Morning Briefing: „Machtergreifung“ in Erfurt – geht's auch eine Nummer kleiner?
Was kommt nach Buffett? Investorenlegende regelt Nachfolge
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
Berkshire Hathaway ohne Warren Buffett – geht das überhaupt? Die legendär erfolgreiche US-Investmentholding und ihr 94-jähriger CEO, Verwaltungsratschef und Chief Investment Officer, bilden seit fast 60 Jahren eine untrennbare Einheit. Und eine sehr erfolgreiche noch dazu. In diesen Tagen übersprang das Unternehmen erstmals die Marke von einer Billion Dollar Börsenwert. Bisher hatten diese Größenordnung nur Technologieriesen wie Apple oder Microsoft erreicht.
Kein Wunder, dass Berkshire Hathaway in Wahrheit keine Aktionäre hat, sondern Jünger.
Doch spätestens der Tod von Buffetts Kompagnon und Freund Charlie Munger im November mit fast 100 Jahren war eine Erinnerung: Auch Legenden können sterben. In unserem Freitagstitel beleuchtet US-Finanzkorrespondentin Astrid Dörner, wie es irgendwann nach Buffetts Abschied mit Berkshire Hathaway weitergehen wird.
In Kurzform: Buffett hat sein Haus gut bestellt. Fachlich wackelt da nix. Aber es ist auch niemand in Sicht, der auf den Hauptversammlungen auch nur annähernd so grandios wie Buffett die Jünger, pardon, die Aktionärinnen und Aktionäre, mit Anekdoten unterhalten könnte.
Tausende von Investoren weltweit versuchen Buffetts erfolgreiche Anlagestrategie zu kopieren – und scheitern damit regelmäßig, obwohl die Strategie so simpel erscheint. Handelsblatt-Geldanlagechef Andreas Neuhaus hat analysiert, warum das so ist.
Das Management des Industriekonzerns Thyssen-Krupp verfolgt offenbar einen radikalen Plan: Das Unternehmen mit seinen rund 100.000 Beschäftigten könnte faktisch abgewickelt werden, wie das Handelsblatt von mehreren mit den Vorgängen vertrauten Personen erfahren hat. In der Führung des Konzerns herrscht offenbar die Auffassung, dass das Konstrukt Thyssen-Krupp keine Zukunft mehr hat und die einzelnen Teile besser verwertet werden können. In der radikalsten Form könnte am Ende eine Restfirma um den Anlagenbauer Rothe Erde mit bestenfalls einigen Tausend Mitarbeitern stehen.
Thyssen-Krupp weist die Informationen auf Anfrage zurück – und wie weit die Pläne tatsächlich umgesetzt werden, ist unklar. Aber: „Die Zeichen“, so die hochrangigen Insider, „stehen auf Zerschlagung“. In einigen Bereichen wie der Stahlsparte und der Werftentochter Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) ist der Prozess bereits eingeleitet, in anderen Feldern wie im Bereich Automobilzulieferer laufe er baldmöglichst an.
Mit der Umsetzung ist Vorstandschef Miguel López betraut – den Insidern zufolge handelt er im Auftrag der Aufsichtsratsspitze und mit Billigung der Krupp-Stiftung, der größten Aktionärin der Gesellschaft.
Reichlich Theaterdonner gab es gestern bei der konstituierenden Sitzung des Thüringer Landtags. „Was Sie hier betreiben, ist Machtergreifung“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Andreas Bühl, zum Alterspräsidenten des Landtags, AfD-Mann Jürgen Treutler. Von einem „kalten Putsch der AfD“ schrieb die CDU-Abgeordnete Claudia Heber auf „X“. Die AfD reagierte ähnlich echauffiert.
Puh, geht´s auch eine Nummer kleiner?
Im Kern drehte sich der Streit gestern in Erfurt um die korrekte Auslegung der Geschäftsordnung des Landtags und der Thüringer Verfassung – und um das Ziel der übrigen Parteien, eine AfD-Landtagspräsidentin zu verhindern. Die Abgeordneten verhakten sich derart, dass nun auf Antrag der CDU in den nächsten Tagen das Landesverfassungsgericht entscheiden soll. Nicht schön, aber auch weit entfernt von einer „Machtergreifung“.
Recht offensichtlich war es das Ziel der AfD, die Sitzung mit der Rede des Alterspräsidenten zu einer Propagandashow umzugestalten. Auch nicht schön, aber wahrscheinlich hätte außerhalb von Erfurt kaum jemand davon Notiz genommen, wenn die Abgeordneten der übrigen Parteien etwas gelassener reagiert hätten.
So aber hat die AfD bekommen, was sie vermutlich wollte: eine weitere Gelegenheit um sich zum Opfer der „Altparteien“ zu stilisieren und die vermeintliche Dysfunktionalität des „Systems“ bloßzustellen.
AfD-Alterspräsident Treutler sagte jedenfalls nach der eskalierten Sitzung:
Der ehemalige US-Präsident Donald Trump will sich heute mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski in New York treffen. Die Zusammenkunft solle im Trump Tower in Manhattan stattfinden, sagte Trump zu Reportern.
Beim gestrigen Besuch Selenskis in Washington hat US-Präsident Joe Biden der Ukraine weitere milliardenschwere Waffenhilfen zugesagt. Biden gab hierfür 2,4 Milliarden US-Dollar frei. Zum neuen Hilfspaket gehören ein weiteres Patriot-Flugabwehrsystem, Gleitbomben mit hoher Reichweite sowie Drohnen. Der Großteil kommt aus Beständen des US-Militärs.
Außerdem kündigte Biden an, bei einem Deutschland-Besuch im Oktober ein Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe auf Ebene der Staats- und Regierungschefs auszurichten. Normalerweise nehmen an diesem sogenannten Ramstein-Format die Verteidigungsminister der rund 50 Mitgliedsländer teil.
Eine hohe Dividendenrendite ist so etwas wie die Loreley des Aktienmarkts: Ihr verlockender Anblick verdreht braven Anlegern (und Anlegerinnen natürlich, wir leben ja nicht mehr in Heines Zeiten) regelmäßig den Kopf. Und ebenso regelmäßig zieht es sie dann in die roten Strudel der Verlustzone.
So begab es sich auch zu Ludwigshafen am Rhein: Mit einer hohen Dividendenrendite von 7,7 Prozent zählte BASF zu den vermeintlich attraktivsten Dividendenwerten. Dann aber strich der Konzern gestern die Ausschüttung zusammen.
Genauso hohe oder noch höhere Renditen als bis gestern BASF bieten nur die drei Autokonzerne im Dax. Auch bei ihnen drohen Kürzungen, wie ein Blick in die Bilanzen zeigt.
Das Muster ist dabei stets das gleiche: Erst steigen die Dividenden dank hoher Gewinne. Dann brechen die Kurse ein, weil Geschäftsmodelle sich ändern und Anleger das Vertrauen verlieren. Sind die Befürchtungen eingetroffen, sinken die Gewinne und die Konzerne kürzen ihre Dividende. Daraufhin fallen die Kurse noch weiter.
„Den Schiffer im kleinen Schiffe
ergreift es mit wildem Weh.
Er schaut nicht die Felsenriffe,
er schaut nur hinauf in die Höh’.“
Ich wünsche Ihnen einen Wochenausklang ohne Untiefen.
Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens
Textchef Handelsblatt
PS: In dieser Woche haben wir Sie gefragt, ob die FDP noch eine Zukunft hat. Eine Auswahl der Leserkommentare dazu finden Sie hier.