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Asia TechonomicsSoftbank-Chef umgarnt Trump mit Milliardeninvestitionen

Mit einem gigantischen Investitionsversprechen will Softbank-Gründer Son den künftigen US-Präsidenten Donald Trump milde stimmen – und unterstützt nebenbei Japans strauchelnde US-Diplomatie.Martin Kölling 19.12.2024 - 20:29 Uhr Artikel anhören
Softbank-CEO Masayoshi Son und Donald Trump: 100 Milliarden Dollar für die USA. Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Donald Trump und den Japaner Masayoshi Son verbindet seit Langem eines: Geld, viel Geld. Als Trump 2016 zum ersten Mal die Präsidentschaftswahl gewann, war der Chef des Technologieinvestors Softbank einer der ersten CEOs, die ihm ihre Aufwartung machten. 50 Milliarden Dollar an Investitionen versprach Son damals.

Diese Woche, fast auf den Tag genau acht Jahre später, verdoppelte er sein Versprechen anlässlich der Wiederwahl Trumps. Dabei sendete er zwei Botschaften: Er ist mehr als ein Investor, er ist ein Botschafter für sein eigenes Reich und für Japan, ein effektiver dazu. Und Son meldet sich nach Jahren der Krise als Mega-Investor zurück.

Der große Bahnhof in Trumps Golf-Resort Mar-a-Lago unterstrich Sons Rolle. Der alte und neue Präsident ließ es sich am Montag nicht nehmen, den Plan des Japaners höchstpersönlich zu verkünden: „Heute freue ich mich, verkünden zu können, dass Softbank 100 Milliarden Dollar in Amerika investieren und mindestens 100.000 amerikanische Arbeitsplätze schaffen wird“, sagte Trump.

Dann setzte der ehemalige und künftige US-Präsident zu einer Lobeshymne an, die er nicht für jeden Besucher bereithält.

Son sei einer der „großartigsten Menschen“, lobte Trump seinen Gast. „Diese historische Investition ist ein monumentaler Vertrauensbeweis für Amerikas Zukunft.“ Sie werde dazu beitragen, Künstliche Intelligenz und andere aufstrebende Technologien in den Vereinigten Staaten zu entwickeln. „Ich fühle mich daher sehr geehrt“, sagte Trump und rief den einen Kopf kleineren Japaner ans Mikrofon.

Japans Hoffnung: Mit Geldversprechen gegen Zolldrohungen

Softbank-Gründer Son erwiderte die Gefälligkeiten höflich. „Ich möchte den großartigen Sieg von Präsident Trump wirklich feiern“, sagte er. „Mein Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft ist mit seinem Sieg enorm gestiegen.“ Es habe sich geradezu verdoppelt, witzelte er.

In der wöchentlichen Kolumne „Asia Techonomics“ schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien. Foto: Klawe Rzeczy

Zum Schluss ließ er es sich nicht nehmen, für die Beziehungen zwischen Japan und seinem einzigen Verbündeten, den USA, zu werben. „Ich bin sicher, dass unsere Leute in Japan stolz darauf sind, die Partnerschaft zwischen uns und Japan zu stärken“, sagte er, „ich freue mich darauf, dies zu verwirklichen.“

Ob Son in offiziellem Auftrag handelte, ist nicht bekannt. Aber es ist kein Geheimnis, dass auch Asiens älteste Industrienation mit allen Mitteln versucht, Trump von Importzöllen abzuhalten. In der ersten Amtszeit klappte das Zusammenspiel zwischen dem damaligen Regierungschef Shinzo Abe und Son so gut, wie man es sich nur wünschen konnte.

Abe besuchte Trump als erster Regierungschef noch im November und etablierte sich damit als Trumps Golf-Buddy. Son unterstrich wenig später den monetären Wert der Japaner für die USA. Zwar musste auch Japan Importzölle auf Stahl und Aluminium hinnehmen, härtere Maßnahmen konnten aber abgewehrt werden.

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Diesmal ruhen mehr Hoffnungen auf Son. Den neuen Premierminister Shigeru Ishiba ließ Trump kühl abblitzen. Zwar empfing er die Witwe des 2022 ermordeten Abe Anfang der Woche mit seiner Frau Melania zum Essen. Sogar der Tesla-Chef und jetzige Trump-Chefeinflüsterer Elon Musk machte Abe seine Aufwartung. Allerdings ließ Trump die Welt hinterher wissen, dass dies keine diplomatische Botschaft an Japans aktuelle Regierung gewesen sei: „Es war nur aus Respekt vor Shinzo.“

We-Work-Pleite, Aktiencrash: Softbank ist nach Jahren der Krise wieder da

Zum Glück für Japan hat sich Softbank nach Jahren der Krise gerade rechtzeitig für Trumps zweite Amtszeit erholt. Bei seinem letzten Treffen mit Trump plante Son gerade mit Partnern aus den Golfstaaten seinen ersten Mega-Investmentfonds, den Softbank Vision Fund, der ihn von einer japanischen Legende zum größten Tech-Investor der Welt machte.

100 Milliarden Dollar standen ihm zur Verfügung, um sich im großen Stil bei damaligen Start-ups wie dem Mobilitätsdienstleister Uber oder dem Bürovermittler We Work einzukaufen. Ein zweiter Vision Fund folgte. Doch zu hohe Bewertungen, die We-Work-Pleite und zu allem Überfluss fallende Kurse bei Technologieaktien rissen Softbank immer wieder tief in die Verlustzone.

Erst in diesem Jahr hellte sich das Bild nachhaltig auf. Die Vision Funds sind wieder im Plus, die Bilanz auch. Deshalb erhöht Son schon wieder die Investments, mit einer kleinen Kurskorrektur. Investierte er früher in Internetaktien, haben es ihm jetzt KI-Start-ups angetan. Das Ziel ist dasselbe: Son will ein Imperium aufbauen, einen Schwarm agiler Unternehmen, die mit Softbank die Welt verändern.

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Glaubt man Trump, ist das Geld auch für große Sprünge wieder da. Er habe die Bücher von Softbank gesehen, sagte Trump und fragte, ob Son das Angebot auf 200 Milliarden Dollar aufstocken werde. „Er kann es sich leisten, glauben Sie es oder nicht.“ Auch die Ratingagentur Moody’s ist wieder optimistischer für Softbank.

Zwar hatte Softbank den Vertrag mit Moody’s gekündigt, nachdem die Ratingagentur die Kreditwürdigkeit des Unternehmens auf Ba3, also Ramschstatus, herabgestuft hatte. Doch trotz Sons Protesten bewertet die Agentur Softbank weiter – und hat nun den Ausblick von stabil auf positiv angehoben. Beide Aktionen zeigen: Son ist wieder obenauf.

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