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ZollstreitChinas Exporte steigen dank Hamsterkäufen um 12,4 Prozent

Die Ausfuhren aus China in die USA dürften aufgrund der Zölle ab April allerdings einbrechen. Damit wackelt eine wichtige Stütze der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.Sabine Gusbeth 14.04.2025 - 05:39 Uhr Artikel anhören
Container der chinesischen Reederei Cosco Shipping: Experten erwarten, dass der Zollkrieg der USA Chinas Wachstum stark belastet. Foto: dpa

Peking. Chinas Ausfuhren sind im März um 12,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das gab das chinesische Zollamt am Montag bekannt. Der Anstieg dürfte in erster Linie auf Hamsterkäufe zurückzuführen sein.

Aus Sorge vor höheren Zöllen hatten viele Unternehmen in den vergangenen Monaten ihre Lager aufgefüllt. Im März hatten chinesische Unternehmen noch Waren im Wert von umgerechnet 40 Milliarden US-Dollar in die USA exportiert, ein Anstieg von 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Diese Sondernachfrage dürfte im April aufgrund der hohen Zölle jedoch in vielen Branchen abrupt enden.

Im April eskalierte der Zollstreit zwischen den USA und China. Sie erhöhten die gegenseitigen Zölle immer weiter. Inzwischen werden auf chinesische Einfuhren in die USA 145 Prozent erhoben. China schlägt auf US-Importe 125 Prozent auf.

Allerdings hatte die US-Zollbehörde am Freitag überraschend weitreichende Ausnahmen für den Import von Elektronikprodukten wie Smartphones und Laptops sowie für Festplatten und Halbleiter angekündigt. Diese Aussagen wurden allerdings am Sonntag von der US-Regierung wieder relativiert, von US-Präsident Donald Trump sogar negiert.

Niemand werde „vom Haken gelassen“, schrieb Trump auf seiner sozialen Medienplattform Truth Social. Er kündigte dort an, die US-Regierung werde sich „die Halbleiter und die gesamte Elektronik-Lieferkette im Rahmen der bevorstehenden nationalen Sicherheitsuntersuchungen zu den Zöllen ansehen“.

Im Laufe dieser Woche will Trump indes die Höhe der Zölle auf importierte Halbleiter bekannt geben. Für einige Unternehmen müsse es dabei Flexibilität geben, sagt er wiederum vor Journalisten auf dem Rückflug nach Washington an Bord der Air Force One am Sonntagabend (Ortszeit).

Nach den Ankündigungen vom Freitag sollte auf Elektronikprodukte nur noch ein Zoll von 20 Prozent gelten. Die Ausnahmen würden US-Tech-Konzernen wie Apple helfen, die viele Produkte in China herstellen lassen. Einer Analyse der US-Investmentbank Citigroup zufolge beträfen diese Ausnahmen Waren im Wert von 100 Milliarden Dollar - das macht mehr als ein Fünftel der gesamten US-Einfuhren aus China im vergangenen Jahr aus.

Smartphones und Laptops zählen volumenmäßig zu den wichtigsten chinesischen Exporten in die USA, wie aus Daten der chinesischen Zollbehörde hervorgeht. Die Ausnahmen hätten ausgesehen wie „ein deutlicher Rückzug der USA im Handelskrieg zwischen den USA und China“, kommentierte Gerard DiPippo, China-Experte des US-Thinktanks Rand. Sie würden das Risiko eines Einbruchs der Importe aus China in diesen wichtigen Kategorien verringern.

China will Zölle nicht weiter erhöhen

Chinas Staatsführung hatte am Freitag angekündigt, die Zölle nicht weiter zu erhöhen, unabhängig von der Reaktion der US-Regierung. Die Begründung: Bei der derzeitigen Höhe der Zölle gebe es „keine Marktakzeptanz" für US-Importe in China. Dasselbe gilt allerdings auch für die meisten chinesischen Importe in die USA. Angesichts der Unsicherheit infolge der Zölle hatten viele chinesische Firmen ihre Ausfuhren in die USA zuletzt gestoppt.

