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TECHWie die Industrie die aktuelle „Explosion an Innovation“ managt

KI ändert alles: Deutschlands Industrieunternehmen stecken mitten in einer herausfordernden Transformation. Doch wie sollte die Industrie am Ende aussehen? Was ist die Fabrik der Zukunft?Joachim Hofer, Martin-W. Buchenau, Nicole Bastian und Ina Karabasz 27.05.2025 - 17:12 Uhr Artikel anhören
Mercedes-Produktionsvorstand Jörg Burzer auf der TECH: „Wir haben jeden Schritt der Produktion digitalisiert.“ Foto: Marc-Steffen Unger

Heilbronn. KI leite nicht nur eine weitere Technologiewelle ein, sagt die renommierte Innovationsökonomin Francesca Bria: „KI ist eine neue Kraft, die das gesamte globale Industriesystem neu ordnet“, erklärt sie im Gespräch mit dem Handelsblatt. Es gehe darum, eine eindeutig europäische Antwort zu formulieren, „die mit unseren Werten, unserem demokratischen Modell und unseren industriellen Stärken im Einklang steht“.

Wie genau diese Antwort aussehen könnte, haben zahlreiche Managerinnen und Manager in den vergangenen zwei Tagen bei der TECH in Heilbronn diskutiert, einer Initiative von Handelsblatt Media Group und Schwarz Digits.

So sagte Cedrik Neike, Industrievorstand bei Siemens, die Fabrik der Zukunft werde „sich selbst fahren.“ Was er meint: Roboter, teils gesteuert von Künstlicher Intelligenz. „KI verbindet alle Teile der Produktion“, erläuterte Bastian Nominacher, Co-Gründer und Co-Chef des Münchener Software-Unternehmens Celonis. Die Daten dafür seien da.

Die Produktionsstätten weltweit verändern sich so schnell wie nie. „Es gibt eine Explosion an Innovationen“, sagt Jörg Burzer, Produktionsvorstand des Autoherstellers Mercedes-Benz. „Wir haben jeden Schritt der Produktion digitalisiert.“ Das sei die Basis. „Jetzt rollen wir KI aus, damit sie überall genutzt werden kann.“ Auch humanoide Roboter würden bereits in Fabriken integriert, so Burzer.

Allerdings rechnet er bei den anstehenden Veränderungen nicht mit menschenleeren Hallen. Wichtig sei nur, dass die Fabriken flexibel seien, betont Siemens-Vorstand Neike. Als Beispiel nennt er die mehr als 30 Jahre alte Elektronikfabrik des Konzerns im bayerischen Amberg. Mit derselben Zahl an Beschäftigten würden dort heute mehr als 200 Produkte gefertigt.  „60 Prozent unserer Fabriken ändern sich jedes Jahr“, erklärt der Manager.

„Wir müssen das Tempo mitgehen“

Die Flexibilisierung und Automatisierung sei auch angesichts des demografischen Wandels und des damit einhergehenden Fachkräftemangels in Europa eine klare Notwendigkeit: „Wir haben gar keine andere Wahl.“ Zumal darin Neike zufolge auch eine große Chance steckt: „Wenn wir das hier können, dann können wir es überall auf der Welt.“

Siemens-Vorstand Cedrik Neike auf der TECH: Die Fabrik der Zukunft werde „sich selbst fahren“. Foto: Marc-Steffe Unger

„Wir müssen auf allen Märkten der Welt das jeweilige Tempo mitgehen“, erklärte Bosch-CEO Stefan Hartung. Beim automatisierten Fahren kämen derzeit die Impulse aus China.

Dort seien die Kunden besonders offen für neue Technologien und auch bereit, dafür mehr Geld auszugeben. „Diesen Trend werden wir dann auch in den USA sehen und danach in Europa. Wir müssen in China heute schon wettbewerbsfähig sein, um uns für die Zukunft zu wappnen, und genau das ist unser Ziel bei Bosch.“

Bosch-Chef Stefan Hartung auf der TECH: „Wir müssen in China heute schon wettbewerbsfähig sein, um uns für die Zukunft zu wappnen.“ Foto: Marc-Steffen Unger

Siemens arbeitet derzeit an vielen kleinen, weltweit verteilten Fabriken, um den Logistikaufwand zu verringern. Das sei auch wegen der geopolitischen Verwerfungen wichtig. Damit diese kleineren Fabriken profitabel arbeiten können, müssten sie bei den Produktionsprozessen flexibel sein – und das gehe nur mit Daten und KI.

Potenzial wird nicht genutzt

„Jede erfolgreiche Firma wird eine datengetriebene Firma sein“, sagt auch Helmut Ahr, Chef der Beratungsgesellschaft Horváth, auf der TECH. Der kritische Erfolgsfaktor sei, die richtigen Daten zur Hand zu haben. Das kann Stephanie Holdt, Finanzchefin des Anlagenbauers Voith, bestätigen. So müssten die Daten unbedingt aufbereitet werden, um sie sinnvoll zu nutzen.

Elke Reichart, Chief Digital and Sustainability Officer bei Infineon, erklärte, der Dax-Konzern arbeite mit dem deutschen Start-up Aleph Alpha an KI-Assistenten für die Produktion. Es gehe darum, Fehler in der hochkomplexen Fertigung zu finden.

Infineon-Managerin Elke Reichart (l.) diskutierte auf der TECH in Heilbronn unter anderem mit Voith-Finanzchefin Stephanie Holdt. Foto: Marc-Steffen Unger

Doch sind derlei Beispiele in Deutschland noch selten. Eine aktuelle Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 552 Industrieunternehmen zeigt: Nur 24 Prozent glauben selber daran, dass sie die Potenziale von KI gut nutzen. 72 Prozent sehen sich der Umfrage zufolge derzeit noch nicht imstande, die Möglichkeiten zu nutzen.

Dabei braucht die deutsche Industrie dringend eine Erneuerung. Laut einer Horváth-Umfrage befinden sich derzeit neun von zehn Unternehmen aus der produzierenden Industrie in Deutschland entweder in einem Restrukturierungsverfahren oder in einem Transformationsprozess.

Vielleicht muss Europa seine Antwort auf die Umbrüche durch KI auch gar nicht allein finden. Das merkte etwa Omran Sharaf an, stellvertretender Minister für fortgeschrittene Wissenschaft und Technologie im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten der Vereinigten Arabischen Emirate.

Auf der TECH sei häufig von Souveränität die Rede gewesen – doch damit lasse sich kein Geschäft vereinbaren. „Es wurde viel über Europa diskutiert, aber nicht genug darüber, wie Europa mit seinen Partnern zusammenarbeiten kann.“

Omran Sharaf: Europa soll sich stärker in das globale System integrieren, forderte der stellvertretende Minister aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Foto: Handelsblatt / Foto Vogt GmbH
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Der Kontinent müsse sich stärker in das globale System integrieren. Die Emirate setzten auf verlässliche Partner, unabhängig davon, ob sie aus Europa, den USA oder anderen Weltregionen stammen.

Auch Lei Berners-Wu, Managerin bei Rolls-Royce Powersystem, sagte, souveräne Industrie in Europa heißt nicht, dass sie nicht von China aus beliefert werden könne. Europa könne etwa vom „China Speed“ und Know-how profitieren, auch beim Aufbau seiner Industrie der Zukunft. Das ginge auch über Kooperationen.

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