1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Medien
  4. Fox News bricht mit Trump: Trotz Quoten-Minus könnte sich das für den Sender auszahlen

Murdoch-SenderFox News bricht mit Trump: Trotz Quoten-Minus könnte sich das für den Sender auszahlen

Kleine Revolution in der US-Medienszene: Fox News distanziert sich von Donald Trump. Doch mit der 180-Grad-Wende ist es nicht getan: In der Besitzerfamilie Murdoch tobt ein Richtungsstreit.Katharina Kort 25.11.2020 - 13:58 Uhr Artikel anhören

Bei dem im Mai geführten Interview war die Welt für den US-Präsidenten noch in Ordnung. Nun wendet sich der Sender von ihm ab.

Foto: dpa

New York. Die „goldene Gans“ ist wütend. US-Präsident Donald Trump, der sich selbst als solche bezeichnet hat, um klar zu machen, dass er bei Fox News für die Quote gesorgt habe, fühlt sich von seinen Freunden beim Sender im Stich gelassen.

Die Einschaltquoten des Senders waren in den 14 Tagen nach der Präsidentschaftswahl im Vergleich zu den zwei Wochen davor tatsächlich um 32 Prozent gesunken. Sie seien „kollabiert“, twitterte Trump zwischenzeitlich.

Der Grund dafür war für ihn klar: „Sehr traurig, das mit anzusehen, aber sie haben vergessen, was sie erfolgreich gemacht hat, was sie dorthin gebracht hat. Sie haben die goldene Gans vergessen.“ Damit meinte er natürlich: sich selbst.

Seitdem wird das Verhältnis nicht besser geworden sein. Fox News hatte sich erstaunlich schnell vom Präsidenten distanziert. Als erster Sender erklärte Fox noch am Wahlabend den demokratischen Herausforderer Joe Biden in Arizona zum Gewinner.

In den Tagen danach sagten Fox-Journalisten nach einer Pressekonferenz des Präsidenten, dass es für Trumps Vorwürfe des Wahlbetrugs keine Beweise gebe. Ein andermal unterbrach der Moderator die Übertragung eines Trump-Auftritts komplett, während andere Sender wie CNN ihn weiter übertrugen.

Auch an die interne Ansage wenige Tage nach der Wahl, Joe Biden nicht als „President elect“, also als gewählten Präsidenten, zu bezeichnen, hielt sich kaum jemand bei Fox. Am vergangenen Wochenende verlangte sogar der extrem Trump-treue Moderator Tucker Carlson nach Beweisen für die absurden Verschwörungstheorien der Anwältin Sidney Powell. Zwei Tage später ließ das Trump-Team Powell fallen.

Als Trump am Montag Biden den Übergang und den Zugang zum Weißen Haus und zu den Institutionen ermöglichte, hieß es bei Fox, der Präsident sei in der Realität angekommen.

Was ist da los bei der Newscorp-Tochter Fox News? Lässt der einstige Hofsender des Weißen Hauses seine goldene Gans im Stich – und wenn ja, warum?

„Murdoch erkennt einen Loser, wenn er ihn sieht“

„Der Grund ist einfacher, als viele glauben“, meint der Journalismusprofessor und Buchautor Jeff Jarvis von der City University of New York: „Trump ist ein Verlierer, und sie versuchen, sich von ihm zu distanzieren.“ Man könne viel Schlechtes über den Medienunternehmer und Newscorp-Gründer Rupert Murdoch sagen, aber eins stehe fest: „Er erkennt einen Loser, wenn er ihn sieht.“

Murdochs Boulevardzeitung „New York Post“ hat ihren Ton bereits drastischer geändert. Das Blatt kritisiert seit Wochen die von Trump verbreiteten Verschwörungstheorien und erkennt Biden als Sieger an. Medienkenner Jarvis nennt das „ihre Version von Realpolitik“.

Doch die Wendung ist offenbar noch viel grundsätzlicher. Innerhalb der Familie Murdoch gibt es einen politischen Richtungsstreit. Dabei stehen die beiden Söhne des 89-jährigen Konzernpatriarchen auf unterschiedlichen Seiten. Der 47-jährige James Murdoch gilt als liberaler und versucht, sich als Vertreter des Zentrums zu positionieren.

