Nahost: Israel gegen Iran – wie stark sind die Streitkräfte?
Düsseldorf. „Es wird nur schlimmer kommen“, sagte US-Präsident Donald Trump unmittelbar nach den ersten Angriffen Israels auf den Iran in der Nacht zum vergangenen Freitag. Israel werde immer und immer weiter angreifen, sagte Trump. Denn: „Die USA produzieren das beste und tödlichste Militärgerät der Welt und Israel hat viel davon.“
Am Montag folgte die nächste Machtdemonstration der USA: Wegen der anhaltenden gegenseitigen Luftangriffe zwischen Israel und dem Iran verstärkten die USA ihre Militärpräsenz in der Region und schickten wohl den Flugzeugträger „USS Nimitz“ in den Nahen Osten. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.
Die enge Verbundenheit mit den USA und der technologische Vorsprung, den diese militärisch bringt – das sind zwei der größten Vorteile Israels im Konflikt mit dem Iran. Denn zahlenmäßig ist die iranische Armee der israelischen weit überlegen. Diese drei Grafiken erklären das Kräfteverhältnis im Nahen Osten.
Die Vereinigten Staaten sind in der Region militärisch sehr präsent. Sie könnten dadurch auch zum Ziel iranischer Militärschläge werden, die das Land als Antwort auf israelische Angriffe starten könnte. Davor hat US-Außenminister Marco Rubio die iranischen Revolutionsgarden aber gewarnt. Der Sprecher des Repräsentantenhauses drohte dem Iran mit „schweren Konsequenzen“, falls das Land US-Ziele attackierte.
Diese Konsequenzen könnten etwa vom US-Flugzeugträger „USS Carl Vinson“ ausgehen: Auf ihm sind etwa 60 Kampfjets der USA und Tausende Soldaten stationiert. Mit der „USS Nimitz“ kommt nun ein weiterer Flugzeugträger hinzu.
Mit der Insel Diego Garcia im Indischen Ozean haben die USA zudem einen geopolitisch wichtigen Stützpunkt. Erst Anfang April hat das US-Militär Berichten zufolge mindestens sechs Tarnkappenbomber auf die dortige Luftwaffenbasis verlegt. „Die Stationierung dieser Bomber soll eindeutig eine Botschaft – vielleicht mehrere Botschaften – an den Iran senden“, sagte damals ein Militäranalyst dem US-Sender CNN. Inzwischen sind statt den Tarnkappenbombern Langstreckenbomber vom Typ B-52 dort stationiert.
Um den Iran weiter vor Vergeltungsmaßnahmen abzuschrecken, haben die USA noch weitere Kriegsschiffe in die Region verlegt. Der Zerstörer „USS Thomas Hudner“ und ein weiterer, nicht genannter Zerstörer haben sich auf den Weg Richtung östliches Mittelmeer gemacht.
An Land ist die Truppenpräsenz der USA noch stärker. Insgesamt dürfte das US-Militär mit einer Truppenstärke von etwas mehr als 40.000 in der Region vertreten sein. Allein in den drei größten Basen Kuwait, Katar und Bahrain sind insgesamt etwa 25.000 US-Soldaten stationiert.
In Katar unterhalten die USA einen Stützpunkt für ihre Luftwaffe. Medienberichten zufolge sind dort mindestens 100 Flugzeuge stationiert und Drohnen. In Bahrain ist eine Marineeinheit untergebracht. Die Basis in Kuwait dient in erster Linie logistischen Aufgaben.
Die Verbündeten – die sogenannte Achse des Widerstands – haben den Iran bislang nicht bedeutend unterstützt. Nur die Huthi-Rebellen haben laut dem Institut für Kriegsstudien (ISW) in Washington versucht, Israel nachhaltig zu schaden. Die Hisbollah sagt dem Bericht zufolge, sie werde keinen Angriff auf Israel starten, um Teheran zu unterstützen.
Der Londoner Denkfabrik Chatham House zufolge wird auch Russland den Iran kaum unterstützen. „Der Iran kämpft allein“, sagte Lina Khatib, Nahost-Expertin bei der Denkfabrik der Nachrichtenagentur AP. Russland werde seine Unterstützung für den Iran wahrscheinlich auf scharf formulierte Erklärungen beschränken und den Konflikt nutzen, um sich als Vermittler zu präsentieren, schätzt Khatib.
Iran in Überzahl, aber technisch abgeschlagen
Ein Blick auf die Zahlen könnte den Eindruck erwecken: Der Iran ist Israel militärisch weit überlegen. 610.000 Soldaten sind im aktiven Dienst, hinzu kommen etwa 350.000 Reservisten. Die aktive Truppenstärke übersteigt jene Israels deutlich – diese liegt bei etwa 170.000. Israel verfügt dafür über mehr als 465.000 Reservisten.
Israel gegen Iran: Wie realistisch ist ein Regimesturz?
Am Montag meldete das israelische Militär, den Luftraum vom Westen des Irans bis nach Teheran zu kontrollieren. Wie ist das anhand der Truppengrößen möglich? Das Material, auf das sich die Streitkräfte des Irans verlassen, ist teils stark veraltet. Der Nachrichtenagentur AP zufolge sind etwa 350 Flugzeuge der iranischen Luftwaffe nicht mehr zeitgemäß und liegt damit weit hinter Israel zurück.
Israel hingegen investiert viel und hat ein deutlich besser ausgestattetes Militär. Deshalb verfügen die israelischen Truppen auch über neueste amerikanische und europäische Technologien. Der Staat fördert auch Innovationen in der einheimischen Rüstungsindustrie.