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Expertenrat – Tijen OnaranDie Coronakrise bietet Unternehmen die Chance, sich endlich zu digitalisieren

Wegen der Pandemie schicken viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice. Die Firmen müssen in vielerlei Hinsicht umdenken und auf neue Tools setzen.Tijen Onaran 18.03.2020 - 13:44 Uhr Artikel anhören

Viele Berufstätige in Deutschland arbeiten wegen des Coronavirus von zu Hause.

Foto: dpa

Ich war noch nie ein Fan von Homeoffice: weder als Angestellte noch heute als Unternehmerin.

Nicht, weil ich dieses völlig verzerrte Bild von Homeoffice hatte, dass man zu Hause unproduktiver oder schlichtweg gar nicht arbeiten würde. Sondern weil ich immer der Auffassung war, dass der Informationsfluss in der Teeküche, im Flur oder in der Raucherpause mit digitalen Tools und Telefonkonferenzen nicht zu ersetzen ist.

Als sich die Lage in den vergangenen Tagen wegen des Coronavirus allerdings zuspitzte und viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice schickten, diskutierten wir auch in meinem Unternehmen Global Digital Women die Situation und kamen zu dem Schluss: Jedem geht es besser, wenn er weiß, dass er durch sein Verhalten einen Beitrag dazu leisten kann, dass sich die Lage in der Coronakrise verbessert.

Daher haben auch wir vor einigen Tagen mit dem Homeoffice begonnen. Wir sehen diese Situation als Möglichkeit, auszuprobieren, ob und wie die Zusammenarbeit funktioniert.

Wir arbeiteten zuvor schon mit digitalen Tools. Dennoch haben wir die Lage zum Anlass genommen, neue auszuprobieren und zu schauen, welche für uns die besten sind. Wir sind ein kleines zehnköpfiges Team, und dennoch ist die Situation auch für uns eine Herausforderung. Erst vor wenigen Tagen haben wir eine neue Mitarbeiterin begrüßt.

Auch andere und weitaus größere Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter ins Homeoffice und reagieren damit nicht nur auf die Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn, die Möglichkeit des Homeoffice zu nutzen, sondern damit auch auf das Stimmungsbild der Arbeitnehmer im Land.

In einer aktuellen Studie der Management- und Strategieberatung PwC unter 716 Arbeitnehmern sagten 38 Prozent der Befragten, dass sie sich von ihrem Arbeitgeber bessere Möglichkeiten wünschten, vorsichtshalber zu Hause zu arbeiten. Aktuell hatten demnach nur 14 Prozent der Befragten eine erweiterte Homeoffice-Möglichkeit.

Für mich als Unternehmerin stellen sich daher die Fragen: Wie ist die Stimmung in meiner Firma? Und was kann und muss ich als Geschäftsführerin dazu beitragen, damit alle mit der Krisensituation gut umgehen und ihrer Tätigkeit nachgehen können?

Für Unternehmen bedeutet dies mehr denn je, sich endlich zu digitalisieren. Dabei kommt es vor allem darauf an, in gute Tools zu investieren und in die Weiterbildung der Mitarbeiter.

Nur wer digital teilhaben kann, kann auch seiner Arbeit nachgehen

Gerade jetzt wird deutlich, wie wichtig es ist, dass Digitalkompetenzen in die Breite der Belegschaft getragen werden. Dabei geht es in erster Linie nicht um Programmierkompetenzen, sondern darum, wie digitale Tools das tägliche Arbeiten erleichtern, welchen Regeln digitale Meetings folgen sollten und wie alle Mitarbeiter befähigt werden können teilzuhaben.

Letztlich zeigt diese Krise uns doch, wie wichtig digitale Teilhabe und insbesondere auch Inklusion ist. Heute heißt es mehr denn je: Nur wer digital teilhaben kann, kann auch seiner Arbeit nachgehen.

Ein besonderer Aspekt dabei: die Präsenz von Führungskräften in digitalen Kanälen, sowohl intern als auch extern. Plötzlich stellt sich gar nicht mehr die Frage, ob Führungskräfte in den sozialen Medien vertreten sein sollten, denn es wird nun zum Nachteil, wenn sie es nicht sind.

So sind beispielsweise laut einer Studie der Strategieberatung Oliver Wyman gerade einmal 37 Prozent der Vorstände auf Twitter, LinkedIn oder Xing vertreten. Insbesondere jetzt zeigt sich: Wer nicht sichtbar ist, findet nicht statt. Oder: Wer nicht sichtbar ist, hat keine Wirkung.

Neue Ideen durch die Krise

An unserem eigenen Unternehmen kann ich deutlich sehen: Die Coronakrise bringt neue Ideen. Egal, ob es neue Geschäftsmodelle sind, neue Produkte oder Dienstleistungen. Mehr denn je sind wir gefragt Altes neu zu denken. Und mehr denn je sind Unternehmen gefragt, das „Das haben wir schon immer so gemacht“-Prinzip durch das „Das haben wir noch nie so gemacht“-Prinzip zu ersetzen.

Durch die wegfallenden Reisen und langen Meetings ist auf einmal mehr Platz für Kreativität und Produktivität. Klar ist: Es gibt auch viele negative Folgen der Krise, insbesondere für Branchen, die im Veranstaltungssektor oder produzierenden Gewerbe unterwegs sind. Und dennoch lässt sich eines sagen: Jede Krise bringt neue Chance – und diese mehr denn je, dass sich Unternehmen endlich digitalisieren!

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Mehr: Tijen Onaran ist überzeugt: Jeder hat einen Markenkern. Die Frage ist, was wir daraus machen.

Tijen Onaran ist Unternehmerin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Firmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche. Foto: Handelsblatt

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