USA: Wie Donald Trump Detroits Autoindustrie zurückwirft
Detroit. Glenn Stevens Jr. weiß um das schlechte Image seiner Stadt. „Wenn die Leute an Detroit denken, sehen sie immer noch leer stehende Fabriken vor sich“, sagt der Autochef der Detroit Regional Chamber, der Handelskammer der Metropole im US-Bundesstaat Michigan. Doch wenn er Gästen den Blick aus seinem Bürofenster zeigt, sehen sie schnell: Das Image ist nicht nur schlecht, es scheint auch etwas veraltet.
Stevens arbeitet im achten Stock eines gläsernen Büroturms im Stadtzentrum. Von dort aus kann er auf den Campus Martius Park schauen, einen begrünten Platz im Herzen der Stadt. Rundum entstehen neue Straßen, Gebäude. Zukunft. „In Detroit erleben wir ein starkes Wachstum, einen Wiederaufschwung“, behauptet Stevens. Nur, dass dieser Aufschwung nicht mehr wie früher, zu den Hochzeiten der Autostadt Detroit, in Industriehallen entstehe – sondern in Laboren, Forschungszentren, Büros. Und damit fangen die Probleme an.
Denn der Aufschwung, wie Stevens ihn beschreibt, hat seit diesem Januar einen mächtigen Gegenspieler. Während Stevens und die ihm verbundene Autoindustrie bislang vor allem am Detroit von morgen arbeiteten, hat US-Präsident Donald Trump den Bewohnern das Detroit von früher versprochen. Das Detroit der rauchenden Schlote, der gigantischen Autoproduktionshallen, der Heerscharen an gut verdienenden Blue-Collar-Arbeitern. Mit seiner Zollpolitik will der 79-Jährige dieses Detroit wieder Wirklichkeit werden lassen.