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LogistikDHL testet Wiederaufnahme von Lieferungen in die USA

Donald Trump hat die Zollfreiheit für kleine Sendungen aufgehoben, weltweit schränkten Postdienste den Versand in die USA ein. Trotz des DHL-Vorstoßes bleiben viele Probleme.Laurin Meyer 12.09.2025 - 12:12 Uhr Artikel anhören
DHL-Paketwagen in New York: Der Dax-Konzern hatte den Versand in die USA zuletzt stark eingeschränkt. Foto: mauritius images / Jochen Tack / imageBROKER

New York. Der Bonner Logistikdienstleister DHL testet die Wiederaufnahme des Warenversands in die USA für Geschäftskunden, wie das Handelsblatt erfuhr. „Erste Testsendungen sind bereits verschickt worden“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage. „Wir sind zuversichtlich, dass wir den Warenversand für Geschäftskunden zeitnah wieder anbieten können.“

Vor etwas mehr als zwei Wochen hatte der Konzern den Versand in die USA stark eingeschränkt. Seitdem können Geschäftskunden mit der Deutschen Post und DHL keine Pakete und keine sogenannte Warenpost International mehr in die USA verschicken. Privatpersonen können nur noch Pakete in die USA senden, die als Geschenk deklariert sind und deren Wert unter 100 Dollar (umgerechnet rund 85 Euro) liegt. Höherwertige Ware wird derzeit nur als teurere Expresssendung angenommen.

Grund dafür ist eine Verordnung des US-Präsidenten. Donald Trump hatte Ende August die bisherige Zollfreiheit für Pakete mit geringem Warenwert abgeschafft. Nach der sogenannten De-minimis-Regel fielen bislang keine Sonderabgaben auf Sendungen mit einem Wert von weniger als 800 Dollar an.

Post- und Paketdienste vor großen Herausforderungen

Nun verlangen die US-Behörden auch auf solche Einfuhren die länderspezifischen Zölle – bei Sendungen aus der EU mindestens 15 Prozent. In den ersten sechs Monaten können die Versender auch eine Pauschalgebühr zwischen 80 und 200 Dollar zahlen.

Die Änderung ist eine große Herausforderung für Post- und Paketdienstleister weltweit. Denn laut der Verordnung des US-Präsidenten müssen die Versender die Zölle selbst berechnen und entrichten – oder einen Dritten mit dieser Aufgabe beauftragen. Doch wie genau die Dienstleister die Zölle erheben müssen und welche Daten dabei zu übermitteln sind, sei bis zuletzt unklar gewesen, erklären Branchenvereinigungen wie Post Europ.

Laut dem Weltpostverein, einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, haben 88 Postbetreiber weltweit mitgeteilt, einige oder alle Dienste in die USA zeitweise eingestellt zu haben. Am Tag des Inkrafttretens sank das Aufkommen an entsprechenden Sendungen im Vergleich zur Vorwoche um 81 Prozent.

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Die Branche sucht nach Lösungen. „Die notwendigen Prozess- und Produktanpassungen verlaufen bisher vielversprechend“, sagte der DHL-Sprecher, ohne weitere Details zu nennen. Der kommerzielle Versand via DHL Express sei weiter uneingeschränkt möglich.

Auch der Weltpostverein arbeitet nach eigenen Angaben bereits an technischen Lösungen. Seit vergangenem Freitag stehe Dienstleistern ein Programm zur Verfügung, mit dem die notwendigen Zölle berechnet und bezahlt werden könnten. Man wolle dazu beitragen, dass „die Post wieder in die Vereinigten Staaten transportiert wird“, sagte der Generaldirektor des Weltpostvereins, Masahiko Metoki.

US-Regierung erhofft sich Milliardeneinnahmen

Offiziell will die US-Regierung mit der Maßnahme den Schmuggel von Drogen und gefährlichen oder gefälschten Gegenständen in die USA verhindern. So sollen im Geschäftsjahr 2024 insgesamt 98 Prozent der beschlagnahmten Betäubungsmittel auf De-minimis-Sendungen entfallen sein, erklärt die US-Grenzschutzbehörde Customs and Border Protection (CBP).

Die US-Regierung erhofft sich von der Abschaffung der Zollausnahme auch zusätzliche Einnahmen für die Staatskasse. Mindestens zehn Milliarden Dollar sollen die Zölle auf kleine Sendungen pro Jahr einbringen. Doch die Rechnung geht bislang nicht auf. Verschicken die Paketdienste keine Sendungen mehr, haben die US-Behörden nichts zu verzollen.

Peter Navarro, Trumps handelspolitischer Berater: Internationale Postdienste im Blick. Foto: dpa

Entsprechend unzufrieden ist die US-Regierung. Die Postunternehmen müssten sich „endlich zusammenreißen, wenn es darum geht, die Nutzung internationaler Postsendungen für Schmuggel- und Zollhinterziehungszwecke zu kontrollieren“, mahnte Trumps handelspolitischer Berater Peter Navarro.

