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HandelskonfliktTrumps hohe Zölle gegen Vietnam bedrohen Lieferketten

Kaum ein Land wird von den Zollplänen des US-Präsidenten so hart getroffen. Das setzt internationale Konzerne unter Druck, die mithilfe von Vietnam unabhängiger von China werden wollten.Mathias Peer, Joachim Hofer 03.04.2025 - 17:16 Uhr Artikel anhören
Näher und Näherinnen in Vietnam: Bekleidung für den Export. Foto: AFP

Bangkok. Bei der Verkündung seiner sogenannten reziproken Zölle hat US-Präsident Donald Trump Vietnam mit einem der höchsten Zollsätze belegt, die die USA von ihren Handelspartnern künftig erheben wollen. Ab kommender Woche fällt für sämtliche US-Importe aus dem südostasiatischen Schwellenland ein Aufschlag von 46 Prozent an.

Das trifft die vietnamesische Wirtschaft hart, aber auch zahlreiche internationale Konzerne, die in Vietnam produzieren und von dort in die USA liefern. Mit einem Minus von rund zehn Prozent war die Adidas-Aktie am Donnerstag der mit Abstand größte Verlierer im Dax. Im MDax verlor Puma ebenfalls rund zehn Prozent an Wert. Der Kurs von Weltmarktführer Nike rutschte in New York zeitweise um mehr als 12 Prozent ab. Nike produziert rund die Hälfte seiner Schuhe in dem Land, Adidas 39 Prozent.

Die neuen US-Importzölle seien härter als ursprünglich von ihm erwartet, insbesondere für Sportartikelhersteller mit Produktion in Südostasien, urteilte RBC-Analyst Piral Dadhania am Donnerstag. Für Puma und Nike sieht er wegen des höheren Umsatzanteils in den USA und niedrigeren Bruttomargen höhere Risiken als bei Adidas. Es sei nun zu erwarten, dass die Hersteller die Preise erhöhen, mit Zulieferern neu verhandeln und auch Mehrkosten übernehmen.

Anteil von Vietnam an Adidas-Produktion ist gestiegen

Für Vietnam droht mit den Zöllen die Grundlage des Wirtschaftsbooms der vergangenen Jahre wegzubrechen: Das rund 100 Millionen Einwohner große Land stieg bei internationalen Konzernen zuletzt zur wichtigsten China-Alternative in Asien auf – und präsentierte sich Fabrikbetreibern als Zufluchtsort, um einem Handelskrieg zwischen den USA und China zu entgehen.

Der Anteil von Vietnam an der Adidas-Produktion ist vergangenes Jahr um einen Prozentpunkt auf 27 Prozent gestiegen. Die Anteile von China mit 16 Prozent und Indonesien mit 19 Prozent blieben laut Geschäftsbericht unverändert. In China fertigt Adidas inzwischen vor allem für den lokalen Bedarf.

Auch Elektronikhersteller wie Apple und Samsung werden von den neuen Zöllen getroffen: Apple hat in den vergangenen Jahren Teile seiner iPad- und Airpod-Produktion nach Vietnam verlegt, um von China unabhängiger zu werden. Samsung produziert den Großteil seiner Mobiltelefone in dem Land. Doch nun muss Vietnam um seine Wettbewerbsfähigkeit bangen.

Das Engagement der internationalen Konzerne trug zu einem Exportboom in Vietnam bei, der das Land mit einer Wachstumsrate von 7,1 Prozent im vergangenen Jahr zu einer der dynamischsten Volkswirtschaften der Region machte. Für die US-Wirtschaft wurde Vietnam zum sechstwichtigsten Lieferanten.

Mit rund 140 Milliarden Dollar lag das Volumen der Exporte in die USA im vergangenen Jahr rund drei Mal so hoch wie noch im Jahr 2017. Der Wert der Lieferungen entspricht rund 30 Prozent der gesamten vietnamesischen Wirtschaftsleistung – für keinen anderen führenden Handelspartner der Amerikaner ist der US-Markt ähnlich wichtig wie für Vietnam.

