Gesundheit: Klinik-Atlas nun in neuer Version abrufbar
Berlin. Der vor einem Monat gestartete „Bundes-Klinik-Atlas“ ist jetzt in einer neuen, abgespeckten Version abrufbar. Das staatliche Portal bekam am Donnerstag ein Update, wie es aus dem Bundesgesundheitsministerium hieß.
Zum Vergleichen abgefragt werden kann jetzt die jeweilige Behandlungsqualität bei vorerst 20 Eingriffen, nachdem es ursprünglich Angaben zu 23.000 Eingriffen waren. Minister Karl Lauterbach (SPD) hatte deutlich gemacht, dass dies für Patientinnen und Patienten, aber auch für Ärzte zu unübersichtlich war.
Auf der Startseite des Portals gibt es nun sieben große Kacheln zu den Bereichen Herz, Lunge, Krebs, Knochen und Gelenke, Neurologie, Gynäkologie und Geburt sowie Gefäße. Danach sind einzelne Erkrankungen und Operationen aufrufbar, weitere sollen folgen.
Kritik an Qualität der Daten
Lauterbach sprach von einer für Patienten einfacher nutzbaren Oberfläche. Dort sehe man auf Anhieb, wie viel Erfahrung Kliniken in der Nähe mit Krebsbehandlungen, Endoprothesen oder Herzeingriffen hätten.
Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung für Patientenschutz sieht in der Anpassung sogar eher eine Verschlechterung als eine Verbesserung. Zu dem Update sagt er: „Der Anspruch des Bundesgesundheitsministers war, dass Kranke im Klinikatlas mit einfacher Sprache für komplexe Krankheiten das richtige Krankenhaus finden. Gemessen an diesem Vorsatz ist das Update kläglich gescheitert.“ Jetzt stehe nichts drin, was den Suchenden tatsächlich weiterhilft.
Patientenvertreter Brysch ist weiterhin dafür, dass Portal abzuschalten: „Damit Karl Lauterbach seine groß angepriesene Transparenzoffensive nicht in Banalität abstürzen lässt, muss das Millionen Euro Projekt abgeschaltet werden.“
Denn eigentlich sollte Mitte Mai gestartete Klinik-Atlas so über Leistungen und Behandlungsqualität von rund 1700 Krankenhäusern informieren, dass jeder Laie sie verstehen kann. Er hatte nach einer Woche bereits ein erstes Update bekommen. Von den Ländern, medizinischen Gesellschaften und der Klinikbranche, die ein eigenes Informationsportal betreibt, kam massive Kritik an den angezeigten Daten: Sie seien zu alt, teilweise fehlten sie. Diese Kritik behält ihre Gültigkeit – denn an den Daten, die hier verwendet werden, hat sich nichts geändert: Sie sind weiterhin zwei Jahre alt und müssen von Krankenhäusern teilweise noch nachgereicht werden. Lediglich ihre Aufbereitung wurde verändert.
Patientenvertreter hatten zudem angemahnt, dass Patienten die Daten nichts nützen. Sie haben mehr Angaben von Patienten gewünscht, wie zufrieden sie beispielsweise mit dem Personal oder der Sauberkeit in einer Klinik seien.