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J.D. VanceWie Trumps Vize die wichtigste Wahl-Region erobern will

„Ich kann ihn nicht ertragen“, sagte J.D. Vance einst über Donald Trump. Jetzt soll er dessen schärfste Waffe im Wahlkampf werden. Seine Rede zeigt, worauf sich Europa einstellen müsste.Annett Meiritz 18.07.2024 - 07:57 Uhr
J. D. Vance beim Parteitag: Die Republikaner seien „die wahre Stimme der amerikanischen Arbeiter“, sagt der 39-Jährige. Foto: Bloomberg

Milwaukee. Ohio, Michigan, Pennsylvania und Wisconsin. Diese vier US-Bundesstaaten hat J. D. Vance in seiner ersten Rede als Donald Trumps Vizepräsidentschaftskandidat mehrfach aufgezählt.

Auf dem Parteitag der Republikaner machte der 39-Jährige damit klar: Er will im Mittleren Westen der USA mobilisieren, in einer extrem wichtigen Region für die US-Präsidentschaftswahlen. „Ich werde niemals vergessen, wo ich herkomme“, rief der in Ohio geborene Vance am Mittwochabend unter dem Jubel von 5000 Delegierten und Zehntausenden Gästen.

Demokraten und Republikaner konkurrieren um die Wählerstimmen von Arbeitern im Mittleren Westen, die fast jede Präsidentschaftswahl der vergangenen Jahrzehnte entschieden haben. Eine Handvoll Staaten, die dicht beieinanderliegen, wählen mal demokratisch, mal republikanisch. Als sogenannte Swing States beeinflussen sie das Rennen der Kandidaten ums Weiße Haus daher maßgeblich.

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„Biden hat versagt“, sagte Vance in Milwaukee weiter. „Wir werden wieder anfangen, Fabriken zu bauen, wir sind die wahre Stimme der amerikanischen Arbeiter. Wir werden nie wieder zulassen, dass unsere Jobs von China weggenommen werden. Wir werden für das Label ‚Made in the USA‛ kämpfen. Und wir werden dafür sorgen, dass wir Energie nicht mehr von Diktatoren importieren müssen, sondern selbst produzieren.“

International bekannt geworden war Vance mit seinen millionenfach verkauften Memoiren „Hillbilly Elegy“. Das Buch zeichnet Vances Aufstiegsgeschichte aus dem Mittleren Westen der USA nach, aus dem Alkohol- und Drogensumpf an die Eliteuni Yale. Als „Stimme der abgehängten weißen Arbeiter“ wurde Vance im Trump-Wahljahr 2016 bezeichnet. Damals distanzierte er sich noch von Trump („Ich kann ihn nicht ertragen“), jetzt soll er seine schärfste Waffe im Kampf um Wählerstimmen werden.

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An einer Stelle teilte Vance einen Seitenhieb aus gegen Nato-Staaten, die nicht genug für Verteidigung ausgeben: „Es wird keine weiteren Freifahrten für Nationen geben, die die Großzügigkeit der amerikanischen Steuerzahler ausnutzen“, sagte er. Außenpolitisch will der Republikaner den isolationistischen Kurs Trumps vorantreiben.

Bei der Präsidentschaftswahl ist J.D. Vance die Nummer zwei der Republikaner. Trumps Vizekandidat erklärte, er habe seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen nicht vergessen und wolle sich im Falle eines Wahlsieges für die Arbeiterschicht einsetzen.

Doch im Mittelpunkt seiner Grundsatzrede stand die Innenpolitik und der Mittlere Westen. Trump lauschte der Rede seines jungen Vizes mit seitlich gesenktem Kopf und einem Lächeln. Unweit von Trump in der VIP-Loge saß J. D. Vance’ Mutter, die früher mit einer Drogensucht kämpfte, was in „Hillbilly Elegy“ beschrieben wird. Während der Rede ihres Sohnes kamen ihr die Tränen. „Das ist mein Junge“, sagte sie.

