Venture-Capital: „Wir brauchen eine neue Investmentkultur“
Frankfurt. Herr Lange, wenn es um die Finanzierung von Innovationen und Start-ups geht, ist Deutschland nach Meinung vieler Experten noch immer ein Entwicklungsland. Der Staat versucht mit verschiedenen Initiativen gegenzusteuern. Reicht das?
Nein. Vom Staat kommen zu wenig echte Impulse. Doch der Appell, aktiv zu werden, gilt nicht nur für den Staat, sondern auch für die Privatwirtschaft.
Was kann die besser machen?
Deutsche Investoren halten sich im internationalen Vergleich bei Investitionen in Innovation und Start-ups zurück. In den USA liegen die Investitionen pro Kopf um den Faktor zehn höher. Wir brauchen also dringend mehr mutige Investoren, die Wachstumskapital für KI-Start-ups und andere junge Unternehmen zur Verfügung stellen. Wenn wir beim Beispiel KI bleiben: In den USA wurden in diesen Bereich in den vergangenen fünf Jahren 470 Milliarden US-Dollar investiert, in Deutschland waren es 30 Milliarden. Die Gleichung ist simpel: Wenn die Investments nicht fließen, können keine jungen Firmen entstehen.
Die wohlhabenden Deutschen sind also zu konservativ für diese Investitionen?
Da schließe ich mich gerne Antonio Krüger an, dem Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz: „Die größten transatlantischen Unterschiede bei der Entwicklung und Nutzung von KI-Innovationen sind weder Talent noch Technologie, sondern die Erfolge der amerikanischen Investitionskultur.“