Wochenend-NewsletterWie Amazon unsere Betreuungsprobleme lösen könnte – das Handelsblatt-Wochenende

Und noch mehr gute Ideen, wie endlich alle Menschen Vollzeit arbeiten können. Außerdem Deutschlands dubiosester Goldhändler, die besten Bücher des Jahres und wie Sie Streit mit Ihren Geschwistern ums Erbe vermeiden.Charlotte Morré 13.12.2024 - 10:42 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser,

einen Moment habe ich überlegt, diesen Newsletter ausfallen zu lassen. Es ist nämlich so: Die Krippe meines Sohnes hat kurzfristig geschlossen. Das passiert oft. Fachkräftemangel, Krankheiten, deren plastische Schilderung ich Ihnen ersparen möchte, bescheuerte Richtlinien der Stadt, in der ich lebe – an dieser Situation sind viele schuld, nur nicht die Erzieherinnen. Die sind, so ist zumindest meine Wahrnehmung, oft selbst verzweifelt, weil allein 15 Kinder zu betreuen vielleicht doch nicht ihr Lebenstraum war.

Gleichzeitig habe ich als Frau eine Verpflichtung gegenüber unserem Land, zumindest, wenn ich Politikern und Wirtschaftsinstituten glaube. Die sagen, um Deutschlands Wohlstand zu sichern, seien 2,1 Kinder pro Frau die Mindestanforderung. Und wir sollten alle Vollzeit arbeiten. Frauen in Teilzeit sind ein Riesenproblem, da sind sich alle einig.

Ich liebe unseren Staat, also habe ich zwei Kinder und arbeite Vollzeit. Und natürlich liebe ich auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, deshalb schreibe ich diesen Newsletter mit meinem einjährigen Sohn auf dem Schoß. Ob das jetzt wirklich Deutschlands Wohlstand sichert, müssen Sie entscheiden. Da einer aktuellen Studie zufolge derzeit 300.000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei fehlen, ist zu befürchten, dass auch Menschen, deren Job nicht aus Newsletter-Schreiben besteht, zukünftig nicht so viel zu unserer Wirtschaftsleistung beitragen können.

Zum Glück gibt es einige Überlegungen, wie man dieses Problem lösen könnte. Arbeitgeber sollten sich zum Beispiel stärker einbringen. Krippen anstatt Obstkörbe. Leider löst das keines der Probleme aus dem Einstieg dieses Textes, aber fordern kann man ja mal. Eine schnellere Anerkennung ausländischer Fachkräfte ist eine andere Idee. Diese scheitert aber oft an mangelnden Deutschkenntnissen. Das finde ich sehr nachvollziehbar. Lieber gar keine Betreuung als eine ohne B2-Deutschzertifikat.

Vielleicht wird es am Ende, wie so oft, die Automatisierung richten. Wie wäre es zum Beispiel, wenn wir alle Kinder tagsüber in einem Amazon-Lager verwahren? Nach der Weihnachtszeit ist da sicher Platz.

Kinder unter drei brauchen kein Außengelände, die größeren Boxen sollten ausreichen. Spielzeug ist in diesen Lagern genügend vorhanden, die Verpflegung könnte aus den Resten des gerade eingestellten Lebensmittel-Lieferservices Amazon Fresh erfolgen. Bei Krankheit könnte man die Kinder einfach isolieren, und Alexa ist mittlerweile in vielen europäischen Sprachen verfügbar. Sie erreicht sicher das B2-Zertifikat. Abends bekommt man dann sein Kind per Gabelstapler zurück – ein Highlight, auf das sich alle freuen.

Nun muss ich Sie aber leider zu unseren zehn Wochenend-Empfehlungen entlassen, der DHL-Bote klingelt gerade. Vielleicht kann er direkt mein Kind mitnehmen – als Retoure.

Ihre Charlotte Haunhorst
Head of Digital Handelsblatt

PS: Seit Kurzem bieten wir beim Handelsblatt neue Online-Spiele an, unter anderem ein Wirtschaftskreuzworträtsel. Probieren Sie es doch mal aus.

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