Auch die zuständige CBP-Kommissarin Susan Thomas äußerte Unverständnis. Die internationalen Spediteure und Postdienstleister hätten „klare Zeitpläne, detaillierte Anleitungen und mehrere Optionen zur Einhaltung“ erhalten. Ihre Behörde sei vorbereitet. „Diese Änderung wurde monatelang geplant, und wir sind voll und ganz darauf eingestellt, sie umzusetzen“, so Thomas.

Paketaufkommen in den vergangenen Jahren verzehnfacht

Die Logistikbranche widerspricht. Manche technischen Details seien erst wenige Tage vor Inkrafttreten der Verordnung veröffentlicht worden. Der Zeitrahmen für die Vorbereitung sei „extrem kurz“ gewesen, erklärte Post Europ zuletzt. Auch seien kritische Prozesse wie die Erhebung von Daten und Zollbeträgen sowie die Interaktion mit der zuständigen US-Behörde noch nicht klar definiert gewesen.

Lieferkettenexperte Robert Handfield hält die US-Zollbehörde für strukturell überfordert. Der Professor am Poole College of Management in North Carolina sagte dem Handelsblatt, „angesichts der Menge an Paketen mit einem Wert von unter 800 Dollar“ könne die CBP den Post- und Paketverkehr aktuell gar nicht kontrollieren und Zölle erheben. „Das sind schließlich Milliarden von Paketen.“

Allein im vergangenen Jahr kamen laut offiziellen Angaben mehr als 1,3 Milliarden solcher Sendungen in die USA – also rund vier Millionen pro Tag. Das sind etwa zehn Mal so viele wie noch 2015. Die neuen Prozesse stellten „die Postdienste in Europa und anderen Ländern vor große Probleme“, weshalb diese sich weigerten, „den für den Versand von Produkten in die Vereinigten Staaten erforderlichen Papierkram zu bearbeiten“, erklärt Handfield.

Sollten die Postdienste den Versand kleinerer Sendungen in die USA wieder aufnehmen, wird sich zeigen, wie groß die Nachfrage nach solchen Sendungen noch sein wird. Der Wegfall der Regelung bedeute schließlich „erhebliche zusätzliche Kosten für den Versand von Waren in die USA“, sagt Handfield.

Der Logistikdienstleister Flavorcloud hat berechnet, mit welchen Zusatzkosten US-Verbraucher bei Direktbestellungen aus dem Ausland rechnen müssten. Ein Küchenmesser aus Japan mit einem Warenwert von 240 Dollar würde schätzungsweise 24 Prozent teurer, Baumwollslipper aus China für 30 Dollar würden 51 Prozent teurer.

Höhere Verbraucherpreise belasten die Wirtschaft. „Die Abschaffung der De-minimis-Regelung hat verheerende Auswirkungen auf kleine Unternehmen sowohl außerhalb als auch innerhalb der USA“, warnt Handfield. Viele Firmen seien darauf angewiesen, kleine Pakete aus Übersee in die USA zu versenden. Manche hätten ihr ganzes Geschäftsmodell auf der Sonderregel aufgebaut. „Ich gehe davon aus, dass dies zu einer Welle von Insolvenzen führen wird“, warnt der Lieferkettenexperte.

Wool Warehouse etwa, ein britischer Textilhändler, hat Lieferungen in die USA zuletzt gezwungenermaßen ausgesetzt, wie das Unternehmen mitteilt. Zwar hoffen die Betreiber, den Versand innerhalb weniger Wochen wieder aufnehmen zu können. Doch das Unternehmen glaubt nicht, „dass viele Menschen bereit sein werden, eine zusätzliche Gebühr von 50 Prozent zu zahlen“.

Sonderregel zuvor schon für chinesische Lieferungen abgeschafft

Der Wegfall der Ausnahmeregel dürfte auch den US-Unternehmen Etsy und Ebay schaden. Über die Verkaufsplattformen vertreiben Kleinunternehmer und Soloselbstständige aus aller Welt ihre Produkte. Bei der jüngsten Präsentation der Geschäftszahlen sagte Ebay-CEO Jamie Iannone, dass die Abschaffung der De-minimis-Regelung außerhalb Chinas eine potenzielle Störung darstelle, die sich auf den Umsatz auswirken könnte.

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Für Lieferungen aus China hatte die US-Regierung die Sonderregel bereits abgeschafft. Das schadete großen Onlinehändlern wie Temu und Shein. Die chinesischen Billigplattformen hatten ihr Geschäftsmodell auf der Sonderregel aufgebaut und Waren in kleinen Paketen an US-Kunden verschickt.

Erstpublikation: 10.09.2025, 09:00 Uhr.

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