Morning Briefing: Wieso die japanische Notenbank das Weltmarktbeben mit ausgelöst hat
Tim wer? Der „Running Mate“ von Kamala Harris
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
Nach den heftigen Verlusten an den Weltbörsen zu Wochenbeginn haben sich die Kurse in Deutschland, Europa und den USA erst einmal wieder stabilisiert. Am deutlichsten fiel die Kurserholung in Tokio aus, dort stieg der Nikkei-Index um acht Prozent, nachdem er am Montag die heftigsten Verluste seit 37 Jahren erlebt hatte.
Viele Experten sehen Japan als Epizentrum des jüngsten Bebens an den Weltbörsen. Der Grund dafür ist eine lange lukrative Handelsstrategie, die plötzlich nicht mehr funktionierte – der sogenannte Carry-Trade.
Carry was? Falls Sie, wie ich, davon noch nie etwas gehört haben, frischen unsere Handelsblatt-Experten ihr Finanzmarktwissen gerne auf. Beim Carry-Trade handelte es sich um einen Trick, bei dem sich Investoren im vergleichsweise schwachen Yen verschuldeten, um dieses Kapital in Weltgegenden mit höheren Renditen anzulegen, vor allem in den USA.
Doch die vermeintlich schlauen Anleger hatten ihre Rechnung ohne die japanische Notenbank gemacht. Die hob in der vergangenen Woche die Zinsen überraschend deutlich an, der Yen gewann erheblich an Wert und der Carry-Trade rechnete sich nicht mehr. Investoren mussten ihre Positionen im Eiltempo auflösen.
Die Präsidentschaftskandidatin der demokratischen Partei in den USA, Kamala Harris, hat sich entschieden, mit wem sie ins Rennen um den Einzug ins Weiße Haus gehen will: Der 60-Jährige Tim Walz soll ihr „Running Mate“ werden. Als früherer Kongressabgeordneter aus einem eher republikanisch geprägten Bezirk hat er bewiesen, dass er das kann, was Harris schwerfallen dürfte. Seine Aufgabe wird sein, ländliche, weiße Wähler anzusprechen.
Mit ihrer Entscheidung schielt Harris vor allem auf die Wählerinnen und Wähler im Mittleren Westen. Dort liegen einige Bundesstaaten, die mal demokratisch, mal republikanisch wählen. Diese sogenannten „Swing States“ werden die Wahl im November maßgeblich entscheiden.
Walz dürfte als Gouverneur des US-Staats Minnesota die „Sensibilitäten“ dieser Region besonders gut ansprechen, sagte Ken Martin, Vorsitzender der Demokratischen Bauern- und Arbeiterpartei Minnesotas dem „Wall Street Journal“. Er gilt allerdings, ähnlich wie Harris, als progressiver Linker und könnte konservative Wählerschichten abschrecken.
Europa verhält sich in den vergangenen Jahren mit seinen Großunternehmen wie ein Kind, das ein verletztes Küken pflegt. Denn das industriepolitische Motto lautet schon länger: Päppeln und Behüten. Durch Staatshilfen und den Schutz vor ausländischer Konkurrenz sollen einige Unternehmen so gestärkt werden, dass sie mit der amerikanischen und chinesischen Konkurrenz mithalten können.
Der scheidende und der zukünftige Chef der Monopolkommission sehen diese Taktik im Handelsblatt-Interview unisono kritisch. Der Ökonom Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wird ab September die Leitung von Jürgen Kühling, Rechtsprofessor an der Universität Regensburg, übernehmen.
Doch egal ob Ökonom oder Jurist, beide zeigen sich besorgt über die Situation des Wettbewerbs in Deutschland und in Europa: Er steht ihrer Ansicht nach massiv unter Druck. Duso wirft Brüsseler Wettbewerbshütern vor, den Wettbewerb in Wahrheit schwächen zu wollen. Er fügt hinzu:
Wenn Sie die Zusammenhänge verstehen und die Sorgen der Chefs der Monopolkommission nachvollziehen möchten, empfehle ich Ihnen das Interview meines Berliner Kollegen Julian Olk.
Zu einem dieser industriepolitischen „Küken“, das die Politik zu Kräften pflegen will, zählt die Stahlbranche. Sie soll mithilfe von grünem Wasserstoff den Übergang in ein grünes Wirtschaften schaffen. Die Bundesregierung unterstützt den anspruchsvollen Transformationsprozess mit Milliardenbeträgen. Doch wie sich jetzt herausstellt, hat das Küken andere Pläne.
Denn die Stahlkonzerne wappnen sich bereits für den Fall, dass der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft scheitert. Statt das wichtige Vorprodukt, den sogenannten „Eisenschwamm“, mithilfe von Wasserstoff selbst herzustellen, erwägen die Unternehmen den Import.
Ein Plan mit Folgen: Wenn die Stahlindustrie in großem Maßstab Eisenschwamm importiert, statt ihn in Deutschland mit Wasserstoff selbst zu produzieren, hätte das immense Auswirkungen auf die Nationale Wasserstoffstrategie. Denn ein großer Teil des darin eingerechneten Wasserstoffbedarfs ist auf den künftigen Verbrauch der Stahlindustrie ausgerichtet.
Wer steigt in die erste Liga auf und wer bleibt auch diese Saison zweitklassig? Eine Frage, die sich nicht nur im Fußball stellt, sondern auch an der Börse. Anfang September überprüft die Deutsche Börse turnusgemäß die Zusammensetzung ihrer Indizes. Grundlage ist der Börsenwert der frei gehandelten Aktien. In der ersten Börsenliga könnte ein Platz frei werden, wenn Covestro bis Ende August tatsächlich übernommen werden sollte. Wer ihn einnimmt, ist bisher noch nicht klar.
Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC) gilt als ein Aufstiegskandidat. Aber nur weil man als Aufstiegskandidat gehandelt wird, heißt das noch lange nicht, dass man den Sprung in die Spitzenklasse auch schafft – wie mir Fans von Schalke 04 bestätigen können. Weitere mögliche Aspiranten könnte die Aktie des Maschinenbauers für Anlagen und Prozesstechnik der Nahrungsmittel-, Getränke- und Pharmaindustrie Gea Group sein – oder die Fluggesellschaft Lufthansa.
Zum Abschluss noch zu einer Fehde, die die Bezeichnung „Preiskampf“ wirklich verdient hat. Der deutsche Discounter Lidl hat sich einen gefährlichen Gegner ausgesucht, als er in seinem Prospekt drei Regale anpries. Auf der linken Seite zeigte Lidl seine Preise, auf der rechten die des Einrichtungshauses Ikea – die deutlich teurer waren.
Doch Ikea konterte prompt mit den Worten „A Lidl bit günstiger“ und reduzierte die Preise der betroffenen Regale im Vergleich zum Discounter nochmal deutlich. Es heißt nicht umsonst „wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“ – das ist in diesem Fall der Kunde. Vielleicht könnten sich die beiden Kontrahenten in Zukunft um ein Bettgestell, ein Schlafsofa und eine Gardinenstange streiten – das wäre für mich sehr praktisch.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag voller unverhoffter Schnäppchen.
Es grüßt Sie herzlich Ihre
Es grüßt Sie herzlich
Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt