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VWDie Gewerkschaft lenkt von Volkswagens Kernproblem ab

Bei den Warnstreiks geht die Arbeitnehmerchefin auf Konfrontation zu den Großaktionären. An den Fakten kommt aber auch Daniela Cavallo nicht vorbei.Lazar Backovic 03.12.2024 - 08:32 Uhr
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Betriebsratschefin Daniela Cavallo: Die oberste Stimme des VW-Protests. Foto: Alicia Windzio/dpa

Für die Warnstreiks hat sich die oberste Arbeitnehmervertreterin von Volkswagen, Daniela Cavallo, ein schönes Bild für die Belegschaft ausgedacht. Um zu verdeutlichen, wie viel Dividende allein die Familie Porsche-Piëch seit 2014 eingestrichen hat, müsse man sich nur vorstellen, man gewinne ein Leben lang jede Woche eine Million Euro im Lotto.

Das ist eine stolze Summe, keine Frage. Und angesichts der Tatsache, dass die Eigentümerfamilie beispielsweise allein an der Sonderdividende zum Porsche-Börsengang vor zwei Jahren Milliarden verdient hat, ist die Forderung nach einem Verzicht auf Dividende durchaus legitim. Doch so schön das Bild der lottospielenden Großaktionäre auch ist: Leider geht die Dividendendiskussion in der aktuellen Situation am Kernproblem von Volkswagen vorbei.

Whataboutism heißt es auf Neudeutsch, wenn in einer schwierigen Situation auf andere Missstände hingewiesen wird, um vom eigentlichen Thema abzulenken. Nichts anderes macht Cavallo mit dem Aktionärsthema.

Denn was genau würde sich ändern, wenn VW im kommenden Jahr die Dividende komplett streichen würde? Der Aktienkurs des angeschlagenen Autobauers würde vermutlich noch weiter nach unten zeigen, als er es ohnehin schon tut. An der Unterauslastung der Werke, eines der Kerndefizite von VW, würde die Aktion sicher nichts ändern. Das weiß auch Cavallo, die als gewiefte Verhandlerin gilt.

Die Rechnung dazu hat das Management aufgemacht, die Zahlenbasis hat Cavallo neulich bei der Vorstellung ihres eigenen Zukunftskonzepts für VW übernommen. Demnach fehlen Europas größtem Autobauer auf dem Heimatkontinent rund 500.000 Autoverkäufe, die so schnell nicht zurückkommen werden. Das entspricht in etwa der Produktion von zwei großen VW-Werken.

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Das eigentliche Thema, von dem Cavallos Whataboutism ablenken soll, sind die Arbeitskosten. Die Arbeitnehmervertreterin wird nicht müde zu betonen, dass diese nur einen kleinen Teil des großen Sparprogramms bei VW ausmachen würden.

Die Fakten sprechen für sich: Es geht um zwei Milliarden Euro, das ist mehr als ein Zehntel des Gesamtpakets. Neun Handlungsfelder hat VW in seinem sogenannten Performance-Programm identifiziert, die Arbeitskosten sind also weder ein besonders kleines noch ein besonders großes Stück vom Sparkuchen. Sie sind nicht wegzudiskutieren.

1,5 Mrd. Euro Kostensenkung hat die Arbeitnehmerseite zuletzt in die Diskussion eingebracht. Wie sich diese Summe genau zusammensetzt, ist unklar. Der Vorschlag, einen Zukunftsfonds einzurichten, aus dem Arbeitszeitverkürzungen finanziert werden könnten, ist beim Management jedenfalls durchgefallen. Auch, weil dies zunächst eine Tariferhöhung und damit Mehrkosten bedeuten würde.

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Erstpublikation: 02.12.2024, 13:59 Uhr.

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