Prüfers Kolumne: Mit dieser Idee macht es mehr Spaß, ein braver Bürger zu sein
Menschen neigen dazu, Regeln abzulehnen. Ich mache das auch: Wenn etwas nicht erlaubt ist und ich es trotzdem mache, dann fühle ich mich wie ein Outlaw. Irgendwie unangepasst und rebellisch. Ich weiß im Grunde, dass es einfach nur asozial ist. Und für gewöhnlich mag ich Menschen nicht, die sich so verhalten. Aber ich komme selbst nicht umhin.
Ich denke, das liegt daran, dass man Regeln mitunter als eine Ermächtigung verstehen kann. Jemand anderes bestimmt über einen und man muss sich fügen. Dabei sind die Regeln manchmal durchaus verständlich. Dass man zum Beispiel seinen Müll nicht in der Natur liegen lassen soll. Wenn ich sehe, dass jemand etwas hinter sich fallen lässt, dann empfinde ich sofort, dass diese Person sich unflätig verhält.
Wenn ich aber ein Schild sehe, auf dem steht, dass es verboten ist, seinen Müll liegen zu lassen, dann fühle ich mich behandelt wie ein kleiner Junge und habe das Gefühl, jemand würde mich bevormunden. Und wenn ich dann einfach etwas hinter mir fallen lasse, fühle ich mich wie ein Halbstarker, der sich nichts vorschreiben lässt. So einfach ist das, oft geht es um sehr schlichte Gefühle.
Naturparks in den USA setzen auf Belohnung statt Verbot
Ich habe in der New York Times gelesen, dass Naturparks nun dazu übergehen, statt Verboten Belohnungssysteme anzuwenden. Im amerikanischen Key-West-Nationalpark gibt es etwa ein Punktesystem: Wenn man verschiedene umweltschonende Dinge macht, etwa das Dolphin Watching bei einem nachhaltigen Anbieter, dann bekommt man ein T-Shirt.
Spanien hat ein ähnliches System eingeführt. Wer als Spaziergänger oder Spaziergängerin Müll sammelt und die Tüte abliefert, bekommt einen Gutschein für Freibier oder Eis. Ich glaube sofort, dass das funktionieren kann. Statt Bestrafung für Fehlverhalten lieber Freibier für besonders gutes Verhalten.
Denn so ist auch der Wettbewerbssinn geweckt: Wer schafft es, den meisten Müll zu tragen – und danach das meiste Bier zu trinken? Ich frage mich, warum es das nicht noch in anderen Bereichen gibt. Etwa bei der Steuer. Wenn man vom Staat ein Auto bekäme dafür, dass man immer brav Steuern bezahlt und nicht betrogen hat, dann würde es viel mehr Spaß machen, ein braver Bürger zu sein.
Warum gibt es keinen Bonus dafür, wenn man in den vergangenen zwanzig Jahren kein einziges Mal polizeilich festgenommen wurde? Vielleicht würde so ein System die Gefängnisse leeren und die Steuerkassen füllen.
Bei der Deutschen Verkehrswacht hat das funktioniert. Sie hat früher Autofahrer ausgezeichnet, die es geschafft hatten, 20 Jahre lang unfallfrei zu fahren. Doch diesen Anreiz gibt es nicht mehr. Schade, die Ehrennadel hätte ich schon jetzt verdient. Weil ich seit 20 Jahren kein Auto mehr fahre.