wächst das Angebot. So wurde dort seit 2015 so viel Öl gefunden wie in keinem anderen Land.

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Brasilien ist zwar seit Januar Mitglied der Opec plus, nimmt aber nicht an den Förderkürzungen teil. Laut UBS-Analyst Giovanni Staunovo könnte im Fall Guyana perspektivisch etwas Ähnliches denkbar sein.

Fakt ist: Um die Ölpreise weiter beeinflussen zu können, ist die Öl-Allianz auf einen möglichst hohen Marktanteil angewiesen. Die zwölf Mitgliedstaaten der Opec kommen derzeit auf einen Marktanteil von rund 28 Prozent an der weltweiten Ölproduktion. Vor zehn Jahren lag dieser laut Opec-Report noch bei 33 Prozent. Der Marktanteil des erweiterten Ölkartells Opec plus liegt derzeit bei rund 44 Prozent. 

US-Konzerne könnten lachende Dritte sein

Wächst nun aber außerhalb der Opec plus die Produktion weiter, während das Ölkartell sein Angebot weiter zurückfährt, könnte dessen Marktmacht weiter zurückgehen. Lachende Dritte wären dann beispielsweise die US-Ölkonzerne, die keinen staatlichen Mengenvorgaben unterworfen sind. Würden diese ihre Produktion weiter erhöhen, könnten die Förderkürzungen der Opec plus ihre Wirkung nicht voll entfalten.

Gerade für Saudi-Arabien wäre das ein unerwünschtes Szenario. Das Königsreich ist laut Berechnungen des Internationalen Währungsfonds auf einen Preis von rund 96 US-Dollar pro Barrel angewiesen, um seinen Staatshaushalt zu finanzieren. Am Freitag lag der Preis der Benchmark-Sorte Brent bei 81,63 US-Dollar pro Barrel, also deutlich unter diesem Niveau.

Zugeständnis an die Emirate

Für andere Opec-plus-Mitglieder steht neben stabilen Ölpreisen allerdings auch die Erhöhung der eigenen Produktion im Vordergrund. So haben die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in den vergangenen Jahren stark in neue Produktionskapazitäten investiert, können diese aber aufgrund ihrer starren Verpflichtungen gegenüber der Opec nicht nutzen.

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Zum Hintergrund: In der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) haben sich zwölf Förderländer zusammengeschlossen. Außerdem arbeitet die Ölallianz mit weiteren Staaten wie Russland zusammen. Diese Kooperation wird „Opec plus“ genannt. Das Kartell will hohe Öleinnahmen erzielen und versucht, dieses Ziel über Mengensteuerung zu erreichen: Jedem Mitglied wird eine bestimmte Förderquote zugewiesen, also ein Anteil an der Gesamtfördermenge, die das Ölkartell festsetzt.

Die Quoten werden anhand der Förderkapazitäten der jeweiligen Staaten festgelegt, also der Menge Öl, die sie ohne Kürzungen produzieren könnten. Zuletzt hatte Adnoc, der staatliche Energiekonzern der VAE, bekannt gegeben, dass er dazu in der Lage sei, täglich 4,85 Millionen Barrel Öl zu fördern. Das ist fast ein Drittel mehr als die von der Opec berechnete Kapazität.

Nun macht die Ölallianz den VAE ein Zugeständnis. Ihnen wird ab 2025 ein um 300.000 Barrel pro Tag höheres Produktionsniveau zugewiesen als bisher. 

Das Opec-Treffen, für das sich einige Mitglieder vor Ort in Riad einfanden und zu dem sich andere Länder virtuell zuschalteten, verlief deutlich kürzer als die Treffen zuvor. Die Entscheidung, die kollektiven Kürzungen bis 2025 zu verlängern, zeichnete sich bereits in den Tagen zuvor ab.

Noch Anfang April hatten geopolitische Risiken den Ölpreis über 90 US-Dollar pro Barrel getrieben, aber der Markt hat sich mittlerweile an den Krieg im Nahen Osten gewöhnt. In den Vordergrund rückten stattdessen schwache Nachfragedaten. So haben chinesische Raffinerien im April weniger Rohöl verarbeitet als im Vormonat sowie im Vorjahreszeitraum. China ist der weltweit größte Ölimporteur, die weiterhin schwächelnde Wirtschaft setzt den Ölpreis daher unter Druck. 

Die Terminkontraktmärkte für Brent-Öl befinden sich zwar weiterhin in sogenannter „Backwardation“. Das heißt, die kürzer laufenden Futures notieren über den länger laufenden, weil die Marktteilnehmer bereit sind, kurzfristig höhere Preise für das knappe Öl zu zahlen. Die Preisunterschiede zwischen den kürzer laufenden und länger laufenden Futures sind aber gesunken, was darauf hindeutet, dass der Ölmarkt sich zuletzt entspannt hat.

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Analysten rechnen allerdings in der zweiten Hälfte des Jahres wieder mit einem angespannteren Ölmarkt, auch wegen der Förderkürzungen. So sieht Ehsan Khoman, Chefanalyst für Rohstoffmärkte bei der Bank MUFG einen durchschnittlichen Brent-Preis von 88 US-Dollar pro Barrel im dritten und 93 US-Dollar pro Barrel im vierten Quartal. Staunovo rechnet damit, dass sich der Preis in den kommenden Monaten auf 91 US-Dollar pro Barrel erhöht. Auch Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht zufolge könnte der Ölpreis in den kommenden Wochen deutlich anziehen. 

Erstpublikation: 02.06.2024, 17:05 Uhr.

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