Zweitwohnsitz am Mittelmeer: Käufern von Ferienhäusern kommt der Meerblick teuer zustehen
Blick über das Tramuntana-Gebirge und das offene Meer für 8,5 Millionen Euro.
Foto: Engel & VölkersDüsseldorf. Zwischen zwei Straßenseiten liegen manchmal Welten. Zum Beispiel in der Calle Sant Magí in Palma de Mallorca. Die schmale Einbahnstraße im trendigen Santa-Catalina-Viertel westlich der Innenstadt verläuft parallel zur Bucht von Palma und ihrem imposanten Jachthafen.
Wer vorhat, sich im quirligen Quartier der mallorquinischen Hauptstadt einen Zweitwohnsitz zuzulegen, sollte bei Angeboten genau auf die Hausnummer achten. Ist sie ungerade, wird es nämlich teuer. Durchschnittlich 66 Prozent mehr als für Wohnungen mit geraden Hausnummern müssen Käufer in der Calle Sant Magí ausgeben, hat die amtlich anerkannte spanische Immobilienbewertungsgesellschaft Tecnitasa herausgefunden. Statt 3000 Euro kostet der Quadratmeter gegenüber gleich 5000 Euro. Einziger Grund: Wer auf der Südseite der Straße wohnt, kann von der Dachterrasse aus das Meer sehen.
Nicht nur auf dem Markt für Zweitwohnsitze in der Hauptstadt, sondern auch in den Küstenregionen der größten Baleareninsel bestimmt dieses Kriterium den Preis maßgeblich mit. Wie eine aktuelle Studie des Center for Real Estate Studies (CRES) am Freiburger Steinbeis-Transfer-Institut ergab, beträgt der Aufschlag für Immobilien mit direkter Sicht aufs Meer Anfang 2018 inselweit 43 Prozent.
Liegt die Ferienimmobilie unmittelbar am Strand oder an der Steilküste – Makler sprechen dann von einer Lage in erster Meereslinie –, werden durchschnittlich sogar 93 Prozent mehr verlangt, fanden die CRES-Forscher heraus.
„Es zeigen sich aber starke Unterschiede zwischen den Regionen“, sagt Marco Wölfle, Studienautor und wissenschaftlicher Leiter des CRES. Die Preisaufschläge für Häuser und Wohnungen in erster Meereslinie reichen von 23 Prozent im Nordosten der Insel bis zu 145 Prozent im Nordwesten (siehe Grafik).
Dort, in der Region um Sóller, ist ein Quadratmeter Ferienwohnung bereits für gut 3600 Euro zu haben – vorausgesetzt, es muss kein Meerblick sein. Wer darauf nicht verzichten will, zahlt 2500 Euro mehr pro Quadratmeter, in direkten Wasserlagen steigt der Preis dann sprunghaft auf gut 8800 Euro.
„Der Meerblick scheint für Käufer noch wichtiger geworden zu sein“, vergleicht Wölfle das aktuelle Studienergebnis mit dem früherer Untersuchungen. Im vergangenen Jahr hatten die Statistiker, die in diesem Jahr zum vierten Mal den mallorquinischen Ferienhausmarkt im Auftrag des Maklerhauses Porta Mallorquina Real Estate untersuchten, ein maximales Preisplus von „nur“ 109 Prozent für Immobilien in Meerlagen ermittelt – und zwar im Süden der Insel.
Florian Hofer, Geschäftsführer des Immobilienvermittlers Engel & Völkers auf den Balearen, führt diese hohen Preisdifferenzen auf einen einfachen Grund zurück: „Immobilien direkt am Meer sind äußerst rar.“ Und nur im Südwesten, der traditionell begehrtesten Region für Zweitwohnsitzkäufer, und im Umland der Hauptstadt Palma liegen die Preise mit gut 9500 Euro noch über dem Niveau im Nordwesten.
Käufer entdecken das Landesinnere
Solche Preisunterschiede bringen manchen Käufer offenbar zum Nachdenken, meint Engel-&-Völkers-Mann Hofer. Statt sich auf dem enger werdenden Markt an den Küsten in Preiskämpfe einzulassen, weichen Käufer durchaus in ländlichere Gegenden im Hinterland aus. „Das Interesse an Lagen im Umkreis von etwa 15 Autominuten zu den Küsten nimmt zu“, sagt Hofer. Notwendige Bedingung bei solchen Objekten sei ein ausreichend großer Pool.
Die Auswertung des Freiburger CRES weist in eine ähnliche Richtung. So habe sich das Immobilienangebot im Zentrum der Insel Anfang 2018 gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt und macht damit am Gesamtmarkt aktuell bereits einen Anteil von zwölf Prozent aus – der zweithöchste nach dem Südwesten mit 30 Prozent. Marco Wölfle vermutet, dass die steigende Zahl an Sporttouristen – Radfahrer oder Wanderer – für die steigende Nachfrage in dieser Region verantwortlich sein könnte.
Nicht zuletzt dürfte auch das Preisniveau viele Käufer überzeugen: In der Inselmitte gibt es den Quadratmeter Finca bereits für durchschnittlich 3300 Euro. Und auch die Preissteigerungen, die Immobilien auf Mallorca zuletzt wieder erleben, bleiben im Zentrum der Baleareninsel mit neun Prozent auf Jahressicht unter dem Inseldurchschnitt, den die CRES-Studie auf zwölf Prozent taxiert.
Auch das Luxussegment des Marktes – Villen ab zwei Millionen Euro in den exklusiven Lagen um Port d’Andratx, Son Vida, Portals oder Camp de Mar – zeigt sich in Bestform.
Im vergangenen Jahr wechselten laut einem Bericht des Maklerhauses Mallorca Gold allein in diesem Segment Immobilien im Wert von knapp 800 Millionen Euro den Eigentümer, 13 Prozent mehr als 2016 und ein neuer Rekord. Durchschnittlich zahlten die wohlhabenden Käufer knapp fünf Millionen Euro für ihre Luxusvilla – Meerblick und großer Pool selbstverständlich inklusive.