Rheinmetall: Rüstungskonzern verdoppelt Gewinn im zweiten Quartal
Düsseldorf. Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat im zweiten Quartal einen deutlich höheren Umsatz gemeldet. Die Steigerung von 49 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro liegt über den Erwartungen von Analysten. Den Gewinn hat der Konzern mit 271 Millionen Euro mehr als verdoppelt.
Im abgelaufenen Quartal konnte Rheinmetall mehrere Rekordaufträge einsammeln. Besonders bedeutend waren die Bestellungen der Bundeswehr mit Mitteln aus dem Sondervermögen. Die Munitionstochter Rheinmetall Expal Munitions verzeichnete einen höheren Anteil am Umsatz als zuvor.
So hatte die Bundesregierung Ende Juni einen Rahmenvertrag für Artilleriemunition von 1,3 auf 8,5 Milliarden Euro erhöht. Über einen Zeitraum von mehreren Jahren wird Rheinmetall Branchenschätzungen zufolge mehr als zwei Millionen Einheiten der Artilleriemunition des Kalibers 155 Millimeter an die Bundeswehr ausliefern.
Der Beginn der Lieferungen soll Anfang 2025 erfolgen, diese erste Tranche ist den Angaben zufolge 880 Millionen Euro wert. Wie lange der Rahmenvertrag gilt, ist unklar – die im vergangenen Jahr abgeschlossene Vereinbarung hatte eine Laufzeit von sechs Jahren.
Anfang Juli folgte der nächste Großauftrag aus Deutschland. Die Bundesregierung hat Rheinmetall auch mit der Lieferung von bis zu 6500 Militärtransportern beauftragt. Der Auftragswert beläuft sich hier auf rund 3,5 Milliarden Euro. Hinzu kommt ein Auftrag der Bundesregierung über 123 Fahrzeuge des Typs „Schwerer Waffenträger Infanterie“ im Wert von 2,7 Milliarden Euro.
Rheinmetall profitiert vom Sondervermögen
Bereits Anfang des Jahres hat das Unternehmen zudem einen Entwicklungsauftrag für die Flugabwehr im Rahmen des Luftverteidigungssystems Nah- und Nächstbereichsschutz (NNbS) zur Abwehr von Drohnen im Wert von 607 Millionen Euro bekannt gegeben. Damit zählt Rheinmetall zu den Rüstungsunternehmen in Deutschland, die am stärksten vom Sondervermögen der Bundeswehr profitieren.
Vor diesem Hintergrund bestätigte das Unternehmen die Erwartungen für das Geschäftsjahr. Für das Gesamtjahr rechnet der Rheinmetall-Vorstand mit einem Umsatz von knapp zehn Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern soll zwischen 14 und 15 Prozent des Umsatzes betragen.
Die Rheinmetall-Aktie reagierte am Mittwoch mit einem Plus von zeitweise rund drei Prozent und war damit stärkster Wert im Leitindex Dax. Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine hat sich der Kurs mehr als verfünffacht.
Aktuell hat Rheinmetall eine Marktkapitalisierung von rund 22 Milliarden Euro. Geht es nach Rheinmetall-Chef Armin Papperger, könnte der Unternehmenswert mittelfristig bis auf 50 Milliarden Euro anwachsen. Zuversichtlich stimmen ihn die zahlreichen Aufträge aus Nato-Staaten sowie der Ukraine.
Weitere wichtige Aufträge
Das angegriffene Land gehört neben Deutschland zu den wichtigsten Kunden von Rheinmetall. Im Februar hatte der Rüstungskonzern bekannt gegeben, gemeinsam mit einem örtlichen Joint-Venture-Partner eine Artilleriefabrik in der Ukraine zu errichten. Am Mittwoch hat Rheinmetall den ersten Auftrag der ukrainischen Regierung für die Lieferung einer Fertigungsanlage erhalten. Der Auftragswert bewegt sich Rheinmetall zufolge im niedrigen dreistelligen Millionenbereich und wird im dritten Quartal verbucht.
Neben der Fertigung von Artilleriemunition wird Rheinmetall in der Ukraine auch Schützenpanzer des Typs „Lynx“ bauen. Vor wenigen Tagen wurde das Panzerwerk in der Westukraine eröffnet. Bereits im laufenden Jahr sollen den Plänen zufolge die ersten Schützenpanzer aus ukrainischer Produktion an die Streitkräfte übergeben werden.
Ein weiterer Panzer-Milliardenauftrag sorgte Anfang Juli für Aufsehen. Die italienische Regierung beabsichtigt, den von Rheinmetall entwickelten Kampfpanzer Panther sowie den Schützenpanzer Lynx zu bestellen. Rheinmetall kooperiert dabei mit dem italienischen Rüstungskonzern Leonardo, der kurz zuvor eine Zusammenarbeit mit dem französisch-deutschen Panzerbauer KNDS beendet hatte. Der Auftragswert wird auf rund 20 Milliarden Euro geschätzt. Den Planungen zufolge will Italien mindestens 350 Lynx-Schützenpanzer und mehr als 200 Panther-Kampfpanzer anschaffen.
Große Ambitionen hegt Rheinmetall zudem in den USA. Dort nimmt das Unternehmen an zwei großen Ausschreibungen des Pentagons teil. Zum einen geht es um einen Auftrag für Militärtransporter für die US-Streitkräfte. Der Auftragswert wird hier auf rund 16 Milliarden Euro geschätzt. Bei der zweiten Ausschreibung geht es um einen Nachfolger des US-Schützenpanzers Bradley.
Erstpublikation: 24.07.2024, 09:26 Uhr