Devisen: Carry-Trades – Händler lauern auf neue Wetten gegen den Yen
Frankfurt. „Ich glaube nicht, dass das Umfeld für eine weitere Zinserhöhung gegeben ist“: Mit dieser erstaunlichen Aussage hat Japans neuer Premierminister Shigeru Ishiba Wirbel an den Finanzmärkten ausgelöst. Denn sie zwingt Investoren schon wieder dazu, ihre Handelsstrategien zu überdenken – mit potenziell globalen Auswirkungen.
Erst vor wenigen Wochen fiel eine populäre Handelsstrategie spektakulär in sich zusammen: Jahrelang hatten Hedgefonds und andere Investoren sich in der japanischen Währung Yen verschuldet, weil die immer günstiger wurde. Mit dem geliehenen Geld kauften sie weltweit Aktien und Anleihen mit höheren Renditen als in Japan, wo die Zinsen bis heute sehr niedrig sind.
Die Wetten gingen auf, bis Japans Notenbank Anfang August für viele überraschend den Leitzins anhob. Der Yen wertete auf. Daraufhin verkauften Hedgefonds weltweit im Zeitraffer Aktien und Anleihen, die sie auf Pump finanziert hatten, um Verluste mit den Yen-Krediten zu begrenzen. Die Geschäfte hatten solche Dimensionen angenommen, dass selbst in den USA und Europa vorübergehend die Börsenkurse absackten.