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US-NotenbankSpekulationen um schnelle Ablösung von Fed-Chef Powell

Widersprüchliche Aussagen zu Notenbankchef Powell haben die Märkte durcheinandergebracht. Trump dementiert Berichte, wonach er Powell schon bald feuern könnte. Das löst eine Erleichterungsrally aus.Astrid Dörner 16.07.2025 - 18:35 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Donald Trump (l.), Jerome Powell: Unterschiedlicher Auffassung in Sachen Geldpolitik. Foto: REUTERS

New York. Die Sorge, dass US-Präsident Donald Trump seinen Notenbankchef schon bald feuern könnte, hat am Mittwoch kurzzeitig für Verluste an der Wall Street gesorgt. Mehrere US-Medien, zunächst Bloomberg und CBS, hatten übereinstimmend von entsprechenden Plänen Trumps berichtet.

Demnach soll Trump am Dienstag bei einem Treffen mit Kongressabgeordneten seiner Partei gefragt haben, ob er Fed-Chef Jerome Powell loswerden sollte. Viele hätten ihn darin bestärkt, berichtet CBS. Trump soll bereits einen entsprechenden Brief vorbereitet haben, mit dem er Powell feuern will, berichtet die „New York Times“. Er habe mit dem Schreiben vor den Augen der Abgeordneten hin- und hergewedelt, hieß es.

Kurz darauf wies Trump die Berichte indes zurück. Er wolle nichts ausschließen, aber es sei „sehr unwahrscheinlich“, dass er Powell feuern werde, sagte Trump im Gespräch mit Reportern im Weißen Haus. „Wir haben nicht vor, irgendwas zu tun.“ Der Supreme Court, das oberste US-Gericht, hatte vor einigen Wochen signalisiert, dass Trump den Notenbankchef nicht einfach ohne triftigen Grund entlassen könne.

Vergangene Woche öffnete die US-Regierung dann eine neue Flanke im Streit mit Powell. Er soll bei der Renovierung von zwei Fed-Gebäuden „Missmanagement“ betrieben haben, wie Trumps Budgetchef Russell Vought monierte.

Dabei ist derzeit unklar, was genau Powell vorgeworfen wird. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, könnte Trump doch noch aktiv werden, stellte er am Mittwoch klar. Dann sei auch die rechtliche Lage eindeutiger, wie Analysten erklären.

Vorwürfe nur ein Vorwand im Machtpoker?

Sollte es einen triftigen Grund geben, könne der Präsident den Notenbankchef entlassen, sagte ein Berater in Washington. Derzeit würden jedoch viele davon ausgehen, dass die Vorwürfe nur ein Vorwand seien, um Trumps Machtposition zu stärken.

Der US-Präsident fordert schon lange, dass die Fed die Zinsen senkt – und zwar deutlich. Niedrigere Zinsen würden die Renditen der kurzfristigen Staatsanleihen verringern. Das würde wiederum die Finanzierung der Staatsschulden günstiger machen.

Gastkommentar

Wie Trump schon den nächsten Fed-Chef vor Amtsantritt schwächt

Powell hatte sich indes geweigert, die Zinsen zu senken. Er verwies auf Trumps Zollpolitik, die die Inflation in den kommenden Monaten anheizen könnte. Zinssenkungen wären an dieser Stelle kontraproduktiv, warnte etwa Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman. Sie könnten dazu führen, dass die Inflation weiter ansteigt.

Die widersprüchlichen Informationen spiegelten sich auch an den Märkten wider und sorgten für teilweise heftige Kursausschläge.  Alle großen US-Aktienindizes verloren zunächst an Boden, erholten sich dann aber wieder und schwankten um die New Yorker Mittagszeit um die Nulllinie.

Langfristige US-Anleihen springen über psychologisch wichtige Marke von fünf Prozent

Am deutlichsten ließ sich die Verwirrung am Devisenmarkt ablesen. Zunächst verlor die US-Währung deutlich und war im Vergleich zum Euro nur noch 1,171 Dollar wert. Später erholte sich der Wechselkurs wieder auf 1,163 Dollar.

Am Anleihemarkt fielen die Kurse, spiegelbildlich zogen die Renditen deutlich an. Bei den wichtigen zehnjährigen US-Staatsanleihen lag die Rendite nach Markteröffnung noch bei 4,4 Prozent. Nach den Gerüchten um einen vorzeitigen Abschied Powells zog sie schnell in Richtung 4,5 Prozent an. Zum Handelsende (Ortszeit) standen sie bei 4,46 Prozent.

Die Unabhängigkeit der Notenbank ist absolut kritisch.
Jamie Dimon
CEO JP Morgan

Noch deutlicher ließen sich die Sorgen der Anleger bei den sehr langfristigen US-Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren ablesen. Dort übersprangen die Renditen die psychologisch wichtige Marke von fünf Prozent und stiegen auf den höchsten Stand seit Ende Mai.

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Jamie Dimon

Jamie Dimon, CEO von Amerikas größter Bank JP Morgan Chase, hatte erst am Dienstag davor gewarnt, Powell zu entlassen. „Die Unabhängigkeit der Notenbank ist absolut kritisch, und das gilt nicht nur für den aktuellen Fed-Chairman, den ich respektiere, sondern auch für den nächsten“, sagte Dimon am Dienstag bei der Vorstellung der Quartalszahlen seiner Bank. Mit der Notenbank „herumzuspielen“, habe oft den umgekehrten Effekt als erwartet oder erhofft. Der JP-Morgan-Chef war der erste Topmanager, der sich offiziell zu den Gerüchten rund um eine mögliche Entlassung Powells geäußert hat.

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