Prüfers Kolumne: Wenn Passwörter uns zur Verzweiflung bringen
Ich staune immer wieder, welche Passwörter mir vorgeschlagen werden, wenn ich eigentlich nur etwas vollkommen Harmloses tun will. Zum Beispiel in einem kleinen Onlineshop eine Kleinigkeit bestellen. Dann erscheint ein Vorschlag wie: dfnreffHKBGai#lfssf+3dci?mjg111adf123ADF4124234lsfd.
Ich glaube sofort, dass dieses Wort sicher ist. Ich glaube aber auch sofort, dass ich es mir niemals merken kann. Ich müsste es mir aufschreiben. Doch schon das Abschreiben ist für mich ein Hindernis: Ich mache zuverlässig Fehler. Ich finde es ja schon übertrieben, dass ich mir meine IBAN merken soll. Oder meine Steuernummer. Oder diese endlos lange Reisepassnummer, die mir jedes Mal leichte Schwindelgefühle verursacht, wenn ich sie irgendwo eingeben soll.
Die Telefonnummer meiner Eltern weiß ich immerhin noch. Die meiner Kinder dagegen? Ein Glücksspiel. Diese Nummern wechseln ja, weil die Kinder neue Verträge, neue Geräte, neue Launen haben. Früher war das einfacher. Da hat die Post einem eine Nummer gegeben, und diese Nummer gehörte einem dann praktisch ein Leben lang. Heute verlangt jeder dahergelaufene Onlineshop eine Registrierung, sobald man ein Produkt für sechs Euro kaufen will.
Wenn man im Supermarkt, bevor man eine Tütensuppe mitnehmen darf, vor dem Regal erst ein Passwort aufsagen müsste – die Wirtschaft wäre längst zusammengebrochen. Und niemandem würde es helfen, wenn dieses Passwort dfnreffHKBGai#lfssf+3dci?mjg111adf123ADF4124234lsfd hieße.
Ich könnte mir allenfalls ein kurzes Wort merken. „Sonnenfreund“ etwa. Doch sobald ich so etwas eingebe, erscheint der digitale Zeigefinger: zu kurz, zu einfach, keine Sonderzeichen. Man wird behandelt, als hätte man gerade versucht, die Bundesbank zu hacken. Dabei sind doch die eigentlichen Verbrecher die anderen – diejenigen, die einem etwas klauen wollen.
Ich glaube übrigens, dass dieses ständige Sicherheitsgefühl, das eigentlich ein Bedrohungsgefühl ist, etwas mit den Menschen macht. In der realen Welt passiert es einem ja eher selten, dass man Opfer eines Verbrechens wird. Man muss zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Im Internet hingegen lauert das Verbrechen hinter jedem Pixel. Ein zu simples Passwort – und schon ist man bestohlen. Ein einmaliger falscher Klick auf eine Mail, die so aussieht, als sei sie von der Bank – und das Konto ist weg. „Schade für Sie“, heißt es dann. „Warum haben Sie auch falsch geklickt?“
Insgesamt ist das Internet eine einzige Überforderung. Man möchte es am liebsten kündigen. Ich würde meinem Provider sofort eine entsprechende Mitteilung schicken – wenn ich mich in mein Kundenkonto einloggen könnte. Leider habe ich das Passwort vergessen. Es war irgendetwas wie isFJHIODSF87895))§+W