Iran: USA greifen Atomanlagen an – das ist der aktuelle Stand
Berlin. In der Nacht haben die USA mehrere Atomeinrichtungen im Iran angegriffen, darunter die unterirdische Anlage in Fordo sowie Standorte in Natans und Isfahan. US-Präsident Donald Trump spricht von einem massiven Schlag gegen das iranische Atomprogramm und stellt weitere Angriffe in Aussicht, sollte Teheran nicht einlenken.
Die iranische Führung wiederum kündigte an, das Atomprogramm fortzusetzen – ungeachtet der Warnungen.
Was wurde getroffen?
Nach Angaben von US-Präsident Trump richtete sich der nächtliche Luftschlag gezielt gegen drei zentrale Einrichtungen des iranischen Atomprogramms: Fordo, Natans und Isfahan. Die US-Regierung wertet den Einsatz als Erfolg und sieht die iranische Fähigkeit zur Urananreicherung schwer getroffen. Trump selbst erklärte, die Anlagen seien komplett zerstört. Unabhängig bestätigen lässt sich das bisher nicht.
Warum kam der Angriff jetzt?
Die USA haben iranische Atomanlagen angegriffen, weil sie befürchteten, dass der Iran kurz davor stand, Atomwaffen zu entwickeln. Ein Iran mit Atomwaffen gilt für Trump als untragbar. Schon im Vorfeld der Militärschläge hatte der US-Präsident mehrfach betont, dass Teheran unter keinen Umständen nuklear aufrüsten dürfe – eine Haltung, die auch von der israelischen Regierung vertreten wird.
Nach Darstellung der Regierung in Teheran diene das Atomprogramm friedlichen Zwecken. Bemühungen westlicher Staaten, den Konflikt zu entschärfen, waren bisher erfolglos. Noch am Freitag hatten Frankreich, Großbritannien und Deutschland versucht, in Gesprächen mit Irans Außenminister Abbas Araghtschi eine diplomatische Lösung herbeizuführen.
Der Angriff der USA wird aber auch als Teil einer militärischen Zusammenarbeit mit Israel im laufenden Iran-Israel-Konflikt betrachtet. Eine strategische Rolle spielte dabei, dass nur die USA über die nötigen bunkerbrechenden Waffen verfügen, um tief unter der Erde gebaute Anlagen wie die Urananreicherungsanlage Fordo zu zerstören.
Wie hat der Iran reagiert?
Irans Außenminister Araghtschi bezeichnete die Aktion auf dem Kurznachrichtendienst X als „ungeheuerlich“ und kündigte „dauerhafte Konsequenzen“ an. Zugleich betonte er, dass sich der Iran alle Optionen zur Selbstverteidigung vorbehalte.Das iranische Außenministerium warf den USA vor, mit dem Angriff einen gefährlichen Krieg begonnen zu haben. Irans Atomenergieorganisation rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Angriffe als Verstoß gegen internationales Recht zu verurteilen.
Außenminister Araghtschi kündigte Sonntag an, bereits am selben Tag nach Russland zu reisen, um am Montag Wladimir Putin zu Konsultationen zu treffen. Russland habe in den vergangenen Tagen gemeinsam mit China versucht, eine Resolution im Uno-Sicherheitsrat für ein Ende des Iran-Israel-Kriegs vorzubereiten. Die Lage habe sich nun allerdings weiterentwickelt.
Welches Risiko birgt die Attacke für die USA?
Der Iran hatte bereits vor dem Eingreifen Washingtons im Iran-Israel-Konflikt damit gedroht, amerikanische Streitkräfte im Nahen Osten anzugreifen, sollten die USA sich einmischen. Mit dem Angriff könnten die USA nun direkt zur Kriegspartei werden – mit möglichen Vergeltungsschlägen gegen US-Stützpunkte, Verbündete oder Interessen in der Region. Auch die von Teheran unterstützten Huthi-Milizen im Jemen drohten den USA konkret mit neuen Angriffen auf Schiffe im Roten Meer.
Was bedeutet die Zerstörung der Atomanlagen für den Krieg zwischen Israel und Iran?
Die Zerstörung iranischer Atomanlagen durch US-Angriffe könnte den Konflikt zwischen Israel und dem Iran verschärfen. Der Iran reagierte mit einem massiven Raketenangriff auf Israel, bei dem zahlreiche Zivilisten verletzt wurden.
Die Angriffe haben das iranische Atomprogramm stark beeinträchtigt, könnten den Iran aber zugleich zu verstärkter asymmetrischer Kriegsführung, etwa durch Cyberangriffe und Stellvertreter wie die Huthi oder die Hisbollah, treiben. Allerdings hat Israel etwa die Hisbollah als wichtigen Verbündeten Irans durch Militäreinsätze im Libanon in den vergangenen Monaten systematisch geschwächt.
Wie geht es jetzt weiter?
In einer Fernsehansprache sagte Trump, es werde entweder Frieden geben oder eine Tragödie für Iran, die weitaus größer sei als das, was man in den vergangenen acht Tagen erlebt habe. Auch das russische Außenministerium warnte vor einer realen atomaren Bedrohung infolge der israelischen Angriffe auf iranische Atomanlagen.
Die Welt bewege sich, so Moskau, auf eine „nukleare Katastrophe“ zu. Ein direktes militärisches Eingreifen Russlands an der Seite des Irans, der etwa die von Moskau im Ukrainekrieg massiv genutzten Shahed-Drohnen entwickelt hat, gilt jedoch aktuell als unwahrscheinlich. Der iranische Außenminister Araghtschi kündigte an, am Montag nach Moskau zu reisen und sich dort mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu beraten.