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Dax AktuellDax rettet nur Mini-Gewinn in den Handelsschluss – Analysten glauben nicht ans Ende der Talfahrt

Fast sieben Prozent hat der Dax nach dem Kurssturz vom Vortag am Freitag zeitweise zugelegt - kaum etwas davon brachet er ins Ziel. Drägerwerk-Aktien legten zweistellig zu. Jürgen Röder, Judith Henke 13.03.2020 - 17:59 Uhr

Der Dax-Handel verläuft volatil.

Foto: X01095

Düsseldorf. Der Dax beendet den Handel 0,77 Prozent im Plus bei 9.232 Punkten, nachdem er bis zum frühen Nachmittag um knapp sieben Prozent auf ein Tageshoch von 9985 Zählern gestiegen war. Seine zwischenzeitlichen Gewinne hat der deutsche Leitindex somit fast vollständig wieder abgegeben.

Der Handel verlief wie erwartet volatil. Der Freitag bedeutete somit zumindest eine leichte Erholung des Börsenindex, nachdem er im Laufe der vergangenen Woche rund 23 Prozent verloren hatte.

Der anfängliche Optimismus der Anleger wurde überschattet von den Plänen des US-Präsidenten. Kreisen zufolge wolle dieser einen nationalen Notstand wegen des Coronavirus-Ausbruchs erklären, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet.

Demnach werde er sich dabei auf den Stafford Act berufen, um mehr Bundeshilfe für Staaten und Gemeinden zu ermöglichen, wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Der Präsident hat für 15 Uhr Washingtoner Zeit (20 Uhr MEZ) eine Pressekonferenz angekündigt.

Kurz zuvor hatte die Fed erklärt, ihre geplanten Käufe von Staatsanleihen zu beschleunigen, um die Märkte zu entlasten. Im kommenden Monat will sie Staatsanleihen im Wert von 60 Milliarden Dollar kaufen.

Am gestrigen Donnerstag waren die Aktienmärkte weltweit abgestürzt, der Dax hatte 12,2 Prozent verloren und war erstmalig seit 2016 wieder unter die Marke von 10.000 Punkten gerutscht. Zum Schluss notierte er bei 9161 Zählern. Das zwar der zweitgrößte Tagesverlust in der Geschichte des Dax.

Ein historischer Vergleich zeigt: Am 16. Oktober 1989 betrug das Minus 12,8 Prozent. Allerdings verlor der Dax damals lediglich 203 Punkte, weil er nur bei 1385 Zählern lag.

An der Wall Street können Anleger an diesem Freitag ein wenig Luft holen. Der Dow Jones öffnete 4,7 Prozent im Plus, später bröckelten die Gewinne jedoch wieder ab.

Die Coronavirus-Krise wirkt sich immer negativer auf die US-Wirtschaft aus: Die Stimmung der US-Konsumenten hat sich im März angesichts der Pandemie und sinkender Aktienkurse deutlich eingetrübt. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen fiel um 5,1 auf 95,9 Punkte, wie die Universität Michigan am Freitag zu ihrer monatlichen Umfrage mitteilte.

Zudem deuteten die Daten darauf hin, dass mit weiteren Vertrauensverlusten zu rechnen sei, so die Universität. Denn das Virus verbreite sich immer weiter. Der private Konsum gilt als wichtigste Säule der US-Konjunktur, denn er steuert rund 70 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei.

Um die Auswirkungen der Coronakrise auf die deutsche Wirtschaft abzumildern, hat die Bundesregierung entschieden, den Unternehmen mit unbegrenzten Kreditprogrammen zu helfen. Sie stellt der KfW rund 20 Milliarden zur Verfügung, sagt Peter Altmaier. Die KfW kann Unternehmen bis zu 550 Milliarden Euro leihen, um sicherzustellen, dass sie die Pandemie überleben und ihre Mitarbeiter vor den Auswirkungen der Pandemie schützen, sagte Altmaier.

Finanzminister Olaf Scholz zufolge sei Deutschland bereit, zusätzliche Schulden zu übernehmen und werde bei einer Verschlechterung der Situation umfassende fiskalische Anreize in Betracht ziehen. Die Entscheidung der Bundesregierung dürfte heute ein Grund gewesen sein, weshalb sich der Dax erholte.

