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US-ZölleProduktion in die USA verlagern? Das geht nur mit mehr Robotern

Die Trump-Zölle als Chance: Die deutsche Automatisierungsbranche könnte davon profitieren, wenn vermehrt Fabriken in den USA gebaut werden. Doch gibt es dabei ein großes Problem.Axel Höpner 16.04.2025 - 04:11 Uhr Artikel anhören
Transportroboter in einem Hyundai-Werk in den USA: Neue Fabriken sind nur mit viel Automatisierung denkbar. Foto: Mike Stewart/AP/dpa

München. US-Präsident Donald Trump will mit seinen jüngst beschlossenen Zöllen auch Industrieproduktion zurück in die USA holen. Doch ist das gar nicht so einfach: Angesichts von Fachkräftemangel, hohen Personalkosten und Qualitätsanforderungen sei eine Reindustrialisierung ohne moderne Automation nicht denkbar, sagte Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer VDMA Robotik + Automation, dem Handelsblatt. „Sonst ist man nicht wettbewerbsfähig.“

Er sieht darin eine Chance: „Wenn viele neue Fabriken in den USA gebaut werden, könnte das einen Boost für die Robotikbranche bringen.“ Den großen Aufschwung will die Branche aber nicht ausrufen. Denn Experten bescheinigen dem US-Automatisierungsmarkt schon länger gutes Wachstumspotenzial.

So prognostizierten die Analysten von Grand View Research, dass der Markt für industrielle Automatisierungstechnik in den USA bis 2030 im Schnitt jährlich um zehn Prozent auf 85 Milliarden US-Dollar wächst.

Doch wurde die Studie vor dem Zoll-Chaos veröffentlicht. „Das erratische Verhalten der US-Regierung ist Gift für Investitionen“, sagt Schwarzkopf. So hat Trump die Zölle, die er auch als Druckmittel nutzt, teilweise wieder ausgesetzt – aber nur für 90 Tage.

Da völlig unklar sei, ob die Zölle bleiben oder nur Verhandlungsmasse seien, zögerten viele Unternehmen, Produktion in die USA zu verlagern, sagte Schwarzkopf.  Vor der Wahl seien viele Firmen in den Startlöchern gestanden. „Doch jetzt ist die Unsicherheit zu groß.“

Die deutschen Anbieter rechnen mit Einbußen

Auch Ifo-Präsident Clemens Fuest sagte der „Zeit“, die Investitionstheorie besage: „Je größer die Unsicherheit, desto höher der Wert des Wartens.“ Unternehmen würden aktuell ihre Investitionen zurückhalten. Kurzfristig werde es daher keinen Investitionsboom geben. „Und ich bezweifle auch, dass er langfristig kommt.“

Die Branche könnte neue Impulse gut gebrauchen. Im vergangenen Jahr sanken die Erlöse der deutschen Hersteller mit Robotik, Montageanlagen und Bildverarbeitung um sechs Prozent auf 15,2 Milliarden Euro. Die Prognose ist sogar noch düsterer.

Im laufenden Jahr stellt sich die Branche auf einen weiteren Einbruch um neun Prozent auf 13,8 Milliarden Euro ein. „Die europäische Konjunkturzone schwächelt, und damit sinkt die Investitionsbereitschaft der Unternehmen“, sagte EY-Parthenon-Partner und Branchenexperte Johannes Zuberer.

Der VDMA Robotik + Automation bleibt angesichts der vielen offenen Fragen trotz der Hoffnung auf neue Werke erst einmal beim negativen Ausblick für 2025. „Wir sehen noch keine Impulse im Auftragseingang“, sagte Schwarzkopf. Selbst wenn es in den nächsten Monaten mehr Klarheit geben sollte, werde es einige Zeit dauern, bis sich dies in den Zahlen niederschlage.

In Sachen Automatisierung gibt es in den USA aber auch in bestehenden Fabriken Nachholbedarf. Zwar waren die Vereinigten Staaten zuletzt hinter China und Südkorea laut Zahlen des Branchenverbands IFR der drittgrößte Robotikmarkt. Doch in Sachen Roboterdichte liegen die USA weltweit mit 295 Industrierobotern pro 10.000 Beschäftigten nur auf Platz elf. In Südkorea sind es mehr als 1000.

Sollten nun auch für neue Fabriken Roboter installiert werden, kommt ein weiteres Problem hinzu: In den USA werden kaum Roboter hergestellt. Diese müssten also eingeführt werden. „Die müsste man eigentlich von den Zöllen ausnehmen“, sagt Schwarzkopf.

Zudem wird in vielen Branchen selbst ein höherer Automatisierungsgrad nicht dafür sorgen, dass mehr in den USA produziert wird. Beispiel Sportartikelindustrie: Die Hersteller lassen derzeit den allergrößten Teil ihrer Turnschuhe in Asien fertigen.

Auch Nike importiert seine Turnschuhe

Denn günstige Modelle lassen sich in hohen Stückzahlen auch bei hoher Automatisierung weder in Europa noch in den USA zu wettbewerbsfähigen Kosten herstellen. Die Ladenpreise müssten deutlich erhöht werden. Zudem fehlt das Ökosystem an Zulieferern.

Beispiel AdidasDer Dax-Konzern hat nur noch eine kleine Fertigung in Europa, im fränkischen Scheinfeld. Täglich werden hier mit nur 15 Mitarbeitern pro Schicht etwa 2500 Paar vor allem des Fußballschuhs Copa Mundial produziert. So erhält sich Adidas eigenes Know-how für Fertigung und Entwicklung.

„Der Zug ist abgefahren, niemand wird mehr eine Schuhproduktion in Deutschland oder den USA aufmachen“, sagt Klaus Jost, Branchenkenner und ehemaliger Präsident des Sporthändlerverbunds Intersport International. Trumps Zollpolitik schade daher fast allen Anbietern, auch dem Weltmarktführer Nike mit Sitz im US-Bundesstaat Oregon.

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Das sieht VDMA-Geschäftsführer Schwarzkopf genauso: „Ich glaube nicht, dass Nike Schuhe in den USA produzieren wird.“ Falls es bei den hohen Zöllen bleibe, „kann man irgendwann keine bezahlbaren Schuhe in den USA mehr kaufen“. Schon wegen seiner Größe und seines Potenzials bleibe der US-Markt für die Automations- und Robotikbranche interessant.

Ein Handelskrieg könne jedoch dazu führen, dass vermehrt Produktion in der Heimat aufgebaut werde. Schließlich exportiere zum Beispiel BMW derzeit auch viele Autos aus den USA nach Europa – denen nun auch höhere Zölle drohten. Allerdings müssten die Rahmenbedingungen stimmen. „Europa muss an seiner Wettbewerbsfähigkeit arbeiten, und Deutschland ganz besonders.“ Dies reiche von den Investitionsbedingungen bis hin zu besseren Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups.

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