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EnergiePanasonic steigt bei deutschem Start-up Tado ein

Der japanische Großkonzern investiert in eine Beteiligung an dem Heizungs-App-Spezialisten. Gemeinsam wollen sie groß skalieren. Wärmepumpen seien „weltweit die Heizlösung der Zukunft“.Axel Höpner 17.03.2025 - 06:31 Uhr Artikel anhören
Tado-App, Raumsensor, Wärmepumpe: Bereits jetzt kooperieren Panasonic und das Start-up im Heizsektor. Foto: Tado

München. Das deutsche Start-up Tado hat einen starken internationalen Konzern als Investor gefunden. Der japanische Elektronikhersteller Panasonic steigt mit 30 Millionen Euro bei dem Heizungs-App-Spezialisten ein. Die gemeinsame Kooperation bei Wärmepumpen soll nun stark ausgebaut werden. „Die Wärmepumpe ist weltweit die Heizlösung der Zukunft“, sagte Tado-Gründer Christian Deilmann dem Handelsblatt.

Tado und Panasonic hatten im vergangenen Jahr eine Kooperation verkündet: Die Software von Tado kann Wärmepumpen von Panasonic automatisch optimieren und steuern. Diese sollen im Idealfall zudem ihren Pufferspeicher füllen, wenn der Strom günstig ist. Die Partnerschaft ist nicht exklusiv, doch bieten die Japaner ihre Anlagen in Europa direkt mit der Tado-Steuerung an.

Europa sei ein wichtiger Markt für Panasonic, sagte Enrique Vilamitjana, Leiter von Panasonic Heating & Ventilation Air-Conditioning Europe, dem Handelsblatt. Der japanische Konzern habe hochmoderne Wärmepumpen. „Tado kann sie noch effizienter machen.“ Zudem werde die Tado-Steuerung in vielen Haushalten mit konventionellen Heizungen genutzt. Wenn diese auch auf Wärmepumpen umstellen, könne man gemeinsam Angebote für die Transformation machen.

Aktuell habe Tado rund eine Million Kunden. Wenn auch nur zehn Prozent derjenigen Haushalte, die noch konventionell heizen, auf eine Wärmepumpe umstellten, werde das ein attraktives Geschäft sein. Aktuell ist die Kooperation laut Deilmann in der Anlaufphase mit mehreren Hundert Kunden. „Wir wollen jetzt groß skalieren.“

Auf dem Weg zum „Einhorn“

Laut Branchenkreisen wurde Tado im Rahmen der Finanzierungsrunde mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag bewertet. Tado gehört zu den 50 am schnellsten wachsenden und einflussreichsten wagniskapitalfinanzierten Technologieunternehmen in Europa, meldet die Plattform Tech Tour, ein Zusammenschluss führender europäischer Kapitalgeber.

„Wenn Tado erst einmal ein Einhorn mit einer Milliardenbewertung ist, wäre der Einstieg für uns wahrscheinlich schwieriger geworden“, sagte Ryohei Ogawa, Strategie-Manager von Panasonic. Als Einhorn bezeichnet man ein Jungunternehmen mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Euro.

Eine Komplettübernahme ist laut Tado keine Überlegung gewesen. Tados Geschäftsmodell lebe schließlich davon, dass die Technologie offen für unterschiedliche Anbieter sei. Im vergangenen Jahr sind die Umsätze des Unternehmens laut Branchenschätzungen um etwa 25 Prozent gewachsen.

Christian Deilmann: Der Tado-Gründer will, dass das Geschäft mit Wärmepumpen mittelfristig einen höheren Umsatzanteil ausmacht. Foto: tado

Tado ist nicht das einzige Unternehmen mit einer App-Steuerung für Wärmepumpen. Der Produzent Stiebel Eltron etwa hat seine Geräte schon vor mehr als zehn Jahren an das Internet angeschlossen. Hauke Hagen, Leiter des Produktmanagements bei Stiebel, sagte: „Wir glauben nicht, dass Tado Wärmepumpen besser steuern kann als die Hersteller selbst.“

Tado-Gründer Deilmann hingegen verweist darauf, dass mit seiner App die Räume zum Beispiel auch einzeln angesteuert werden könnten. Kundinnen und Kunden müssen bislang einmalig einen sogenannten Heat Pump Optimizer für 249 Euro kaufen. Beim Kauf von Panasonic-Wärmepumpen können Kunden die Tado-Produkte direkt miterwerben und die Pumpe so optimiert betreiben.

Strom kaufen, wenn er gerade günstig ist

Tados Hauptprodukt ist eine intelligente Heizungs-App, zu der auch ein spezielles Heizkörperthermostat gehört. Das System kann zum Beispiel erkennen, wenn ein Nutzer etwa seinen Arbeitsplatz verlässt und nach Hause fährt, und die Wohnung vorheizen. Über die Ortungsfunktion im Handy weiß die Steuerung, wenn ein Bewohner einen Raum oder das Haus wieder verlässt.

Es braucht von der Politik Planbarkeit für unternehmerische Entscheidungen und die verfügbaren Subventionen.
Enrique Vilamitjana
Manager bei Panasonic

Zudem bietet das Unternehmen dynamische Stromtarife an. Dafür hatte das Münchener Start-up Anfang 2022 die österreichische Firma Awattar übernommen, einen Spezialisten für die Flexibilitätsvermarktung von Strom. Mithilfe der IT-Plattform aus Wien sollen die Tado-Nutzer zum Beispiel ihr Elektroauto oder den Pufferspeicher der Wärmepumpe genau dann aufladen, wenn der Strom besonders günstig ist, weil zum Beispiel viel Wind- oder Sonnenenergie in das Netz eingespeist wird. In Phasen, in denen der Strom sehr teuer ist, kann der Ladevorgang unterbrochen werden.

Diese flexiblen Tarife sollen nun bei der Wärmepumpensteuerung zum Einsatz kommen. Auf längere Sicht will Tado so seine eigene Energiewende gestalten: Aktuell machen die Umsätze mit der Steuerung von fossilen Heizungen noch 90 Prozent des Geschäfts aus, die Wärmepumpen zehn Prozent. „Das wird eines Tages auch bei uns umgekehrt sein“, sagt Deilmann.

227.000
Förderanträge
sind im vergangenen Jahr bei der KfW eingegangen, die meisten für den Einbau von Wärmepumpen.

Die Wärmepumpe sei in den meisten Fällen die effizienteste Lösung, sagte Panasonic-Manager Vilamitjana. „Es braucht aber von der Politik einen verlässlichen regulatorischen Rahmen und vor allem auch Planbarkeit für unternehmerische Entscheidungen und die verfügbaren Subventionen.“

In der Vergangenheit habe es Verunsicherung bei den Verbrauchern gegeben. Der Sektor sei 2021 und 2022 womöglich etwas zu schnell gewachsen, die Folgejahre seien dann herausfordernd gewesen. „Aber jetzt zieht der Markt wieder an.“ Wärmepumpen seien auf längere Sicht ein stabiler Wachstumsmarkt.

Fortführung der Förderung ist unklar

Wärmepumpen, die mit Strom betrieben werden, seien nicht nur wirtschaftlicher, sagte Vilamitjana. „Sie sind auch eine Chance für Europa, unabhängiger in der Energieversorgung zu werden, da sie eben nicht auf Öl und Gas angewiesen sind.“

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In Deutschland können Eigentümer bestehender Einfamilienhäuser, die diese selbst bewohnen, seit gut einem Jahr staatliches Fördergeld für den Austausch alter Gas- und Ölheizungen gegen erneuerbare Alternativen beantragen. Seit Mai 2024 gilt das auch für private Eigentümerinnen und Eigentümer von Mehrfamilienhäusern – also Vermieter – sowie für Wohnungseigentümergemeinschaften etwa mit Zentralheizung.

Laut amtierender Bundesregierung hat es allein seit Januar dieses Jahres 35.800 Anträge auf diese Fördergelder gegeben, die meisten davon zum Einbau einer Wärmepumpe. Im vergangenen Jahr seien insgesamt 227.000 Anträge bei der zuständigen Förderbank KfW eingegangen. Nun muss die Branche aber abwarten, wie es unter der neuen Bundesregierung weitergeht.

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