Zudem schätzen nach den Staatshilfen von Bundesregierung und EU Investoren die Gefahr von Firmenpleiten geringer ein. Der „Markit iTraxx Europe Crossover"-Index, der als Barometer für die Absicherungskosten europäischer Unternehmen gilt, gibt 85 Basispunkte nach auf 493 Basispunkte.

Doch bedeuten die heutigen Kursgewinne schon das Ende der massiven Verluste am deutschen Aktienmarkt? Mehrere Indikatoren signalisieren eindeutig nein. Man muss nur auf das Verhalten der Privatanleger schauen, die bereits wieder auf steigende Kurse spekulieren.

So notiert das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, das aus realen Trades mit Dax-Hebelprodukten gebildet wird, wieder im spekulativen Bereich. Anleger haben deutlich mehr Call- in ihren Depots als Short-Produkte, die von fallenden Kursen profitieren.

Solch ein Verhalten nach den Crash-Tagen ist ein klassischer Kontraindikator, weil bei fallenden Kursen die Anleger schnell wieder verkaufen. Börsenroutiniers wissen es: Eine Verkaufswelle endet erst dann, wenn es kaum noch Verkäufer gibt.

Auch wenn die institutionellen Investoren etwas vorsichtiger sind: Es sind noch immer zu viele Optimisten im Markt. „Die Hoffnung vieler Akteure, es werde sich noch alles zum Besten wenden, ist immer noch zu groß“, erläuterte Joachim Goldberg nach Auswertung der Sentimentumfrage der Börse Frankfurt.

Das sieht Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege des Vermögensverwalters Blackrock, ähnlich. Er glaubt nicht an ein Ende des Ausverkaufs. „Meine Erwartung ist, dass man Aktien in den nächsten Wochen noch günstiger bekommen wird“, meint er.

Auf die Frage „Steht der Dax in zwölf Monaten höher als heute“, würde er aber mit „ja“ antworten – kurzfristig könnte es halt nur zunächst noch weiter runter gehen.

Auch Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Firmen und Privatkunden der Deutschen Bank, erwartet angesichts der für Unternehmen und Analysten undurchsichtigen Lage weiterhin erhöhte Schwankungen an den Börsen.

Zurzeit habe die Verkaufswelle zwar den Nebeneffekt günstigerer Kurse für Anleger, die auf eine Einstiegsmöglichkeit gewartet haben. Die Bewertungsniveaus seien deutlich gesunken, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis würden Dax und Stoxx 600 über zehn Prozent günstiger als im Schnitt der letzten 15 Jahre gehandelt.

Doch: „Die Bewertungen sollten in den kommenden Wochen jedoch wieder steigen, da die Analysten wegen der Coronavirus-Pandemie ihre Gewinnschätzungen wohl weiter senken werden. Aktuell preisen die Märkte noch keinen Gewinnrückgang im laufenden Jahr ein“, betont der Börsenexperte.

Dem Chefstratege der DZ Bank Christian Kahler zufolge seien in der Vergangenheit die Aktienkurse in einer Rezession meist unter den Buchwert des Unternehmens gefallen. Derzeit liege der Buchwert des Dax bei etwa 8100 Punkten. „Es ist also durchaus denkbar, dass die Aktienmärkte in den kommenden Wochen noch weiter zurücksetzen werden und erst im April oder Mai ihr Tief im Bereich, umgerechnet auf den Dax, zwischen 8000 und 9000 Punkten finden werden.“

EZB-Chefvolkswirt stellt Lagarde-Aussagen klar

Neuigkeiten gab es von der europäischen Notenbank: Philip Lane, Chefvolkswirt der EZB, hat am Freitag in einem Blogeintrag auf der Homepage der Notenbank klargestellt, dass er und seine Kollegen im EZB-Rat weiterhin bei Verwerfungen im Markt für Staatsanleihen eingreifen wollen.

Diese Klarstellung war notwendig, weil EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Vortag mit einer ungeschickten Äußerung die Risikoaufschläge italienischer Staatspapiere in die Höhe getrieben hatte. Sie korrigierte sich zwar danach in einem Interview mit dem US-Sender CNBC, was aber die Märkte nicht durchgehend beruhigte.

Die kurze Zusammenfassung: Die EZB kauft gezielt, um in Panik-Situationen hohe Risikoaufschläge – zum Beispiel bei Anleihen bestimmter Staaten – aufzufangen. Genau das hatte Lagarde am Vortag während der EZB-Sitzung abgestritten.

