Dax: Kursverluste von Gewinner-Aktien verunsichern die Anleger
Düsseldorf. Die US-Notenbank Fed wird wahrscheinlich im September die Zinsen senken. Das deutete Fed-Chef Jerome Powell in seiner mit Spannung erwarteten Rede am vergangenen Freitag an.
In den USA löste seine Aussage eine Erleichterungsrally aus, da zuvor Bedenken aufgekommen waren, dass die Fed die Zinsen weiter konstant halten könnte. Die Erleichterung zeigt sich jedoch nicht am deutschen Aktienmarkt.
Der Dax schloss die vergangene Woche nahezu unverändert ab. Am Montag tendierte er leicht schwächer. Eine Erklärung für die verhaltene Kursreaktion liefert die Handelsblatt-Umfrage Dax Sentiment.
Das Handelsblatt befragt von Freitagmorgen bis Samstagabend mehr als 9000 Privatanlegerinnen und -anleger zu ihrer aktuellen Markteinschätzung. Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, wertet die Antworten aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.
Das aktuelle Ergebnis zeigt, dass sich die Anlegerstimmung (Sentiment) trotz der möglichen Zinssenkung in den USA deutlich verschlechtert hat. Sie fällt von plus 1,9 Punkten auf minus 0,1 Punkte und liegt damit wieder im neutralen Bereich.
Auch die Selbstzufriedenheit der Anleger hat abgenommen. Um den Wert zu ermitteln, werden sie gefragt, ob sie die Kursentwicklung der zurückliegenden Handelswoche erwartet hatten.
In der vergangenen Woche war dies seltener der Fall als in der Vorwoche. Daher sank die Selbstzufriedenheit von plus 1,7 Punkten auf plus 0,3 Punkte.
Heibel nennt mehrere Gründe für diese Entwicklung. Einer davon sind geopolitische Ereignisse: „Die schlagen sich für gewöhnlich besonders stark nieder. So könnte die negative Stimmung die ungewisse Entwicklung bezüglich der gewünschten Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland widerspiegeln“, erklärt Heibel.
Der Sentiment-Experte verweist zudem auf die öffentlich ausgetragenen Streitigkeiten innerhalb der Bundesregierung, die „nicht einmal in der Sommerpause pausieren“. Die Dax-Rally in diesem Jahr ist unter anderem auf Investitionen und Reformen der Bundesregierung zurückzuführen, die das Wachstum der deutschen Wirtschaft fördern sollen.
Anleger werden optimistischer, wollen aber kaum kaufen
Hinzu kommt, dass die Kursbewegungen einzelner Aktien deutlich von den Indizes abweichen. Gerade die Top-Performer der vergangenen Wochen, wie Siemens Energy, haben Verluste erlitten. „Diese Aktien befinden sich erfahrungsgemäß im Fokus der Anleger“, erklärt Heibel. „So ist es durchaus nachvollziehbar, dass unsere Umfrageteilnehmer mit gemischten Gefühlen ins Wochenende gegangen sind.“
Dem steht die wachsende Zukunftserwartung der Umfrageteilnehmer gegenüber. Um diese zu ermitteln, werden die Anleger gefragt, in welcher Zyklusphase sich die Märkte in drei Monaten befinden werden.
Der ermittelte Wert zeigt aktuell mit plus 3,6 Punkten deutlichen Optimismus. Das sind zwei Punkte mehr als in der Vorwoche und der höchste Stand seit September 2024.
„Doch dieser Optimismus führt nicht zu einer steigenden Investitionsbereitschaft“, stellt Heibel fest. Der entsprechende Wert liegt bei plus 0,1 Punkten, nach plus 0,4 Punkten in der Vorwoche, und zeigt kaum noch Kaufbereitschaft.
Auch die Absicherungsneigung der Privatanleger nimmt zu. Das zeigen Daten der Börse Stuttgart, an der Privatanleger am Terminmarkt handeln können.
Das Euwax-Sentiment liegt dort bei minus zehn Punkten. Ist der Wert positiv, setzt die Mehrheit der Anleger auf einen steigenden Markt. Ein negativer Wert bedeutet hingegen, dass Anleger eher von fallenden Kursen ausgehen.
Anleger sind bereits für steigende Kurse positioniert
„Der Umstand, dass Anleger in Deutschland optimistisch in die Zukunft blicken, aber dennoch nicht investieren wollen, erklärt sich aus der Investitionsquote der vergangenen Wochen“, sagt Heibel.
Diese notiert kontinuierlich auf extrem hohem Niveau, wie eine separate Umfrage von AnimusX zeigt. „Privatanleger sind also bereits für steigende Kurse positioniert, entsprechend nervenzehrend war diese Woche ohne nennenswerte Fortschritte“, erklärt Heibel.
Der große Optimismus der Umfrageteilnehmer spricht dafür, dass die Fortschritte mittelfristig wieder größer werden. Nur in 16 Wochen hat Heibel vergleichbare Werte ermittelt. Im Schnitt stand der Dax sechs Monate später knapp acht Prozent höher. „Das ist kein besonders kräftiges Signal, aber immerhin eine positive Grundtendenz“, sagt der AnimusX-Experte.
Ausgelöst werden könnte eine solche Kursbewegung von institutionellen Investoren, die nach dem Sommer erfahrungsgemäß wieder stärker investieren. „Sie waren diesen Sommer überwiegend defensiv unterwegs“, berichtet Heibel. „So ist leicht nachvollziehbar, dass diese Anlegergruppe nun Käufe tätigt, um die erwartete Rally mitzunehmen.“
Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.