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WelthandelHandelsstreit zwischen USA und China trifft griechische Reeder

Mit hohen Hafengebühren will die US-Regierung die Dominanz Chinas im Schiffbau brechen. Betroffen sind außer chinesischen Reedereien vor allem griechische Schiffseigner.Gerd Höhler 11.03.2025 - 16:24 Uhr Artikel anhören
Ein Containerschiff liegt im Hafen von Tacoma, Bundesstaat Washington: Chinesische Schiffe sollen künftig für jedes Anlaufen eines US-Hafens Zahlungen in Millionenhöhe leisten. Foto: David Ryder/Bloomberg

Athen. China hat sich binnen eines Jahrzehnts zum größten Hersteller von Frachtschiffen entwickelt. Den Aufstieg an die Weltspitze verdanken die chinesischen Werften vor allem staatlicher Förderung. Die USA, deren eigene Werftindustrie immer weiter schrumpft, wollen nicht länger tatenlos zusehen.

Mit neuen Regeln will die US-Regierung gegensteuern. Wenn chinesische Schiffe künftig einen US-Hafen anlaufen, könnten bald jedes Mal Zahlungen in Millionenhöhe fällig werden. Die neuen Gebühren würden für chinesische Reedereien, aber auch für Unternehmen aus Drittländern gelten, die in China gebaute Schiffe einsetzen.

Das sieht ein Entwurf des United States Trade Representative (USTR) vor, einer dem Weißen Haus unterstellten Behörde für Handelspolitik. Sie hat für den 24. März eine öffentliche Anhörung angesetzt. Bis dahin können Marktteilnehmer Stellung nehmen. Danach will die Behörde über die Maßnahmen entscheiden.

Die Pläne waren noch von der Biden-Administration in Auftrag gegeben worden. Sie treten in Kraft, wenn US-Präsident Donald Trump sie absegnet. Das könnte bereits im April der Fall sein.

Strafgebühren für Schiffe „made in China“

Nicht nur chinesische Reedereien wären von der neuen Regelung betroffen. Auch für Schiffe, die auf chinesischen Werften gebaut und von Unternehmen aus Drittstaaten betrieben werden, wäre eine Sonderabgabe fällig. Diese würde je nach Anteil chinesischer Neubauten an der Flotte des Betreibers zwischen 500.000 und einer Million US-Dollar betragen.

Reedereien, die Schiffe bei chinesischen Werften in Auftrag gegeben haben, müssen bei jedem Anlauf eines US-Hafens ebenfalls eine Strafe von einer Million Dollar zahlen, auch wenn das anlaufende Schiff nicht aus chinesischer Produktion stammt.

Gleichzeitig will die Handelsbehörde Anreize für den Einsatz von US-Schiffen setzen: Betreiber, die Frachter von US-Werften einsetzen, sollen eine Million Dollar pro Hafenanlauf erstattet bekommen.

Branchenexperten schätzen, dass 43 Prozent der Handelsschiffe, die im vergangenen Jahr US-Häfen angelaufen haben, von der geplanten Regelung betroffen wären. Bei den Autotransportern wären es 68 Prozent und bei den Containerschiffen sogar 83 Prozent.

Besonders betroffen wären griechische Reeder. Sie kontrollieren die nach Tonnage größte Handelsflotte der Welt. Stark sind die Griechen vor allem in ihrer traditionellen Domäne, der Tankschifffahrt. Von 435 Aufträgen für Tanker-Neubauten im vergangenen Jahr kamen 113 von griechischen Unternehmen. Der Großteil ging an chinesische Werften.

Frachtschiffe: Chinesen gewinnen immer mehr Marktanteile

Bis Anfang der 2010er Jahre dominierten japanische und südkoreanische Werften den Markt für Frachtschiffe. Seitdem gewinnen die Chinesen immer mehr Marktanteile. Nach Angaben der Handelsbehörde USTR hatte China 1999 noch einen Anteil von weniger als fünf Prozent an der weltweiten Produktion von Containerschiffen. 2023 waren es bereits mehr als 50 Prozent.

Hauptgrund für diese Entwicklung sind günstige Preise, die chinesische Werften durch staatliche Unterstützung bieten können. Auch die attraktiven Finanzierungskonditionen der chinesischen Staatsbanken verschaffen den chinesischen Schiffsbauern einen Wettbewerbsvorteil.

Schiffsbau in einer Werft in der chinesischen Provinz Shandong: Gut die Hälfte aller Containerschiffe wird in China hergestellt. Foto: IMAGO

Nach Angaben aus Schifffahrtskreisen in Piräus gehen derzeit zwei von drei Aufträgen für Frachtschiffe an chinesische Werften. Bei Containerschiffen liegt der Anteil chinesischer Werften sogar bei fast 70 Prozent.

Der legendäre griechische Reeder Aristoteles Onassis ließ seine ersten Supertanker nach dem Zweiten Weltkrieg noch in Bremen, Kiel und Hamburg bauen. Der Grieche wurde so zum Retter des am Boden liegenden deutschen Schiffbaus. Mitte der 1950er-Jahre entfiel mehr als die Hälfte des Auftragsbestandes der deutschen Werften auf den griechischen Großreeder.

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Heute spielen deutsche Werften im Segment der Großfrachter keine Rolle mehr. Die Nachfahren von Onassis bestellen ihre Tanker, Containerschiffe und Massengutfrachter in Fernost. Seit dem Jahr 2000 haben griechische Unternehmen mehr als 1500 Neubauten im Wert von rund 70 Milliarden Dollar bei chinesischen Werften in Auftrag gegeben, davon allein 345 in den vergangenen drei Jahren. Derzeit entfallen 54 Prozent der ausstehenden griechischen Aufträge auf chinesische Werften.

Die Verbindungen der griechischen Reeder nach China sind in den vergangenen Jahren immer enger geworden. Sie lassen nicht nur auf chinesischen Werften bauen, sondern verchartern viele Schiffe an chinesische Reedereien wie Cosco und OOCL. Griechische Schiffseigner könnten in Zukunft aber Schwierigkeiten bekommen, in China gebaute Schiffe an westliche Reedereien wie Hapag Lloyd, MSC oder Maersk zu verchartern. Sie müssten möglicherweise Zugeständnisse bei den Charterraten machen.

Bezahlen müssen am Ende die Verbraucher in den USA

Schifffahrtsexperten bezweifeln allerdings, dass die USA mit ihren Maßnahmen die Dominanz der chinesischen Werften brechen können. Es ist nicht zu erwarten, dass griechische Reeder jetzt ihre Aufträge in China stornieren und ihre Tanker und Containerschiffe in den USA bauen lassen. Weder die US-Werften noch Südkorea oder Japan haben derzeit die Kapazitäten, um China als größte Schiffsbaunation abzulösen.

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Analysten zufolge könnten die Strafgebühren den Transport eines Containers von Schanghai an die Westküste der USA je nach Schiffsgröße um 300 bis 500 US-Dollar verteuern. Das entspräche einem Aufschlag von 7,5 bis 12,5 Prozent auf die aktuellen Frachtraten.

Die Mehrkosten tragen die Charterer. Sie werden sie an die Importeure in den USA weitergeben, heißt es in Schifffahrtskreisen. „Letztlich sind das nichts anderes als neue Zölle“, sagt ein Branchenkenner in Piräus. „Bezahlen müssen sie am Ende die Verbraucher in den USA.“

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