Deutschland: „Diskutieren wir ernsthaft, ob die Leute nicht mehr Fleisch essen sollen?“
Düsseldorf. Herr Deutschmann, kennen Sie das Gefühl der Überforderung angesichts der Vielzahl der Krisen in der Welt?
Klar, wie wohl die meisten Menschen. Ich kenne das auch über meine Mutter, die in einer Apotheke arbeitet, wo sie diese Krisen wie unter einem Brennglas erlebt. Weihnachten 2022 beschrieb sie mir, wie dort Lieferungen ausblieben, das Coronavirus den Alltag prägte, man nur noch dabei war, Probleme zu lösen. Es sei nicht leicht, in all dem Chaos ein wenig Ruhe zu finden, sagte sie. Ihre Erfahrung steht exemplarisch für etwas, das damals viele gespürt haben und das seitdem kaum besser geworden ist: Die Verhältnisse sind erschüttert.
Woran machen Sie das fest?
Wir leben in einer Exponentialgesellschaft, die an ihre Grenzen stößt und vor dem Problem der Stabilisierung steht. Daraus ergeben sich schwerwiegende Spannungen und Konflikte.
Nämlich?
Ich habe mir weltweit von der Pandemie über die Klima- und Artenkrise bis zu wirtschaftlichen Verwerfungen Daten aus sechs Bereichen angeschaut. Das Ergebnis ist: Nachdem es über Jahrzehnte in diesen Bereichen oft gut gelaufen ist, wachsen seit einigen Jahren die Probleme exponentiell. Und das überfordert viele Menschen.