Seine Frau Kathryn ging schon am Freitag nach der Wahl mit ihrer Kritik an die Öffentlichkeit: Nachdem CNN-Moderator Jake Tapper den Sender Fox und die Murdochs aufgerufen hatte klarzustellen, dass es keine glaubhaften Beweise für Wahlbetrug gebe, twitterte sie: „Ich stimme dem zu.“

Der 47-Jährige versucht, sich im Familienkonzern als Vertreter des Zentrums zu positionieren.

Foto: Reuters

Anders dagegen der 49-jährige Lachlan Murdoch: „Er soll noch extremer und konservativer als sein Vater sein“, erklärt Jarvis, der früher für Newscorp arbeitete. Lachlan Murdoch hat zwar das Sagen bei Fox News. Doch auch unter seiner Führung distanziert sich der Sender immer mehr von Trump. Dabei geht es nicht unbedingt um politische oder ethische Gesinnung, sondern schlichtweg ums Geschäft.   

„Rupert Murdoch ist ein wirklich smarter Geschäftsmann, ebenso wie seine Söhne. Sie wollen einfach Geld verdienen“, kommentiert Linda Steiner, Journalismusprofessorin von der University of Maryland, den Wandel bei Fox News. Angesichts des realitätsfernen Verhaltens des Präsidenten sei es immer schwerer geworden, ihn weiterhin zu unterstützen.

Barbie Zelizer, Medienwissenschaftlerin an der University of Pennsylvania, weist darauf hin, dass der Wandel zunächst in der Nachrichtenredaktion begonnen habe und nun zaghaft unter den Meinungsführern in den Abend-Talkshows um sich greife. „Das ist ein von oben gewollter Wandel“, ist Zelizer überzeugt. Fox suche gerade seinen Platz in der sich verändernden konservativen Medienlandschaft.

Trump fallen zu lassen sei da durchaus ein kluger Schachzug. „Fox kann dann wieder das tun, was es am besten kann: Als konservative Stimme in der Opposition die Demokraten dämonisieren – ohne von einer einzigen Person abhängig zu sein.“ 

Werbegelder in Gefahr

Steiner sagt, es sei schädlich fürs Werbegeschäft, als radikaler Sender für Randgruppen zu gelten. „Unternehmen, die Werbung schalten, wollen nicht als jemand gesehen werden, der extreme Ansichten unterstützt“, erklärt die Journalismusprofessorin.

Inwiefern die Wahl einen Effekt auf die Werbeerlöse hat, lässt sich noch nicht sagen. Das Marktforschungsunternehmen Kagan prognostiziert den drei größten Nachrichtenkanälen Fox News, CNN und MSNBC insgesamt 13 Prozent weniger Werbeeinnahmen im kommenden Jahr.

Die Zuschauerzahlen haben sich hingegen bereits deutlich verändert: Während Fox stark eingebüßt hat, legten die Konkurrenten MSNBC und CNN in den zwei Wochen nach der Wahl zu. CNN schaltete tagsüber sogar ein Drittel mehr Menschen ein als in den 14 Tagen zuvor. „Trump war die goldene Gans und hat Fox viele Zuschauer gebracht“, sagt Steiner. „Aber ich bin sicher, dass Fox auch ohne Trump weiterhin gutes Geld verdienen kann.“

Am vergangenen Wochenende verlangte der extrem Trump-treue Fox-Moderator nach Beweisen für die absurden Verschwörungstheorien der Trump-Anwältin Sydney Powell.

Foto: AP

Die Abkehr von Trump sei dennoch nicht leicht. Zum einen dürfte man die harten Trump-Fans nicht ganz verprellen. Sonst könnten diese zu neuen Kanälen wie Newsmax oder One America News (OAN) abwandern.

Zum anderen gab es zuletzt Berichte darüber, dass der scheidende Präsident einen eigenen Mediendienst aufbauen wolle. Die meisten Beobachter glauben zwar nicht, dass Trump die Mittel hätte, einen Fernsehsender zu starten. Aber er könnte einen eigenen Streamingdienst oder einen Kanal auf dem Twitter-Ersatz Parler aufbauen.

Verwandte Themen
Donald Trump
Joe Biden
Rupert Murdoch

Für Steiner steht fest: „Trump ist unvorhersehbar, und er wird nicht in der Versenkung verschwinden und seine Zeit mit Golfspielen verbringen.“

Mitarbeit: Jannik Deters

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt