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LogistikWie sich Lieferketten klimafreundlicher gestalten lassen

Mit innovativen Ideen trimmen junge Unternehmen die Transportbranche auf Nachhaltigkeit. Das senkt nicht nur den Ausstoß von Treibhausgasen – es rechnet sich auch.Eli Hamacher 05.06.2025 - 10:31 Uhr Artikel anhören
Gründer von Wingcopter v.l. Tom Plümmer CEO, Jonathan Hesselbarth CTO und Ansgar Kadura CSO Foto: Wingcopter / Jonas Wresch

Berlin. An den Durchbruch seiner Geschäftsidee kann Tom Plümmer sich noch gut erinnern. Im Auftrag von DHL flog sein Unternehmen Wingcopter Medikamente auf eine Insel in Tansania und nahm auf dem Rückweg Laborproben mit in die Stadt. Das funktionierte so gut, dass sich kurze Zeit später DHL-Konkurrent UPS mit einem Auftrag meldete. Seither läuft das Geschäft.

Mit elektrisch betriebenen Drohnen will Wingcopter die Logistik von dringend benötigten medizinischen Gütern auf der letzten Meile optimieren. Rund 75 Kilometer kann eine Drohne beladen mit bis zu fünf Kilogramm zurücklegen und so zum Beispiel Blutkonserven oder Impfstoffe schnell ans Ziel bringen. Dabei trägt das 2017 von Plümmer mitgegründete Unternehmen auch zur grünen Transformation der Logistik bei.

„Unsere vollelektrischen Drohnen stoßen beim Transport kein CO2 aus. Besonders bei Kurzstrecken und kleinen Liefermengen macht sich dies bemerkbar.“ Zudem entlasten die fliegenden Paketboten den Verkehr. Weniger Staus bedeuten weniger Kraftstoffverbrauch sowie weniger Emissionen von Stickoxiden, Feinstaub oder anderen Schadstoffen. Der Einsatz erneuerbarer Energie beim Laden der Akkus macht emissionsfreie Lieferketten möglich.

Präzisere Prognosen

Mit innovativen Luftfahrzeugen, digitalen Plattformen, smarter Automatisierung und alternativen Antriebsarten mischen junge Unternehmen die Logistikbranche auf, die von der Spedition über Umschlag und Verpackung bis zur Lagerei zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Deutschlands gehört. „Start-ups und Scale-ups leisten einen entscheidenden Beitrag zur technologischen und strukturellen Erneuerung der Logistikbranche“, sagt Jochen Schühle, CEO von Miebach Consulting. Sie adressieren gezielt funktionale Lücken, in denen etablierte Anbieter entweder nicht schnell genug agieren oder deren Lösungen nicht flexibel genug sind.

Große Vorteile von Start-ups seien ihre Kundennähe sowie ihre modularen, intuitiv bedienbaren Lösungen, die auf schnelle Implementierung ausgelegt seien. „Sie bieten oft eine messbare Kapitalrendite innerhalb weniger Monate“, so Schühle. Zudem unterstützen Start-ups die etablierten Unternehmen bei der Umsetzung neuer gesetzlicher Vorgaben auf EU-Ebene, insbesondere im Bereich Klimaschutz und Lieferkettentransparenz, sei es bei CO₂-Bilanzen, der Lieferantendokumentation oder in der Kreislaufwirtschaft.

Für Philipp Werner, Partner beim Frühphasenfinanzierer Project A Ventures, leisten Start-ups einen wesentlichen Beitrag zur grünen Logistik durch den intelligenten Einsatz von KI zur umfassenden Datenanalyse. „Dies führt zu präziseren Bedarfsprognosen, schlankeren Lagerbeständen und einer effizienteren Gestaltung von Transportprozessen.“ Zudem unterstützten KI-Agenten operative Entscheidungen, die darauf abzielen, Ressourcenverschwendung zu minimieren und ökologische Nachhaltigkeit zu fördern.