Lane stellte auch klar, dass die EZB in solchen Fällen von dem so genannten Kapitalschlüssel abweichen kann, also der Gewichtung der Käufe nach wirtschaftlicher Größe und Bevölkerung der Euro-Länder. Entscheidend sei lediglich, dass im Gesamtbestand der Anleihen – also auch aus früheren Käufen – diese Proportionen gewahrt bleiben.

Damit kehrt Lane zu einer früher bereits geltenden Interpretation der Regeln zurück. Eine Äußerung von Lagarde konnte dagegen zumindest so verstanden werden, als solle das am Donnerstag beschlossene zusätzliche Kaufprogramm von 120 Milliarden Euro bis Jahresende in sich ausgeglichen sein. Zudem hält der Chefvolkswirt künftige Zinssenkungen der EZB für möglich.

Kursstürze im Vergleich

Der Dax erlebt derzeit den schnellsten Crash seiner Geschichte, deswegen lohnt es für Anleger, die vorherigen Abstürze anzuschauen. Vor allem der Vergleich mit der Finanzkrise lohnt, weil sowohl 2008 als 2020 die Aktienkurse jahrelang stärker gestiegen waren, als es den Unternehmen gelang, ihre Gewinne zu erhöhen.

Da der Dax ein Performance-Index ist, bei dem Dividenden mit eingerechnet werden, bietet der Chart des Dax-Kursindex ohne Dividenden eine bessere Hilfestellung.

Der Vergleich: Der Kursindex erreichte Ende 2007 mit 5282 Punkten sein damaliges Hoch, um anschließend um mehr als 55 Prozent auf 2258 Zähler abzustürzen. Übertragen auf die aktuelle Lage hat dieses Börsenbarometer ohne Dividenden noch weiteres Abwärtspotenzial. Denn bislang beträgt das Minus „nur“ rund 32 Prozent.

Der Kursindex fiel bislang von 6136 Zähler auf 4062 Punkte. Was im Gegensatz zur Finanzkrise bislang völlig fehlt, sind zwischenzeitliche Erholungsphasen. Der aktuelle Handelstag bedeutete zumindest eine leichte Erholung.

Bankaktien im Fokus

Und wie in der Finanzkrise sollten Anleger die Kurse der Banken im Blick behalten. Denn seit Jahresbeginn ist der Stoxx 600 Banken mehr als ein Drittel eingebrochen. Noch am gestrigen Donnerstag rutschten die Aktien von Commerzbank und Deutsche Bank auf neue Rekordtiefs ab.

Am heutigen Freitag ist aber wieder Entspannung angesagt: Die Deutsche-Bank-Aktie legte in der Spitze mehr als 18 Prozent zu, Commerzbank-Papiere stiegen zwischenzeitlich sogar um bis zu 19,67 Prozent. Später gaben die beiden Banken-Papiere jedoch wieder stark nach und schlossen rund vier Prozent fester.

Eine beunruhigende Tatsache ist, dass sich in den vergangenen Tagen die Kreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), sprunghaft verteuert haben: Sie signalisieren heute eine steigende Wahrscheinlichkeit, dass die in den vergangenen Jahren aufgebauten Eigenkapitalpolster nicht ausreichen werden, um alle Banken ohne Kapitalklemme durch eine möglicherweise einschneidende Coronakrise zu bringen.

Blick nach Italien und Spanien

An zwei südeuropäischen Börsen stemmt man sich mit Verboten gegen eine Crash-Fortsetzung. Als Reaktion auf die drastischen Kursverluste hat Italiens Finanzmarktaufsicht Consob Leerverkäufe der Aktien von 85 Unternehmen verboten, nachdem die Kurse an der Mailänder Börse um 17 Prozent eingebrochen sind. Das betrifft vor allem die Bankentitel. Das Verbot gelte für diesen Freitag.

Auch in Spanien wurden Leerverkäufe von 69 Aktien verboten, um einen Massenverkauf der Wertpapiere dieser Unternehmen zu verhindern. Das Verbot gelte für alle Papier, die am Donnerstag mehr als zehn Prozent nachgegeben und alle illiquide Aktien, die um mehr als 20 Prozent gefallen seien. Der spanische Börsenindex IBEX gab am Donnerstag über 14 Prozent nach, der größte je gemessene Verlust an einem Tag.