Ist Trump in den Staaten des Mittleren Westens erfolgreich, ist eine zweite Amtszeit durchaus realistisch. Im Jahr 2016 gewann er Michigan, Wisconsin und Ohio mit jeweils wenigen Zehntausend Stimmen Vorsprung, er wurde damals nur deshalb Präsident. Noch heute reden Demokraten vom „Schock von Michigan“, weil Trump einen Staat eroberte, den Wahlforscher fest in Hillary Clintons Hand wähnten, diese es aber nicht vermochte, die Existenzängste von Arbeitern zu adressieren.

Biden lernte aus Clintons Fehlern, holte sich 2020 die Unterstützung von Stahlarbeitern und anderen Gewerkschaften und trat mit einem hart protektionistischen Wahlprogramm an. Er eroberte Michigan, Wisconsin und Pennsylvania für die Demokraten zurück.

Wir haben 20 Wege ins Weiße Haus.
Chris LaCivita
Wahlkampfleiter von Donald Trump

Zwar buhlen die beiden Parteien auch um relativ neue Swing States wie Georgia und Arizona. Doch der Mittlere Westen ist nach Ansicht von Experten nach wie vor „das Powerhouse“ im Wahlkampf.

Biden sackt in Umfragewerten ab

In der Theorie müsste Bidens Wirtschaftsbilanz ihm dort Vorteile verschaffen: Seine Klimaschutzgesetze bringen zusammengenommen mehr als 1,2 Billionen US-Dollar an Förderung für die Produktion von Elektroautos, Halbleitern und erneuerbaren Energien. Seit Bidens Amtsantritt wurden in den USA mehr als hundert neue Produktions- und Batterieanlagen und Hunderttausende Jobs angekündigt.

Doch in der Realität sind Bidens Umfragewerte im Mittleren Westen abgestürzt. Wegen der anhaltenden Inflation war er schon länger unbeliebt, die Debatte über seinen Gesundheitszustand hat seine Zustimmungswerte weiter absacken lassen.

Mike Johnson, Sprecher des US-Repräsentantenhauses, mit Beverly Vance, Mutter von J. D. Vance: Seine schwierige Kindheit thematisierte Vance in seinem Buch „Hillbilly Elegy“. Foto: Bloomberg

Dass Trumps Kampagne die Region als Schlüssel zum Sieg sieht, wurde nicht nur anhand von J. D. Vance’ Rede spürbar. „Wir haben 20 Wege ins Weiße Haus“, erklärte Trumps Wahlkampfleiter Chris LaCivita am Rande des Parteitags. Er schwärmte, dass Trump in drei Staaten vorn liege, die für einen Wahlsieg ausschlaggebend seien: Wisconsin, Michigan und Pennsylvania. Trump sei sogar in Staaten konkurrenzfähig, die die Republikaner seit Jahren nicht mehr gewonnen hätten, etwa Virginia, Minnesota, New Mexico und New Jersey.

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Mit Sean O’Brien trat am Montag sogar ein Gewerkschaftsboss auf dem Republikaner-Parteitag auf. Als Präsident der Gewerkschaft Teamsters vertritt er Hunderttausende Arbeiter in Michigan, Pennsylvania und Wisconsin. Fast alle anderen großen Gewerkschaften unterstützen Biden, doch auch hier bröckelt der Rückhalt im Zuge der Altersdebatte.

Was Trump mit dem Mittleren Westen politisch vorhat, ist noch nicht vollständig bekannt. Bidens E-Auto-Förderung würde er wohl abwickeln, die Republikaner drängen stattdessen auf Steuersenkungen mit Breitenwirkung.

Ungewiss ist, ob die milliardenschweren Förderungen aus dem Inflation Reduction Act bestehen bleiben würden. Ziemlich sicher ist, dass Trump die Genehmigungen für Gas- und Ölbohrungen enorm ausweiten würde. Zudem dürfte er Strafzölle gegen China einführen – und unter Umständen auch gegen Europa.

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