Kommentar: Auf markige Ansagen muss der Kanzler Taten folgen lassen

Im Wahlkampf war dem damaligen Oppositionschef Friedrich Merz immer wieder vorgeworfen worden, zu impulsiv zu sein. Doch als Bundeskanzler scheint Merz diese Risikobereitschaft in einen strategischen Vorteil umzuwandeln: Überraschend scharf hat sich der CDU-Chef diese Woche zu Israels Vorgehen im Gazakrieg geäußert. Überrascht wurde die Öffentlichkeit auch von seiner Aussage, die Reichenweitenbeschränkung für Waffen in der Ukraine aufzuheben.
Beide Akzente hat der Bundeskanzler bewusst gesetzt. Während sein Vorgänger Olaf Scholz lieber einmal zu viel bremste, nimmt Merz Risiken in Kauf. Wladimir Putin soll nicht jeden Schritt des deutschen Kanzlers vorhersehen können, aber der Kremlchef soll erkennen, dass in Berlin ein anderer Wind weht als zu Ampel-Zeiten.
Das verdeutlichte Merz auch mit symbolträchtigen Bildern am Mittwoch, als er in Berlin kurzfristig den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfing. Und mit deutlichen Worten, als er Selenskyj Unterstützung bei der Produktion weitreichender Raketen zusicherte. Es war eine klare Ansage an die Adresse Putins: Deutschland unterstützt die Ukraine weiterhin, unabhängig davon, wie lange die russische Aggression noch andauert. Die Botschaft: Hier kündigt einer nicht nur an, hier handelt einer auch entsprechend.