Doch die Erfolge im Exportgeschäft werden für das Land nun zur Last. Denn mit dem Aufstieg der vietnamesischen Fabriken in den Lieferketten wuchs auch das US-Handelsbilanzdefizit mit dem Land, das die Trump-Regierung offenbar bei der Berechnung ihrer Strafzölle als zentrales Kriterium heranzog. Es lag 2024 bei mehr als 120 Milliarden Dollar – nur China und Mexiko erreichten noch höhere Werte.

Um sich trotz des hohen Defizits die Gunst von Präsident Trump zu sichern, hatte Vietnams Regierung kaum etwas unversucht gelassen. Das südostasiatische Schwellenland senkte in den vergangenen Tagen die Zölle auf Autos und Agrarprodukte aus den USA und versprach den Kauf von Flüssiggas und Flugzeugen aus Amerika in großen Mengen. Regierungschef Pham Minh Chinh sicherte sogar persönlich zu, den geplanten Bau eines Trump-Golfplatzes in seinem Land zu beschleunigen.

Vietnams Börse bricht ein

Als Reaktion auf die Zollankündigung berief Vietnams Regierung am Donnerstag laut Staatsmedien eine Dringlichkeitssitzung ein. Premierminister Chinh setzte eine Taskforce ein, die sich um eine Reaktion kümmern sollte. An dem angepeilten Wirtschaftswachstum von acht Prozent in diesem Jahr will der Ministerpräsident nach Regierungsangaben jedoch festhalten.

Deutlich pessimistischer reagierten die Finanzmärkte. Der Leitindex an der Börse des Landes brach am Donnerstag um knapp sieben Prozent ein. Ökonomen warnten vor einem schweren Rückschlag: „Das ist für Vietnam verheerend“, kommentierte Trinh Nguyen, Volkswirtin der Investmentbank Natixis, die Zölle. Diese würden nicht nur die Unternehmen treffen, die derzeit in dem Land aktiv seien, sondern auch künftige Investitionen in Vietnam infrage stellen, fügte sie hinzu.

Dunkle Wolken über Hanoi: Die vietnamesische Wirtschaft dürfte schwer getroffen werden. Foto: AFP

Vo Tri Thanh, früher stellvertretender Chef des Vietnam Institute for Economic Management, sprach nach Trumps Ankündigung von einem Schock. „Dieser wird Vietnams Wirtschaft negativ treffen“, prognostizierte er. Ein Verband vietnamesischer Textilhersteller warnte, dass vielen Unternehmen nun die Schließung drohe, was zum Verlust Tausender Arbeitsplätze führen könnte.

Auch andere Länder in Süd- und Südostasien wurden von Trump mit hohen Zöllen belegt, allerdings mit niedrigeren Sätzen. Für Indien, das mit den USA derzeit über ein Handelsabkommen verhandelt, gilt künftig ein 27-Prozent-Zoll. Die Exporteursvereinigung FIEO zeigte sich dennoch optimistisch, im internationalen Wettbewerb bestehen zu können: „Unsere Konkurrenten wie Vietnam und Kambodscha wurden härter als wir getroffen“, teilte Verbandschef Ajay Sahai mit.

Zölle treffen mehrere der ärmsten Länder Asiens

Kambodscha wurde mit einem Zoll von 49 Prozent belegt, auf Waren aus dem benachbarten Laos fallen künftig 48 Prozent an. Die beiden Länder gehören zu den ärmsten Staaten Asiens und sehen sich nun mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Für Kambodschas Wirtschaft waren die USA bislang der wichtigste Absatzmarkt.

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Auch Thailand, das wie Vietnam bislang von der Verlagerung der Lieferketten profitiert hatte, muss mit Einbußen im US-Geschäft rechnen. Für das Land, dessen Exporte nach Amerika rund einem Zehntel der Wirtschaftsleistung entsprechen, gilt künftig ein US-Zoll von 37 Prozent.

Die Regierung in Bangkok hatte lediglich mit einem Bruchteil gerechnet. Regierungschefin Paetongtarn Shinawatra hofft, Trump von seinen Plänen noch abbringen zu können. „Wir müssen jetzt verhandeln“, sagte sie. „Wir können nicht zulassen, dass das unsere Wachstumspläne durchkreuzt.“

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