Staatsquoten: Ist das noch Marktwirtschaft – oder doch schon Staatswirtschaft?
So hat sich die Staatsquote entwickelt.
Foto: HandelsblattParis, Düsseldorf. André-Marc hat Glück im Unglück: Auch wenn es im Herzen von Paris aufgrund des zweiten Lockdowns deprimierend ruhig geworden ist – seinen dunkelgrünen Kiosk an einer der zentralen Avenuen darf er offen halten. Zeitungen gelten als „lebensnotwendiger Bedarf“, und die Händler sind vom Lockdown ausgenommen. „Die meisten meiner Kollegen haben trotzdem dichtgemacht, sie haben zu wenig Kunden“, sagt der 52-Jährige.
Touristen kommen nicht mehr, und die Laufkundschaft bleibt ebenfalls aus: Die Büros sind verwaist, der Staat verordnete in vielen Bereichen Telearbeit. „Aber ich habe einen Lieferdienst für meine großen Kunden wie Unternehmen und Botschaften organisiert, deshalb geht es mir ganz gut“, sagt André-Marc. „Außerdem erhalte ich aus dem staatlichen ‚Solidaritätsfonds‘ eine monatliche Unterstützung von 1500 Euro.“
Dieser Fonds existiert bereits seit dem ersten Lockdown im Frühjahr. Jetzt verabschiedete Frankreichs Nationalversammlung den vierten Nachtragshaushalt für 2020 und stockte den Fonds um elf Milliarden Euro auf. Was den Unternehmen an Umsatz und Einkommen durch die staatlichen Corona-Auflagen entgeht, soll zumindest teilweise durch Zahlungen an Einzelhändler und Geld für Kurzarbeit wettgemacht werden.