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Handelsblatt-IndustriegipfelWie Künstliche Intelligenz Europa und China verändern wird

Auf dem Handelsblatt-Industriegipfel diskutierten prominente Gäste über den rasanten Aufstieg der KI – und warum ausgerechnet China darauf schlecht vorbereitet ist.Kevin Knitterscheidt 06.11.2018 - 12:03 Uhr Artikel anhören

Der Philosoph fordert ein Grundeinkommen von 1500 Euro.

Foto: Stefanie Hergenröder für Euroforum

Duisburg. Die Volksrepublik China gilt als Musterland für Künstliche Intelligenz. Kaum eine andere Nation steckt so viel Geld und Einsatz in die Entwicklung der Technologie. Doch glaubt man Richard David Precht, ist auch kaum ein anderes Land gesellschaftlich so schlecht auf den flächendeckenden Einsatz Künstlicher Intelligenz vorbereitet.

So erklärte der Philosoph beim Handelsblatt-Industriegipfel am Dienstag: „Eine Gesellschaft, die auf Künstlicher Intelligenz basiert, braucht ein völlig neues Betriebssystem.“ Denn wenn viele Berufsbilder wegfallen, ist ein sozialer Ausgleich nötig, um die Kaufkraft der breiten Bevölkerung zu erhalten, um Unruhen vorzubeugen. China indes schlage einen anderen Weg ein, so Precht: „Das Land ist gerade auf dem Weg in eine kybernetische Diktatur.“

In der Duisburger Gebläsehalle diskutierten die Teilnehmer des Industriegipfels über Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und die Auswirkungen auf Industrie und Gesellschaft. Dabei fiel der Blick oft auf die Volksrepublik, die viele der anwesenden Unternehmer als Bedrohung für ihr Geschäft ansehen.

So erklärten bei einer Live-Umfrage 49 Prozent der Teilnehmer, dass chinesische Firmen ihnen „dicht auf den Fersen“ seien. Zwölf Prozent gaben an, dass chinesische Konkurrenten mit ihnen gleichauf lägen – und weitere zehn Prozent, dass ihnen die Chinesen bereits überlegen seien.

Philosoph Precht bemühte sich zu beruhigen: „Im Gegensatz zu China und den USA hat Europa eine solide industrielle Basis, die auch noch nach der Digitalisierung gebraucht wird.“ Doch werde die Nachfrage nach Arbeit abnehmen: „Darauf müssen sich vor allem die Sozialsysteme einstellen.“

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Der Verlust werde die Gesundheits- und Altersversorgung vieler Staaten zusammenbrechen lassen. Man diskutiere viel über den Demografiewandel, sagt Precht. Dabei sei der Effekt durch die Digitalisierung der Arbeitswelt viel stärker.

Ähnlich äußerte sich der ehemalige Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD), der das Fundament des sozialen Ausgleichs in Deutschland angesichts der fortschreitenden Digitalisierung vor einer Belastungsprobe sieht: „Noch nie ist unser Wohlstandsmodell in den vergangenen 200 Jahren so stark unter Druck geraten wie heute.“

Zwar könnten Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz dazu führen, dass die Fertigung wieder von den Schwellenländern in die Industrieländer zurückkehre, so der Minister. „Doch das heißt nicht, dass auch die Arbeitsplätze zurückkehren.“

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Precht empfiehlt als Antwort ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 1.500 Euro. Für Gabriel wäre dies die „defensivste Form“, mit den Herausforderungen der Digitalisierung umzugehen: „Damit wäre ein Teil der Gesellschaft immer aus dem Arbeitsmarkt raus, während ein anderer Teil 60 bis 70 Stunden pro Woche arbeiten muss, weil wir die Facharbeiter brauchen.“

Die Spaltung der Gesellschaft schreite so nur schneller voran. „Wir müssen stattdessen dafür sorgen, dass die Effizienzgewinne fair verteilt werden. Die Soziale Marktwirtschaft muss sich stark erneuern.“

China versucht, dem Problem wachsender sozialer Spannungen mit einem völlig anderen Rezept beizukommen: Mithilfe eines digitalen Belohnungssystems will Peking die Reputation seiner Bürger in Zahlenwerten erfassen und sie zu besserem Verhalten erziehen. Für Deutschland sehen darin weder Philosoph Precht noch Gabriel eine Lösung. „Da trifft Big Brother auf Big Data“, sagte der ehemalige Minister.

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