Essay: Keine Schonfrist – für Merz geht es gleich um alles
Berlin. Der Zufall will es so, dass an jenem Tag, an dem Union und SPD ihren Koalitionsvertrag besiegeln, die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung eine Gruppe asiatischer Journalisten durch das Berliner Regierungsviertel führt. Es ging früh los, abends sitzen die Besucher aus Taiwan, Malaysia und von den Philippinen in einem Spätzle-Restaurant.
Vor allem eine Frage beschäftigt sie: Was wird die neue Bundesregierung tun, um den Demokratien in Asien gegen autoritäre Mächte beizustehen? „Wir suchen neue Freunde“, sagt eine malaysische Chefredakteurin.
Vielleicht hilft diese Perspektive, um besser einzuordnen, was außerhalb der Berliner Blase, die sich wochenlang mit Wasserstandsmeldungen aus den Koalitionsgesprächen beschäftigt hat, gerade geschieht. Und um was es jetzt geht. Für Friedrich Merz, den künftigen Kanzler, seine Koalition, das Land.
Seit den Gründungsjahren der Republik hat es keine Regierung mehr gegeben, die in einer so ernsten Lage ihr Amt antreten musste. Donald Trumps Kapriolen gefährden unseren Wohlstand, die russische Armee bedroht unsere Sicherheit. Eine Epoche endet, und etwas Neues beginnt, etwas Unbekanntes, Bedrohliches, aber auch etwas, das offen ist für politische Gestaltung.