USA: „Leute wie Elon Musk sind Bezwingergestalten“
Berlin. Schöne Cafés sind rar geworden in Berlin, findet Thea Dorn, 54. Das alte „Einstein“ – dauerhaft geschlossen. Das „Literaturhaus“ – seit einiger Zeit in der Renovierung. Aber die Philosophin, Schriftstellerin und TV-Moderatorin hat sich dann an das „Manzini“ im Stadtteil Wilmersdorf erinnert, ein Ort mit dunkelgrünem Bistro-Sitzmobiliar. Hier unterhalten wir uns über eine unruhig gewordene Zeit und die neue Rolle von Intellektuellen.
Frau Dorn, das Land ist geschockt von Kriegen, gelähmt durch eine Rezession, konfrontiert mit einem Rechtsruck in vielen Staaten. Welche Rolle kommt den Intellektuellen in einer solchen Situation zu?
Mein Ideal wäre, dass sie besonnen bleiben, Geschehnisse differenziert betrachten, sich dem grassierenden Bekenntnisfuror verweigern. Es geht mittlerweile ums Ganze, das heißt um die Frage: Wollen wir weiterhin in einer Demokratie leben? Was eben nicht zuletzt bedeutet, dass man Dissens aushält.
Das sehen Sie als gefährdet an?
Spätestens während der Coronapandemie begann der Trend, Positionen, die der jeweils dominanten Meinung widersprechen, als unerwünscht zu markieren. Und eigentlich geht es nicht bloß um Positionen: Personen sollen diskreditiert, vom Diskurs ausgeschlossen werden. Dabei wird kaum noch unterschieden zwischen argumentierenden Kritikern und Menschen, die Propaganda, Verschwörungsmythen oder anderen offensichtlichen Unfug verbreiten. Natürlich geht es im öffentlichen Diskurs auch um Gut und Böse. Aber das Gegenteil eines guten Arguments ist zunächst einmal nicht das böse Argument, sondern das schlechte.