Wie KI die Logistik verändert
Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt Unternehmen dabei, ihre Umweltauswirkungen zu messen und durch intelligente Optimierung zu reduzieren.
KI-gestützte Software automatisiert Entscheidungen und optimiert Abläufe in allen Bereichen der Logistik für effizientere Prozesse.
Sich selbst steuernde Beschaffungsprozesse passen sich autonom an Veränderungen an und treffen operative Entscheidungen weitgehend selbstständig.
KI ermöglicht maßgeschneiderte Logistikleistungen für alle Kundenbedürfnisse – personalisiert, zeitlich und räumlich flexibel.

Plümmers Drohnen sind weltweit gefragt. Mit Partnern wie dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Unicef oder der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit hat das Unternehmen aus dem hessischen Weiterstadt mit heute 150 Beschäftigten bereits Projekte unter anderem in Malawi, Kenia, Japan, in den USA und Brasilien abgewickelt.

„Um unabhängiger von öffentlichen Auftraggebern zu werden, akquirieren wir jetzt verstärkt Kunden aus der Industrie“, sagt Plümmer. Für Siemens Healthineers etwa, die unter anderem in Kenia Labore ausstatten, übernimmt Wingcopter den Transport der Proben zwischen den verschiedenen Standorten. Alle Drohnen baut Wingcopter in seinem deutschen Werk selbst – von der Glasfaser bis zu den Kleinteilen. Mehr als 100 Millionen US-Dollar haben Investoren, unter ihnen die Europäische Investitionsbank, bislang in das junge Logistikunternehmen gesteckt.

Der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit in der Logistik hat auch der Berliner Onlinespedition Sennder einen steilen Aufstieg beschert. Auf ihrer digitalen Plattform bringt sie seit 2015 große Verlader aus Branchen wie Lebensmitteln, Textilien, E-Commerce oder der Industrie mit kleinen und mittelgroßen Frachtunternehmen mit fünf bis 50 Lkw zusammen. Dank Tracking in Echtzeit kann Sennders digitale Plattform die optimale Route berechnen und so Leerfahrten reduzieren. Nur sechs Jahre nach der Gründung stieg der Logistikspezialist zum Einhorn auf, wird also mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet.

Sennder in Italien: In Italien hat das Berliner Unternehmen ein Joint-Venture mit der italienischen Post gegründet. Foto: sennder Technologies GmbH

Künftig wollen die Berliner noch stärker zur Dekarbonisierung der Lieferketten beitragen, indem sie den Einsatz von elektrisch angetriebenen Lastwagen vorantreiben. Noch kosten E-Lkw das 2,5- bis Dreifache eines Dieselfahrzeugs. Aber sinkende Beschaffungskosten, eine bessere Ladeinfrastruktur und günstigere Strompreise würden grüne Antriebstechnologien langfristig voranbringen, ist Mitgründer Julius Köhler überzeugt. In Ausschreibungen verlangten Kunden von ihren Logistikpartnern zunehmend einen bestimmten Anteil an alternativen Antrieben in der Flotte, um die grüne Transformation zu beschleunigen.

Joint Venture mit Scania

Zu Sennders Großkunden zählen unter anderem die Lebensmittelkonzerne Coca-Cola und Nestlé, für die das Unternehmen Transporte mit E-Lkw und – immer noch überwiegend – mit der umweltfreundlichen Diesel-Alternative HVO (Hydrogenated Vegetable Oils, also hydrierte Pflanzenöle) übernimmt. HVO wird von vielen Transportunternehmen als Möglichkeit ­gesehen, den Straßengüterverkehr schnell klimafreundlicher zu machen, da der Kraftstoff in herkömmlichen Verbrennungsmotoren eingesetzt und dem Dieselkraftstoff beigemischt werden kann.

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Um die Kosten für die Frachtführer zu senken, hat Sennder mit dem Nutzfahrzeughersteller Scania das Joint Venture Juna gegründet. Es bietet ein Pay-per-Use-Modell für E-Lkw an, reduziert darüber das finanzielle Risiko für die Speditionen und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Kunden.

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