Geldpolitik: Bank of England hält Zinsen stabil
London. Die Leitzinsen bleiben in Großbritannien zunächst unverändert bei vier Prozent. Das entschied am Donnerstag der geldpolitische Ausschuss (MPC) der Bank of England (BoE). Sieben Notenbanker stimmten für eine Zinspause, zwei votierten für eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte. Die Entscheidung fiel damit deutlicher aus als im August, als es zu einer Kampfabstimmung im Ausschuss gekommen war.
Die Märkte reagierten kaum auf die Entscheidung der Notenbank. Investoren hatten zuletzt nicht mehr mit einer Zinsänderung im September gerechnet. Die Renditen für Staatsanleihen notierten leicht schwächer, und auch der Aktienmarkt in London gab etwas nach. Der Wechselkurs des britischen Pfunds zum Dollar stieg dagegen leicht an.
Die BoE reagiert mit der Zinspause auf die unverändert hohe Inflation im Königreich, die im August mit 3,8 Prozent fast doppelt so hoch war wie der Zielwert der Notenbanker. Die Währungshüter erwarten noch einen weiteren leichten Inflationsanstieg im September, bevor die Preissteigerungsrate dann nach ihrer Prognose sukzessive auf den Zielwert von zwei Prozent sinken soll.
„Der Ausschuss bleibt wachsam gegenüber dem Risiko, dass dieser vorübergehende Anstieg der Inflation zusätzlichen Aufwärtsdruck auf den Lohn- und Preisfindungsprozess ausüben könnte“, heißt es in der Erklärung der BoE.
Hohe Preise für Lebensmittel und Energie
Großbritannien verzeichnet damit die höchsten Preissteigerungen unter den sieben führenden Industrienationen (G7). Die Federal Reserve (Fed) hatte die Leitzinsen in den USA am Mittwoch um 25 Basispunkte auf vier bis 4,25 Prozent gesenkt und weitere Lockerungen noch in diesem Jahr angekündigt. Die Leitzinsen in der Euro-Zone stehen bei zwei Prozent.
Zwar haben auch die britischen Notenbanker die Kreditkosten seit dem Sommer des vergangenen Jahres insgesamt fünfmal reduziert. Der hartnäckige Preisanstieg insbesondere für Lebensmittel, Bewirtungen, Übernachtungen und Kraftstoffe verhindert jedoch vorerst, dass die Währungshüter die schwächelnde Konjunktur mit zügigen Zinssenkungen weiter stützen können.
Das Wirtschaftswachstum auf der Insel stagnierte im zweiten Quartal bei 0,2 Prozent, und der Arbeitsmarkt hat sich abgekühlt. „Die Arbeitslosigkeit bleibt hoch, und die Zahl der offenen Stellen sinkt weiter“, sagte Jan Gratton von der British Chambers of Commerce (BCC).
Das stürzt die Notenbanker in ein Dilemma, müssen sie sich doch entscheiden, ob sie der Preisstabilität oder der Beschäftigung den Vorrang geben. Bislang ist die Abschwächung auf dem Arbeitsmarkt aber offenbar nicht stark genug, um eine Kursänderung zu erzwingen.
„Ein schrittweiser und vorsichtiger Ansatz für die weitere Lockerung der geldpolitischen Restriktionen ist weiterhin angemessen“, erklärten die britischen Notenbanker. Die Mehrheit der Investoren an den Finanzmärkten erwartet deshalb bis Ende 2026 nur noch zwei weitere Zinsschritte nach unten.
Hilfe für den Anleihemarkt
Neben der Zinsentscheidung kündigte die Bank of England außerdem an, dass sie das Tempo für den Verkauf von lang laufenden britischen Staatsanleihen (Gilts) in den kommenden zwölf Monaten von 100 auf 70 Milliarden Pfund (gut 80 Milliarden Euro) drosseln will.
„Das neue Ziel bedeutet, dass der geldpolitische Ausschuss die Bilanzsumme der Bank im Einklang mit seinen geldpolitischen Zielen weiter reduzieren und gleichzeitig die Auswirkungen auf die Bedingungen am Markt für Staatsanleihen weiterhin minimieren kann“, erklärte Notenbank-Gouverneur Andrew Bailey. Papiere im Wert von 21 Milliarden Pfund sollen abgestoßen werden, die restlichen Gilts mit einem Volumen von 49 Milliarden Pfund laufen aus.
Ein Grund für die Drosselung ist offenbar die Sorge, dass ein zusätzliches Angebot von der BoE die Renditen für Gilts und damit auch die Kreditkosten für den britischen Staat nach oben treiben könnte. Die Verzinsung der 30-jährigen Anleihen hatte Anfang September mit 5,7 Prozent einen neuen Höchststand erreicht und in der Londoner City Ängste vor einer Finanzklemme geweckt.
Die britischen Notenbanker haben bislang Staatsanleihen aktiv verkauft oder auslaufen lassen, um den während der Finanzkrise 2008 angesammelten Bestand zu reduzieren. Mit den als „quantitative Lockerung“ bekannten Ankäufen von Staatsanleihen hatten viele Zentralbanken in den Krisenzeiten die Kreditkosten niedrig gehalten. Im Bestand der BoE befanden sich zuletzt noch Papiere im Gesamtwert von rund 550 Milliarden Pfund.