Die Deutsche Börse will trotz der Börsenturbulenzen kein Leerverkaufsverbot verhängen. Einen solchen Schritt ergreife man nicht, sagte ein Konzernsprecher am Freitag. Nach dem Einbruch der Aktienmärkte am Donnerstag waren Spekulationen laut geworden, dass auch in Deutschland Leerverkäufe verboten werden könnten.

Mit Leerverkäufen wetten Anleger auf einen Kursverfall einer Aktie. Dabei verkaufen sie Wertpapiere, die sie sich zuvor gegen eine Gebühr leihen. Sinkt der Preis bis zum Rückgabe-Datum, können sie sich billiger mit den Titeln eindecken und streichen die Differenz ein. Steigt der Kurs dagegen, droht den Leerverkäufern Verlust.

Blick auf die Einzelwerte

Wirecard: Das Unternehmen hat einen vorläufigen Stand der KPMG-Sonderprüfung veröffentlicht, die die zahlreichen Vorwürfe aufklären soll, mit denen der Konzern in den vergangenen Monaten konfrontiert war. Stand jetzt bringt dieser jedoch nur begrenzte Aufklärung über die Bilanzierungsmethoden bei Wirecard. Die Aktie hatte gestern 17,9 Prozent verloren, heute ging es zum Handelsauftakt knapp 30 Prozent aufwärts. Aus dem Handel ging Wirecard allerdings mit einem Wertzuwachs von nur noch 4,47 Prozent.

Roche: Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat einen Test des Schweizer Pharmakonzerns Roche zum Nachweis des Sars-CoV-2-Virus im Rahmen einer Notfall-Bestimmung vorübergehend zugelassen. Roche will an seine Kapazitätsgrenzen gehen, um Krankenhäusern und Laboren in den USA und teilweise auch in Europa Millionen der Tests zur Verfügung stellen zu können. Ein einzelnes Testsystem liefere innerhalb von 24 Stunden Ergebnisse von bis zu 4128 Proben. Die Aktie legt am deutschen Aktienmarkt in der Spitze mehr als elf Prozent, aus dem Handel ging sie jedoch nur im leichten Plus von 3,15 Prozent.

Dräger: Der Lübecker Medizintechnikkonzern Drägerwerk hat von der Bundesregierung einen Großauftrag zur Lieferung von 10.000 Beatmungsgeräten erhalten. Die Abwicklung des Auftrages werde sich über das ganze Jahr erstrecken, teilte Dräger am Freitag mit. Am Donnerstagabend hatte die Bundesregierung als Reaktion auf die Ausbreitung des Coronavirus angekündigt, die Beatmungskapazitäten in Deutschland deutlich auszubauen.

„Das ist der größte Auftrag, den wir je hatten“, sagte ein Dräger-Sprecher. „Wir müssen die Kapazitäten erweitern.“ Dass eine Regierung direkt beim Unternehmen bestelle, sei sehr ungewöhnlich. Normalerweise seien Krankenhäuser und Kliniken die Kunden. Die Papier von Dräger notierten zum Handelsschluss 16,1 Prozent im Plus bei 58,05 Euro.

Was die Charttechnik sagt

In den vergangenen 16 Handelstagen ist der deutsche Aktienindex 14 Mal mit einem Minus aus dem Handel gegangen. Von einer Stabilisierung ist das Aktienbarometer also unverändert weit entfernt. Charttechnik und fundamentale Gründe spielen bei Investoren derzeit keine Rolle.

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Gregor Bauer, unabhängiger Portfoliomanager und Vorsitzender der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands, sagt: „Genau das ist ein Zeichen für die Panik, ebenso wie das Phänomen, dass Investoren in ihren Verkäufen kaum noch nach Branchen oder Unternehmen unterscheiden. Es ist noch kein Ende des Ausverkaufs abzusehen.“

Charttechnisch gesehen haben wir einen Bärenmarkt, da die großen Indizes mittlerweile mehr als 20 Prozent unter ihren Allzeithochs notieren. Im Krisenmodus definiert das Tief vom Februar 2016 bei 8.699 Punkten die nächste Rückzugslinie. Um den größten Druck vom Dax zu nehmen, bedarf es zumindest eines Handelstags ohne neues Verlaufstief oder, wie heute, zumindest ein Tag mit einem leichten Pluszeichen.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

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