Nato: Könnte sich Europa allein gegen Russland verteidigen?
Berlin. In den Hochzeiten des Kalten Krieges kursierte unter deutschen Wehrpflichtigen ein Bonmot: „Was macht die Bundeswehr im Ernstfall? Die Stellung halten und warten, bis richtige Soldaten kommen.“ Die „richtigen Soldaten“ – das wären im Zweifel die Amerikaner gewesen, von denen Mitte der 1980er-Jahre noch knapp 250.000 in Deutschland stationiert waren.
Doch ist heute noch Verlass auf den großen Bruder jenseits des Atlantiks, auf den Deutschland und Westeuropa seit der Ära Adenauer immer zählen konnten? Seit dem Wiedereinzug von Donald Trump ins Weiße Haus beschäftigt diese Frage Politiker, Militärs und Sicherheitsexperten in Europa.
Amerikanische Steuerzahler sollen nicht länger für die Sicherheit Europas aufkommen müssen, sagt der US-Präsident, der sich sicherheitspolitisch stärker der Indopazifik-Regio zuwenden will. Im Wahlkampf hatte er sogar unverhohlen europäischen Nato-Ländern gedroht, die aus seiner Sicht zu wenig in die Verteidigung investieren. Er werde die Russen ermuntern, mit diesen Ländern zu tun, „was auch immer zur Hölle sie wollen“, sagte Trump damals.