Kommentar

Für China sind Zölle von 145 Prozent nicht schlimmer als von 34 Prozent

Sabine Gusbeth

Angesichts der hohen Zölle bricht für viele Unternehmen aus der Volksrepublik der wichtigste Absatzmarkt de facto weg. Im vergangenen Jahr hatten chinesische Hersteller Waren im Wert von umgerechnet 525 Milliarden US-Dollar in die USA exportiert, allen voran Elektronikprodukte wie Smartphones und Computer, aber auch Kleidung, Möbel, Spielzeug sowie Metallerzeugnisse.

Die US-Zölle treffen mit der Exportwirtschaft die wichtigste Konjunkturstütze der chinesischen Volkswirtschaft. Denn der Binnenkonsum hat sich nach dem Ende der Corona-Pandemie langsamer erholt als von vielen erhofft.

In einem Handelskrieg gibt es keine Gewinner.
Xi Jinping
chinesischer Staatschef

Das zeigen auch die am Samstag veröffentlichen Importzahlen. So fielen die Einfuhren erneut um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Chinas Handelsüberschuss belief sich in den ersten drei Monaten damit auf mehr als 608 Billionen Renminbi, umgerechnet mehr als 84 Milliarden US-Dollar. Dies wird von vielen Handelspartnern kritisch gesehen.

Sie fürchten, dass ihre Märkte von chinesischen Exporten überschwemmt werden und diese lokale Unternehmen aus dem Markt drängen. Der eskalierende Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt erhöht diese Sorge.

China umwirbt andere Handelspartner

Die Staatsführung in Peking bemüht sich, ihr Verhältnis zu anderen Handelspartnern zu verbessern. Am Freitag hatte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping den spanischen Regierungschef Pedro Sánchez empfangen. Dabei forderte er, die EU solle sich gemeinsam mit China dafür einsetzen, das internationale Handelssystem zu schützen.

In einem Handelskrieg gebe es „keine Gewinner“, sagte Xi laut offizieller Mitteilung des Außenministeriums. Am Montag reiste Xi zum Staatsbesuch nach Vietnam, im Laufe der Woche folgen Malaysia und Kambodscha.

Pedro Sánchez (links), Xi Jinping: Der chinesische Staatsführer und der Regierungschef Spaniens trafen sich am Freitag in Peking. Foto: / laif

Chinesische Unternehmen produzieren deutlich mehr, als auf dem heimischen Markt nachgefragt wird. Die Dimension der Überkapazitäten zeigen Zahlen der Vereinten Nationen (UN): Fast jede dritte weltweit produzierte Ware stammt aus der Volksrepublik. Gleichzeitig entfallen nur 13 Prozent der globalen Nachfrage auf das Land mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern.

Die Abschottung eines der wichtigsten Exportmärkte des Landes trifft China daher in besonderem Maße. So steigt nicht nur der Druck auf die Exporteure des Landes, ihre Waren in andere Weltregierungen zu liefern. Es dürfte auch die Preise in der Volksrepublik weiter drücken – und damit die Gefahr einer Deflation erhöhen.

Handelskrieg

Der Zollstreit mit den USA verschärft Chinas Deflationsproblem

Bereits seit 30 Monaten fallen die Fabrikpreise in China, wie die Statistikbehörde NBS am Donnerstag bekannt gegeben hatte. Auch die Verbraucherpreise sanken den zweiten Monat in Folge.

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Die meisten Ökonomen halten Deflation langfristig für volkswirtschaftlich gefährlicher als Inflation, also ein steigendes Preisniveau. Denn in Erwartung sinkender Preise verschieben Unternehmen und Verbraucher Investitionen. Das bremst das Wachstum.

Die Staatsführung hat für 2025 das Ziel ausgegeben, dass Chinas Wirtschaft, wie schon im vergangenen Jahr, um rund fünf Prozent wachsen soll. Experten gehen davon aus, dass die hohen Zölle das Wachstum jedoch halbieren könnten. Darüber hinaus bestehen an den offiziellen Daten ohnehin Zweifel.

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