Wochenend-NewsletterWarum der Streit ums Erbe nie endet – das Handelsblatt-Wochenende

Außerdem: die Erfolgsformel des Donald Trump, die Mythen des deutschen Sozialstaats und die eine Kurve, die die Aktienkurse voraussagt. Unsere Leseempfehlungen.Sven Prange 16.01.2026 - 11:54 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der Regel begegne ich allen Mitmenschen, außer den dreien, mit denen ich zusammenwohne, in einem schwarzen Langarmshirt mit dunkler Hose. Will ich mal modisch etwas Verrücktes machen, variiere ich die Farbe meiner Lederschuhe von Braun auf Schwarz.

Seit Anfang dieser Woche weiß ich wieder, warum ich das mache. Da erschien ich aus einer Laune heraus ungewohnt experimentierfreudig in der Redaktion: Ich trug ein weißes Hemd, darüber einen schwarzen Pullunder mit V-Ausschnitt. Ich habe noch nie so viele Gespräche wie an diesem Tag über Mode geführt, die dann allerdings auch schnell wieder versandeten. Mir war bis dahin nicht klar, wie sehr die Kombination aus Schwarz und Weiß irritieren kann.

Vermutlich aber lassen sich damit viele lästige Probleme in diesem Land erklären. Etwa das der Erbschaftsteuerdebatte: Die kommt eigentlich auch regelmäßig im gleichen Gewand daher: Die CDU und Unternehmer rufen: „Untergang“. Die SPD und die Gewerkschaften rufen: „Gerechtigkeit“, dann legt sich die Aufregung, und wenig später geht alles wieder genauso von vorn los. Was mir mein schwarzes Langarmshirt, ist dem durchschnittlichen Wirtschaftspolitiker der Erbschaftsteuerstreit: Da weiß man zu schätzen, was man kennt, und experimentiert nicht mit neuen Argumenten herum.

Gibt es dann kluge Menschen, die – wie etwa Ifo-Chef Clemens Fuest – mal ein weißes Hemd mit Pullunder in die Debatte werfen, schreien alle anderen: Wir wollen aber unser schwarzes Langarmshirt zurück. Wie etwa diese Woche die SPD. Die ihrem Shirt in Form des Erbschaftsteuergesetzes zwar einen leicht neuen Schnitt verpasste, in der Substanz aber doch die verlässliche Position vergangener Jahre im Angebot hatte. Ähnlich abwechslungsreich verlief dann der Rest der Debatte.

Und irgendwie kann ich das ja auch verstehen. Am nächsten Tag trug ich jedenfalls auch wieder mein schwarzes Shirt, es ist einfach schön bequem und scheint von den mir wohlwollenden Menschen niemanden aufzuregen. Eine kleine Extravaganz erlaubte ich mir dann aber doch: Das Shirt hatte dieses Mal einen Rollkragen. Hat aber niemand bemerkt. Ich fürchte, so wird es bei der nächsten Erbschaftsteuerdebatte auch wieder.

Ich hoffe, Sie haben am Wochenende mehr Farbe in Ihrem Leben. Vielleicht ja auch dank unserer zehn Leseempfehlungen.

Ihr
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende

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