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Aufstiegs-BafögAmpel-Aus verzögert Kampf gegen den Fachkräftemangel

Die geplante Aufstockung von finanziellen Hilfen für Meisterschüler, Techniker und Erzieherinnen fällt erst mal aus. Die Qualifizierung dieser künftigen Experten wird so gebremst.Barbara Gillmann 21.11.2024 - 03:45 Uhr Artikel anhören
Eine Technikerin kontrolliert einen Industrieroboter: Die Ampelregierung wollte die Fortbildung solcher Expertinnen erleichtern. Darüber wird wahrscheinlich erst eine neue Regierung im kommenden Frühjahr beraten. Foto: IMAGO/Westend61

Berlin. Dem Ende der Ampelregierung fällt auch eine Reform zum Opfer, die die Qualifizierung künftiger Top-Fachkräfte anschieben und erleichtern sollte: das neue Meister-Bafög oder auch „Aufstiegs-Bafög“ (AFBG), von dem nicht nur angehende Meister, sondern auch Fachwirte, Techniker und Erzieherinnen profitieren. Sie alle sollten ab Januar 2025 nicht nur mehr Zuschüsse zu den Kosten ihrer Fortbildungen erhalten, sondern auch mehr Chancen auf einen Schuldenerlass. Zudem sollen Zuschüsse der Arbeitgeber zu diesen Qualifikationen nicht länger mit der Staatshilfe verrechnet werden.

Das Kabinett hatte die Reform im Sommer auf den Weg gebracht, doch nun kann sie der Bundestag aller Voraussicht nach nicht mehr verabschieden. Das bremst die dringend nötige Qualifizierungsinitiative, heißt es beim DIHK und beim Handwerk. Es sei zu befürchten, dass Teilnehmer nun Kurse verschieben, bis ein neuer Bundestag die finanziellen Aufstockungen verabschiedet.

Insgesamt haben zuletzt fast 200.000 Menschen jährlich Zuschüsse oder Darlehen nach dem AFBG erhalten, vor allem für Kursgebühren, Meisterstücke, teilweise aber auch für den Lebensunterhalt, zumindest wenn sie Vollzeitkurse besuchen. „Angesichts der Fachkräfteengpässe dürften es aber auch 300.000 sein“, um die immer größeren Lücken zu füllen, meint Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Zudem haben sich die Teilnehmerzahlen sehr unterschiedlich entwickelt: Stark gestiegen sind die Bewilligungen für künftige Erzieherinnen und Erzieher. Deutlich gesunken sind hingegen in der Breite die Förderzahlen in Industrie, Handel und Handwerk. Das ist eine Folge des Niedergangs der dualen Ausbildung: Denn je weniger Menschen einen Gesellenbrief erwerben, umso kleiner ist in der Folge das Potenzial für die nächste Stufe der Meister und Fachwirtinnen.

Das ist umso besorgniserregender, als es gerade in technischen Berufen einen massiven Mangel gibt: Nach den Daten des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) fehlen aktuell 209.000 MINT-Fachkräfte, darunter gut 22.000 Meisterinnen und Techniker.

„Daher ist es sehr schade, dass die geplanten Verbesserungen beim Meister-Bafög nun erst einmal nicht kommen“, sagt IW-Experte Axel Plünnecke. Der Generalsekretär des Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, weist auf die mehr als 125.000 Betriebsnachfolgen im Handwerk hin, die in den kommenden fünf Jahren anstehen. „Dafür braucht es bestens beruflich qualifizierte Meisterinnen und Meister – und das Aufstiegs-Bafög ist dabei das zentrale Instrument.“

Seine Forderung: „Deshalb muss der Deutsche Bundestag das bereits begonnene parlamentarische Gesetzgebungsverfahren noch in diesem Jahr abschließen und das neue Aufstiegs-Bafög verabschieden.“ Auch Verbesserungen seien notwendig wie die Förderung von zwei Abschlüssen auf einer Stufe, also etwa zwei Meisterbriefe. Dafür plädierte in einer Bundestagsanhörung auch der Betriebsrat von Bosch: Die Anforderungen im Handwerk hätten sich stark verändert, inzwischen seien „Elektrothemen“ zunehmend gefragt.

Für viele Verbände ist die bestehende Reform allenfalls Stückwerk

Generell monieren nahezu alle Verbände, dass die Reform weit hinter den Versprechungen des Koalitionsvertrags zurückbleibt. So kritisiert etwa der DIHK, dass die finanzielle Angleichung zum Studierenden-Bafög bislang ausgeblieben ist. Das jedoch wäre angesichts der sinkenden Lehrlingszahlen „ein wichtiges Signal zur Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung“ gewesen, heißt es.

Unisono wird auch kritisiert, dass die versprochenen Unterhaltsbeihilfen für Teilzeitweiterbildungen unter den Tisch gefallen seien. Hier sei die Zahl in den vergangenen Jahren deutlich gefallen.

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Konkret soll die Reform den maximalen Zuschuss für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren von 15.000 auf 18.000 Euro erhöhen, für die Kosten eines Meisterstücks von 2000 auf 4000 Euro. Die Zuschüsse fließen zur Hälfte als Darlehen. Wer erfolgreich abschließt, dem sollen künftig 60 statt 50 Prozent des Kredits erlassen werden.

Neben Geldmangel behindern allerdings auch die teilweise extrem langen Bewilligungszeiten von bis zu einem Jahr die Qualifizierungsmaßnahmen, klagten mehrere Experten im Bundestag. Besonders groß sei das Problem in NRW, Sachsen und Thüringen. Die Arbeitgeber machen dafür vor allem die fehlende Digitalisierung der Verfahren verantwortlich.

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