Umfrage in zwölf EU-Staaten: Die Coronakrise verstärkt den Trend zum bargeldlosen Zahlen
Viele Geschäfte fordern ihre Kunden auf, statt mit Bargeld mit Karte zu zahlen. Dabei ist der Anteil der kontaktlosen Zahlungen stark gestiegen.
Foto: obsFrankfurt. Im Zuge der Coronakrise verlieren Barzahlungen an Bedeutung. In zehn europäischen Ländern zahlen durchschnittlich nur noch 37 Prozent der Verbraucher am liebsten in bar, wie eine Umfrage der Beratungsfirma PwC Strategy& zeigt. Vor zwei Jahren lag der Anteil noch bei 43 Prozent.
Vor allem Debitkarten gewinnen an Bedeutung. Ihr Anteil vom Zahlungsverkehr ist von 27 Prozent auf 31 Prozent gestiegen. PwC Strategy& hat im August und im September rund 3500 Verbraucher aus zwölf europäischen Ländern befragt. Die vergleichbare Umfrage 2018 fand nur in zehn Ländern statt.
Den Trend hin zu weniger Barzahlungen gibt es bereits seit Jahren, die Coronakrise beschleunigt ihn nun. Zahlreiche Geschäfte und Restaurants fordern ihre Kunden und Gäste auf, mit Karte statt mit Bargeld zu zahlen. Und viele Verbraucher kommen dem nach – auch weil sie Karten- und Smartphone-Zahlungen als hygienischer empfinden.
Dabei sind die Vorlieben europaweit unterschiedlich. In etlichen anderen Ländern nutzen die Verbraucher schon jetzt deutlich weniger Bargeld als in Deutschland. So ziehen in Schweden nur 15 Prozent der Befragten Barzahlungen vor. In Frankreich wiederum sind laut der Umfrage nicht Debit-, sondern vor allem Kreditkartenzahlungen populär.
Die Liebe der Deutschen zum Bargeld ist vergleichsweise ausgeprägt. Der PwC-Umfrage zufolge zahlen derzeit 56 Prozent am liebsten in bar, vor zwei Jahren waren es noch 61 Prozent. Andere Befragungen aus Deutschland – auch mit mehr Teilnehmern – kommen zu einem ähnlichen Ergebnis.
Girocard am beliebtesten
Im Gegenzug nutzen die deutschen Verbraucher öfter die Girocard, besser bekannt unter ihrem alten Namen „EC-Karte“. Rund 100 Millionen Girocards sind in Umlauf. 30 Prozent der Befragten verwenden derzeit meist die Girocard, um ihre Einkäufe zu bezahlen. Kreditkartenzahlungen büßen dagegen weiter an Beliebtheit ein. Ihr Anteil beträgt nur noch sieben Prozent.
Im ersten Halbjahr 2020 stieg die Zahl der Girocard-Transaktionen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 21 Prozent auf rund 2,6 Milliarden. Zuletzt war jede zweite Zahlung kontaktlos. Kunden müssen die Karte dabei nicht mehr in das Kartenterminal an der Ladenkasse hineinstecken, sondern nur noch dicht an das Gerät heranhalten. Bei Beträgen bis 50 Euro müssen sie oft keine Geheimnummer (PIN) mehr eingeben.
Auch das Bezahlen per Smartphone wird europaweit beliebter. Rund zwölf Prozent der Befragten geben an, am liebsten per Handy zu zahlen. In Deutschland liegt der Anteil allerdings nur bei sechs Prozent. Etwas mehr – immerhin neun Prozent – nutzen das Smartphone mindestens gelegentlich zum Bezahlen.
Das Bezahlen per Smartphone steht insgesamt noch ganz am Anfang. Einige Banken haben eigene Bezahl-Apps gestartet, die Bezahldienste Apple Pay und Google Pay sind ebenfalls in Deutschland verfügbar. Seit August können Sparkassenkunden auch die Girocard mit Apple Pay verknüpfen.
Mit diesem Ansatz stehen die Sparkassen aber vorerst allein da. Bei anderen Banken sowie bei den Volksbanken können Kunden dagegen nur eine Kreditkarte oder eine virtuelle Debitkarte einer Kreditkartenfirma hinterlegen.
Doch es gibt infolge der Coronakrise auch den umgekehrten Effekt: Zwar geben 43 Prozent der aus Deutschland Befragten an, dass sie jetzt mehr mit Karte oder Smartphone zahlen. Aber immerhin gut 20 Prozent nutzen seit Ausbruch der Corona-Pandemie mehr Bargeld, bei 37 Prozent hat sich nichts geändert.